Leipzig von oben
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Plakate werben in der Stadt für den Katholikentag
Plakate werben in der Stadt für den Katholikentag

22.05.2016

Christentreffen in Leipzig beginnt am Mittwoch Katholikentag im Niemandsland des Katholizismus

Der 100. Katholikentag wird in Leipzig veranstaltet. Der Osten Deutschlands ist für die Kirchen, zumal die katholische, ein schwieriges Pflaster. Doch es gibt Hoffnung.

Vor dem Katholikentag in Leipzig vom 25. bis 29. Mai ist viel von Hoffnung die Rede. "Ich persönlich - und ich hoffe viele Leipzigerinnen und Leipziger - freuen sich auf diesen Katholikentag", sagt Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Und Martin Stauch, Geschäftsführer des Katholikentages, sagt: "Es ist eine Großveranstaltung, die hoffentlich Leipzig bereichern wird."

Die Wünsche vorab haben einen Grund: Leipzig, die boomende Messe-Metropole im Osten Deutschlands, ist tiefste Diaspora. Vor allem Katholiken gibt es hier kaum. Ganze 4,3 Prozent der rund 570.000 Einwohner sind katholisch.

"Bewusste Entscheidung"

Dass die Veranstalter ihr Kirchenfest ins Niemandsland des Katholizismus verlegt haben, sei eine bewusste Entscheidung gewesen, sagt Theodor Bolzenius vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Der Laienverband organisiert die Katholikentage alle zwei Jahre in einer anderen Stadt. "Wir haben einen Ort gesucht, der für das steht, was sich in der Bundesrepublik allgemein entwickelt", sagt Bolzenius. Seit Jahren verlieren die Kirchen Mitglieder. Die katholische Kirche hatte 2014 nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz 23,9 Millionen Mitglieder. 2005 waren es noch 25,87 Millionen. Bei der evangelischen Kirche sieht es ähnlich aus.

Leipzig sei ein Test, meint Bolzenius: "Wie werden wir in den nächsten 50, 100 Jahren als Katholiken in diese Gesellschaft hineinwirken können." Deswegen gibt es beim 100. Katholikentag zahlreiche Veranstaltungen, die offen für alle sind. Da ist der Themenbereich "Leben mit und ohne Gott", da gibt es ein großes Straßenfest "Danke Leipzig", da sollen Katholikentags-Teilnehmer die Menschen in der Stadt zu einem Picknick einladen. "Wir würden uns sehr freuen, wenn es gelingt, wenn sich die Leipziger einladen lassen", so Bolzenius.

Druck auf die Kirche

Das Christentreffen fällt in eine Zeit großen Drucks auf die Kirche - von innen und außen. Zum einen wird ihre Stellung in einer Gesellschaft, in der der christliche Glaube immer weniger Menschen anspricht, von vielen kritisch hinterfragt. Das spiegelt sich etwa in den Diskussionen wider, die es um die millionenschweren staatlichen Zuschüsse für solche Veranstaltungen gibt - auch im Falle Leipzigs. Erst nach heftigem Streit bewilligte der Stadtrat eine Million Euro.

Zum anderen wächst seit der Enthüllung des Missbrauchsskandals 2010 der Reformdruck innerhalb der Kirche. Papst Franziskus, der seit 2013 amtiert, gilt vielen als Hoffnungsträger, befördert er doch durch sein Auftreten, seine Offenheit und Spontanität eine offenere Diskussionskultur. Themen wie die selbst von vielen Christen als weltfremd empfundene Sexualmoral, das Familienbild der Kirche, der Umgang mit Homosexuellen und die Rolle der Frauen werden inzwischen kontrovers debattiert.

Zwei Drittel der Bischöfe kommen

Im Programm des Katholikentages spiegelt sich das nur bedingt wider. So spielt das Thema sexueller Missbrauch eine geringere Rolle als vor zwei Jahren in Regensburg. Dafür geht es stärker als früher um Flüchtlinge und Islam, mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 auch um Ökumene. Bemerkenswert: Etwa zwei Drittel der katholischen deutschen Bischöfe kommen nach Leipzig - im Vergleich zu früheren Katholikentagen, ist das eine stattliche Zahl.

Eine Sache ging allerdings schon vor Beginn nicht glatt: Erstmals in der Geschichte des Kirchentreffens wurden nicht genug Privatquartiere gefunden. Für 800 Teilnehmer fehlten Schlafmöglichkeiten. Sie kommen nun in Schulen oder einem leerstehenden Flüchtlingsheim unter. Für Wirbel sorgte auch die Weigerung der Veranstalter, AfD-Vertreter zu den politischen Diskussionsrunden einzuladen.

Mehr als 30.000 Dauerteilnehmer haben sich nach Angaben des ZdK angemeldet. Dazu erwarten die Veranstalter noch einmal rund 15.000 Tagesgäste. Mehr als 1000 Veranstaltungen stehen auf dem Programm. Bundespräsident Joachim Gauck wird den Katholikentag, der unter dem Motto "Seht, da ist der Mensch" steht, am Mittwoch eröffnen und einen Tag später an einer Diskussionsrunde teilnehmen. Titel: "In welcher Gesellschaft leben wir".

Birgit Zimmermann und Stefan Kruse
(dpa)

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