26.11.2012

Tote und Verletzte bei Brand in Caritas-Werkstatt Trauer und Entsetzen

Mindestens 14 Tote und zahlreiche Verletzte hat der Brand in einer Behindertenwerkstatt der Caritas in Titisee-Neustadt nahe Freiburg gefordert. Vertreter von Kirche und Politik zeigten sich fassunglos. Am Abend fand ein Gottesdienst für die Opfer und ihre Angehörigen statt.

Vor dem Eingang steht ein Christbaum und das handgeschriebene Schild "Großer Advents- und Weihnachtsmarkt in der Behindertenwerkstätte". Am Montagnachmittag beendete eine Brandkatastrophe mit 14 Toten und 8 Verletzten die Vorweihnachtsstimmung in der Caritaswerkstatt Titisee-Neustadt auf dramatische Weise. Auch die rasch am Unglücksort eintreffenden Rettungskräfte konnten nicht verhindern, dass am Nachmittag Behinderte und Betreuer schwere Rauchvergiftungen erlitten. Die Feuerwehr hatte sie noch aus dem brennenden Gebäude gebracht; für 14 von ihnen kam die Hilfe jedoch zu spät.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Innenminister Reinhold Gall (SPD) eilten zum Unfallort und drückten den Angehörigen der Opfer am frühen Abend ihre Anteilnahme aus. "Ich bin angesichts dieses Unglücks von dramatischem Ausmaß tief erschüttert", sagte Kretschmann. Es sei ihm wichtig, direkt mit den Überlebenden zu sprechen. Sein Dank gelte auch den rund 200 Einsatzkräften, die "sofort zur Stelle waren". In einem Telefonat habe auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihre Erschütterung zum Ausdruck gebracht.

Ursache unklar
Die Ursache des Brandes in dem zweistöckigen Gebäude im kleinen Industriegebiet von Neustadt ist bislang unklar. Zeugen berichten, sie hätten einen lauten Knall gehört. Ob der Brand durch eine Explosion ausgelöst wurde, kann die Einsatzleitung am Abend nicht bestätigen. Sachverständige haben die Ermittlungen aufgenommen.

"Das Feuer muss sich sehr schnell ausgebreitet haben. Warum, wissen wir noch nicht", sagte Bezirksbrandmeister Thomas Finis. Nach seinen Angaben waren die ersten Feuerwehrkräfte sehr schnell nach Eingang des Feueralarms um 13.58 Uhr am Unglücksort. Die Behindertenwerkstätte war mit einer automatischen Feuermeldeanlage ausgerüstet. Eine eigene Löschanlage gab es indes nicht. "Dies ist in einem solchen Gebäuden nicht üblich", so Finis.

In der Werkstatt arbeiteten am Unglückstag etwa 80 Personen. Die meisten Behinderte, aber auch Beschäftigte der Caritas. Die Werkstätte übernimmt beispielsweise Schreinerarbeiten, Verpackungsaufträge und Montageschritte für Industriebetriebe. Zur Werkstatt gehört auch ein Wohnheim. Dieses war vom Brand nicht betroffen.

Notfallseelsorger und Psychologen sind vor Ort
Die Feuerwehr konnte die Flammen schnell löschen. An der Fassade des Gebäudes ist am frühen Abend keine Spur der Katastrophe zu sehen. Nur ein leichter Brandgeruch liegt in der Luft. Es regnet leicht. Blaulichter von Dutzenden Einsatzwagen tauchen die Szenerie in ein dramatisches Licht. In der Halle eines benachbarten Unternehmens werden Überlebende und Angehörige betreut. Viele haben den Unglücksort rasch verlassen. Eine weinende Frau hüllt sich in eine Wolldecke.

Kretschmann und Gall suchten am frühen Abend mit den Betroffenen das Gespräch. Auch Notfallseelsorger und Psychologen sind vor Ort. "Noch ist es zu früh, um über das Erlebte zu sprechen", sagt eine Seelsorgerin. Hilfe brauchen nicht nur Überlebende und Angehörige, sondern auch Rettungskräfte. Eine Mitarbeiterin des Roten Kreuzes findet Trost im Arm eines Kollegen. Selbst die Einsatzleiter sagen, sie hätten eine solche Katastrophe in den vergangenen Jahren nicht erlebt.

Volker Hasenauer

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