05.02.2014

Vor dem Volksentscheid: Schweizer Kirche wirbt für Integration "Auf allen Ebenen tätig"

In der Schweiz wollen Rechtspopulisten mit einem Referendum einen Stopp der "Masseneinwanderung" erreichen. Walter Müller von der Schweizer Bischofskonferenz beschreibt im domradio.de-Interview die vielfältigen Bemühungen der Kirche um eine gelunge Integration.

domradio.de: In Ihrem Land wird im Moment viel über Zuwanderung diskutiert - dabei geht es um qualifizierte Zuwanderer aus der EU, die als Ärzte oder auch Seelsorger in der Schweiz arbeiten. Warum ist das ein so großes Thema?

Müller: Das Thema ist eminent. In der Schweiz begegnen Ihnen immer wieder viele Menschen aus dem Ausland mit zum Teil fremder Kultur. Wenn Sie zum Arzt gehen, wenn Sie in die Kirche gehen, wenn Sie mit der Leitung ihrer Bank sprechen wollen oder mit der Chefredaktion unserer Medien, da sehen Sie überall auch viele Ausländer. Sie sehen sie aber auch auf den Baustellen, bei den Handwerkern, wenn sie eine Reparatur in Ihrem Haus haben. Die Ausländer sind omnipräsent. Ungefähr ein Viertel der Einwohner der Schweiz haben einen ausländischen Pass.

domradio.de: Wie erleben Sie im Alltag das Miteinander?

Müller: Im Großen und Ganzen gibt es eine recht gute Integration. Da sind die Kleinräumigkeit der Schweiz und der Föderalismus gut geeignet für. Die Kirche beschäftigt sich viel mit dem Thema Migration, sie hat z.B. zahlreiche Sprachmissionen eingerichtet, die helfen bei der Integration.

domradio.de: Die Einwanderer, die aus Deutschland kommen, sind hochspezialisiert, sie zahlen Steuern und belasten kaum die Sozialsysteme. Warum gibt es dennoch Kritik an der Zuwanderung?

Müller: Es ist vor allem ein Phänomen der großen Zahl. Die Netto-Zuwanderung in der Schweiz in den letzten Jahren beträgt ca. ein Prozent der Gesamtbevölkerung, und es ist eine sehr sichtbare Elite, die einwandert, und von daher kommen vor allem psychologische Probleme.

domradio.de: Die SVP will mit der Volksabstimmung die Freizügigkeit für EU-Bürger einschränken. Befürchten Sie nicht, dass sich die Schweiz immer mehr abschotten wird?

Müller: Das kann die Schweiz ja gar nicht, schon alleine von ihrer Wirtschaft und ihrer geografischen Lage her und der Zusammensetzung der Bevölkerung mit den drei großen Sprachkulturen. Die Frage ist, ob die Regierung das Ausmaß der Zuwanderung aktiv steuern können sollte, oder eben nicht, wie es das Schengener Abkommen und die Freizügigkeit es fordern.

domradio.de: Wie sieht das Engagement der Kirche aus für eine gelingende Integration und ein besseres Miteinander?

Müller: Die Kirche ist auf allen Ebenen tätig: Sie versucht Einfluss auf die Politik zu nehmen im Gesetzgebungsprozess. Sie ist aktiv im Asylwesen, es gibt ja relativ viele Asylsuchende, die kommen, da ist sie präsent in der Seelsorge. Sie ist auch auf Gemeindeebene aktiv, wo man versucht, immer mehr auch die verschiedenen Sprachmissionen so gut wie möglich in die Pfarreistrukturen zu integrieren. Und dort gute Kontakt- und Integrationsmöglichkeiten zu nutzen, auch auf kantonaler Ebene gibt es Bemühungen.

domradio.de: Könnte durch diese Abstimmung das gesellschaftliche Klima leiden?

Müller: Sie bewegt die Emotionen der Menschen schon. Wir spüren das auch bei den Reaktionen, die wir bekommen. Aber es ist ja so, dass im Großen und Ganzen, wenn wir unsere Situation mit der in den Nachbarländern vergleichen, bei uns eine sehr friedliche Stimmung vorherrscht und die Integration wirklich sehr gut läuft. Zum Beispiel werden die deutschen Pastoralreferenten in unseren Pfarreien immer sehr gut angenommen. Wenn das einmal nicht klappt, dann hat es mit persönlichen Konstellationen zu tun, die mit Herkunft nichts zu tun haben.

Das Interview führte Mathias Peter.

(DR)

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