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Friedenstaube in Münster
Friedenstaube in Münster

13.05.2018

Selten prägte ein Motto so sehr einen Katholikentag Frieden dringend gesucht – und manchmal auch gefunden

Friedlich bis zum Schluss verlief der Katholikentag in Münster. Nicht unwichtig für eine Großveranstaltung mit mehr als 70.000 Teilnehmern. Zudem sie sich das Motto "Suche Frieden" gegeben hatte.

Um den Frieden zu suchen, waren sie nach Münster gekommen. Sicher haben ihn nicht alle der insgesamt gut 70.000 Katholikentagsbesucher auch gefunden. Sicher aber haben sie friedvolle Tage erlebt und viele Anregungen erhalten, Frieden im Kleinen wie im Großen umzusetzen. Sogar die so umstrittene Veranstaltung mit der AfD verlief weitgehend friedlich.

"Respekt, Vertrauen und die gegenseitige Anerkennung" seien Grundvoraussetzungen für ein friedliches Miteinander, hatte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, den Gästen mit auf den Weg gegeben. Unterschiede in Herkunft, Lebensweise und im religiösen Bekenntnis sollten selbstverständlich sein.

"Nie im Frieden ausruhen!"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach über die große Politik: Die Kündigung des Iran-Atomabkommens durch die USA mache einen langfristigen Frieden nicht wahrscheinlicher, sagte er. Dann nahm auch er den Frieden hierzulande in den Blick, forderte mehr Ökumene und den gemeinsamen Kommunionempfang für konfessionsverschiedene Paare. Religionen hätten Verantwortung für den Frieden, gerade in einem Land, in dem Kreuz, Kippa und Kopftuch auf engsten Raum zusammenlebten, schrieb der mit einer Katholikin verheiratete evangelische Christ sowohl der Kirche als auch den Kirchgängern ins Stammbuch.

Ganz und gar grundsätzlich blieb Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Thema Frieden. Nachdem auch sie die Kündigung des Atom-Abkommens kritisiert und Verlässlichkeit in schwierigen Zeiten gefordert hatte, stellte die evangelische Pfarrerstochter gleich ihre ganze Regierungspolitik unter das Bibelwort: "Das Werk der Gerechtigkeit wird Friede sein – und der Ertrag der Gerechtigkeit sind Ruhe und Sicherheit für immer." Um dann zu warnen: "Der gesellschaftliche Konsens ist zerbrechlich – daher: Nie im Frieden ausruhen!"

Frieden überall

Um den Frieden ging es auch in gleich fünf Ausstellungen. Mit mehr als 660 Exponaten aus mehreren Jahrtausenden. Vom ältesten Friedensschluss der Welt (1259 v. Chr.), über Abbildungen und Dokumente des Westfälischen Friedens 1648 bis zu Kriegsbildern von Otto Dix, den Friedenstauben von Picasso und dem Messkoffer von Abbe Franz Stock (1904-1948), mit dem der katholische Priester während der deutschen Besatzung in Frankreich in Lagern Gottesdienste feierte.

Auch auf den Straßen und Plätzen der Innenstadt war der Frieden überall zu suchen und zu finden. Da war die "kleinste Kapelle der Welt" in der Fußgängerzone. Vor dem großen Dom sangen 4.000 Chorsänger vom Frieden, drinnen liefen Konzerte wie "Wege zum Shalom" und die Uraufführung des Oratoriums "Pax" des Komponisten Roland Kunz. Man konnte "Schmieden für den Frieden" oder sich einfach beim Friedensgruß von bis dahin Fremden in den Arm nehmen lassen.

Wild entschlossen zur Einheit

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hob an zum ganz großen Ziel und zeigte sich "wild entschlossen" zu Schritten in Richtung Kircheneinheit. Münsters Bischof Felix Genn nahm sogar Hausaufgaben in Sachen Kommunionempfang für Konfessionsverschiedene mit: "Wir haben in der Bischofskonferenz jetzt die Aufgabe, das Motto des Katholikentages umzusetzen: Suche Frieden."

Selbst da, wo am meisten Unfrieden erwartet wurde, ging es am Ende trotz sehr unterschiedlicher Positionen friedlich zu. Zwar kam es bei der Veranstaltung "Wie hältst Du's mit der Religion?" zu Tumulten und Zwischenrufen wie "Keine Bühne für die AfD" und "Nazis raus". Am Ende jedoch konnten Argumente ausgetauscht werden und AfD-Vertreter Volker Munz nahm vom Katholikentag mit nach Hause, dass die Positionen seiner Partei nicht dem christlichen Menschenbild entsprächen.

Unfrieden gab es auch – im Busverkehr. Die heillos überforderten und überfüllten Linien zwischen Halle Münsterland und Bahnhof beziehungsweise Schloss führten häufig zu Ärger und Missmut. Aber als einmal mittendrin eine Gruppe Jugendlicher a capella den Kanon "Heaven is a wonderful place" anstimmte, war aller Ärger schnell vergessen. Der Rest der Fahrt verlief wie der Katholikentag in Frieden.

Johannes Schönwälder
(KNA)