Systemfehler bei Rente
Systemfehler bei Rente

29.01.2014

Sozialverbände kritisieren Rentenpaket der Bundesregierung Auf Kosten der Jüngeren

Die Caritas kritisiert das neue Rentenpaket der Bundesregierung. Gerade die Frage der Altersmut werde mit den Rentenplänen nicht beantwortet, gibt Diözesan-Caritasdirektor Frank Johannes Hensel zu bedenken.

Besonders auf jüngere Generationen kämen laut Hensel Abschläge zu, denn das Rentenniveau werde immer weiter abgesenkt. "Je nachdem wieviel Sie verdienen, kommen Sie mit der Hälfte davon nachher nicht mehr aus. Also sind Sie dann in der Altersarmut", urteilte der Caritasdirektor im Erzbistum Köln am Mittwoch im domradio.de-Interview. Die Rente werde so "nur noch eine Art Grundabsicherungsidee für weite Teile der Bevölkerung".

Nur Menschen mit höheren Löhnen entdeckten in Zukunft in der Rente noch "eine Lebensleistungskomponente". Zwar arbeite die Regierung dem mit staatlichen Subventionen entgegen, aber es fehle die Idee eines durchgehenden Umlageverfahrens. Außerdem dürften nicht nur abhängig Beschäftigte belastet werden.

domradio-Programmtipp zur Rentenreform

Über die Rentenreform diskutierten in domradio Das Thema Frank Johannes Hensel, Diözesan-Caritasdirektor, Lucia Schneiders-Adams, Referentin bei der KAB und Rik Steinheuer, Vorstandsmitglied des Bundes der Steuerzahler NRW e.V..

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch das milliardenschwere Rentenpaket als erstes großes Gesetzesvorhaben der schwarz-roten Koalition auf den Weg gebracht. Es enthält neben der abschlagfreien Rente ab 63 für langjährig Versicherte Verbesserungen für Mütter, eine Aufstockung der Renten für Erwerbsgeminderte und bessere Reha-Leistungen. Die Verbesserungen sollen vom 1. Juli an gelten.

Caritas-Präsident Peter Neher hatte zuvor kritisiert, dass die vorgesehene Finanzierung aus Beitragsmitteln langfristig den Spielraum einenge, das Rentenniveau zu stabilisieren. Betroffen seien vor allem Menschen mit sehr kleinen Renten. Deren Risiko wachse, im Alter arm zu sein. Das Rentensystem könne nur durch ein höheres Rentenantrittsalter stabilisiert werden, so Neher. Er forderte die Bundesregierung auf, in die Prävention von Altersarmut zu investieren. Dazu seien mehr Investitionen in Bildung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen sowie verstärkte Anstrengungen zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit notwendig.

Der Präsident des Deutschen Familienverbandes, Klaus Zeh, mahnte eine stärkere Entlastung junger Familien an. Junge Familien, die einen generativen Beitrag leisteten und außerdem wie jeder andere in die Rentenkasse einzahlten, müssen entlastet werden, forderte Zeh. Bisher zahlten Familien in die gesetzliche Rentenversicherung ein, als hätten sie keine Kinder. Beide Verbände begrüßten zugleich, dass der Entwurf die Steigerung um einen Rentenpunkt pro Kind für Mütter vorsieht, die vor 1992 Kinder geboren haben. Diese Ausweitung müsse aber zwingend aus Steuermitteln finanziert werden, so Neher.

Der Münchner Sozialrechtler Axel Börsch-Supan kritisierte die geplanten Änderungen aus Gründen der Generationengerechtigkeit. Die Wohltaten kämen der älteren Generation zugute, während es die zukünftigen Beitragszahler finanzieren müssten, die ohnehin durch den demografischen Wandel gebeutelt würden.

Nach einer Emnid-Umfrage der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft sind 69 Prozent der Deutschen nicht bereit, zur Finanzierung der Rentenpläne der Bundesregierung auf einen Teil ihres Einkommens zu verzichten. Etwa 29 Prozent seien zu finanziellen Einschnitten bereit. Rund 56 Prozent seien dagegen, für die Rentenpläne die berufstätige Generation stärker zu belasten.

(DR, KNA)

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