Homosexualität als Unterrichtsthema?
Homosexualität als Unterrichtsthema?

13.01.2014

Diskussion über Homosexualität als Unterrichtsthema in Baden-Württemberg Schülerbeirat und "Offene Kirche" begrüßen Ministeriumspläne

Der Plan der grün-roten Landesregierung in Baden-Württemberg, dem Thema Homosexualität einen höheren Stellenwert im Unterricht einzuräumen, sorgt weiter für Diskussionsstoff.

In Baden-Württemberg reißt die Debatte über den geplanten Bildungsplan 2015 nicht ab. Der Landesschülerbeirat und die württembergische, theologisch liberale Vereinigung "Offene Kirche" begrüßten am Wochenende die Akzeptanz sexueller Vielfalt im Bildungsplan. Kritiker wenden sich gegen die Pläne der grün-roten Landesregierung, dem Thema Homosexualität einen höheren Stellenwert im Unterricht einzuräumen.

Die "Offene Kirche" teilte am Samstagabend in Stuttgart mit, Sexualkundeunterricht müsse aufklären und dazu gehöre auch, sexuelle Vielfalt wahrzunehmen und zu thematisieren. Die evangelische Vereinigung sei "bestürzt über kirchliche Äußerungen, die dies nicht in aller Deutlichkeit zum Ausdruck bringen".

Gesellschaftliche Normalität?

Der badische evangelische Oberkirchenrat Christoph Schneider-Harpprecht verteidigte dagegen die Kritik der vier südwestdeutschen Kirchen an den "Leitprinzipien" für einen Bildungsplan 2015 in Baden-Württemberg. In dem Plan werde das Thema Homosexualität als gesellschaftliche Normalität dargestellt.

Allerdings würden die Kontroversen darüber nicht diskutiert, sagte Schneider-Harpprecht.

Die Bildungsreferenten der zwei evangelischen Landeskirchen und der zwei katholischen Diözesen hatten in einer am Freitag veröffentlichten gemeinsamen Mitteilung gefordert, dass in der Bildung jeder Form der Instrumentalisierung, Ideologisierung und Indoktrination gewehrt werden müsse. Dies gelte "nicht zuletzt im sensiblen Bereich der sexuellen Identität und damit verbundener persönlicher und familiärer Lebensentwürfe", hieß es.

"Rätselhaft" und "peinlich"

Die SPD-Politikerin Kerstin Griese sagte, als engagierte Protestantin sei ihr die Kritik der Kirchen in Baden-Württemberg "rätselhaft" und "peinlich". Die Diskussion unterstreiche die Bedeutung der von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vorgelegten "Orientierungshilfe Familie", in der homosexuelle Lebensgemeinschaften gewürdigt werden, sagte die Bundestagsabgeordnete, die der EKD-Synode angehört. "Diese Diskussion muss wohl auch dringend im Südwesten unseres Landes geführt werden."

Der Landesschülerbeirat warnte vor "Panikmache". "Niemand wird wegen eines Bildungsplans schwul oder hetero", sagte der Vorsitzende, Christian Stärk, am Samstag "Spiegel Online". "Wir finden das gut und halten das Thema Sexualität in der Schule für sehr wichtig", sagte Stärk. Die sexuelle Vielfalt sei Teil der Gesellschaft, deshalb sollte sie auch im Unterricht vorkommen. "Eine sexuelle Identität hat man, die findet man nicht in der Schule", betonte der 20-Jährige.

Respekt vor sexuellen Identitäten

Auch die lesbischen Pfarrerinnen und schwulen Pfarrer in den Evangelischen Landeskirchen in Baden und in Württemberg begrüßten die umstrittenen Leitprinzipien. In den dort vertretenen Zielen wie dem "Erkennen der eigenen sexuellen Identität und Respektieren anderer sexueller Identitäten" würden "wesentliche Grundsätze des christlichen Menschenbilds verwirklicht", teilten Pfarrerin Gisela Dehlinger aus Stuttgart und Pfarrer Sören Suchomsky aus Karlsruhe am Samstag mit.

Der ehemalige Fußball-Profi Thomas Hitzlsperger, der mit seinem Coming-Out in der vergangenen Woche eine bundesweite Debatte über Homosexualität ausgelöst hatte, sagte dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zu der Diskussion in Baden-Württemberg: "Jeder Heranwachsende sollte die Unterstützung erhalten, die er benötigt, um sich seiner eigenen sexuellen Orientierung gewiss zu werden."

100.000 Menschen gegen Bildungsplan

Eine im November 2013 gestartete Online-Petition gegen den Bildungsplan wurde bis Sonntagmittag von mehr als 100.000 Menschen unterzeichnet. Unterdessen wächst die Zahl der Befürworter: Eine Gegenpetition, die vor fünf Tagen gestartet wurde, hat bislang rund 45.000 Unterstützer gefunden.

Das Land Baden-Württemberg plant, seine Bildungsleitlinien von beruflicher Orientierung über Medienbildung bis zu Gesundheitsförderung auf die Akzeptanz sexueller Vielfalt auszurichten. Ein entsprechender Entwurf soll spätestens im September veröffentlicht werden und dann in die öffentliche Anhörung gehen.

(epd)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Mit Schwester Katharina durch die Osterzeit

Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen durch die Fasten- und Osterzeit.

Das neue Bischofsquartett

Endlich: Die aktualisierte neue Auflage des Bestsellers ist da! Ab sofort ist das neue Bischofsquartett bestellbar.

Glockenkarte Kölner Dom

Verschicken Sie pünktlich zum Pfingsfest eine ganz besondere Grußkarte mit dem Geläut des Kölner Doms!

Team der Woche

Sie sind ein tolles Team? Sie tun etwas für andere Menschen? Dann werden Sie unser Team der Woche!

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 25.05.
06:30 - 11:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • „Tag der Begegnung“ – 20. Auflage in Köln
  • BDKJ 72-Stunden-Aktion – Ein Zwischenstand
  • „Tag der Begegnung“ in Köln
  • BDKJ - 72-Stunden-Aktion
  • Europawahl - Wählen gehen
10:15 - 10:20 Uhr

Alle Wetter!

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • 40 Jahre BlueShell – Team der Woche
  • Jay Alexander – Der Star-Tenor im Interview
11:11 - 11:15 Uhr

Wort zum Samstag

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • 40 Jahre BlueShell – Team der Woche
  • Jay Alexander – Der Star-Tenor im Interview
Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff