Pfarrer Gregor Giele
Pfarrer Gregor Giele

22.10.2014

Pfarrer Giele: Katholikentag richtet sich an alle Wieviel Religion braucht ein Gemeinwesen?

In Leipzig müssen sich die Veranstalter des Katholikentags für öffentliche Zuschüsse rechtfertigen. Pfarrer Giele erlebt die Debatte aber nicht als christenfeindlich. Er ist im Bistum verantwortlich für den Katholikentag.

domradio.de: "Seht, da ist der Mensch" - so heißt das Motto des 100. Katholikentags in Leipzig. Ist das auch ein Motto, das bewusst alle Nicht-Christen in Leipzig miteinbeziehen will?

Pfarrer Gregor Giele (Verantwortlich im Bistum Dresden-Meißen für den Katholikentag): Das hoffen wir zumindest. Für alle Bibelkundigen ist zunächst einmal klar, dass es eine Aussage von Pilatus aus der Passionsgeschichte ist (Joh 19,5). Es wird also zunächst einmal ein Fokus auf den leidenden Menschen, auf den Menschen am Rand gelegt. Ganz im Sinne unseres jetzigen Papstes Franziskus zu den Menschen am Rand zu gehen.

"Sieh, da ist der Mensch" ist auch die Einladung ganz unvoreingenommen, auf jeden Menschen zu zu gehen - ob arm, ob reich, ob glaubend, ob nichtglaubend. Also ein sehr offener Ansatz, der hoffentlich auch den Leipziger Bürger mit anspricht.

Für mich persönlich ist noch ein ganz anderer Aspekt: Es ist auch eine Hilfe an uns katholische Christen, die wir uns da versammeln, mal selbst zu fragen, sind wir bei den Menschen? Kirche hat ja oft in der öffentlichen Wahrnehmung den Eindruck erweckt, dass wir uns von der Wirklichkeit des modernen Menschen etwas entfernt haben. Da mal eine Positionsüberprüfung vorzunehmen, zu sagen, sind wirklich beim Menschen von heute.

domradio.de: Für uns im rheinischen Köln ist es nicht vorstellbar: Mehr als 80 Prozent der Menschen in Leipzig haben mit dem Christentum nichts oder wenig am Hut. Sind das denn alles Atheisten?

Giele: Atheisten sind wahrscheinlich nur eine sehr kleine Gruppe, mit denen wir als Christen auch gut ins Gespräch kommen können, weil sie die Frage nach Gott stellen, sie geben nur eine andere Antwort. Das heißt, wir haben denselben Fragehorizont, nur unterschiedliche Ansätze. Da kann man gut und leicht ins Gespräch kommen. Die Mehrheit sind Menschen, die die Frage nach Gott scheinbar gar nicht stellen, für die das gar kein Thema ist, wo wir nicht einmal eine gemeinsame Gesprächsgrundlage haben. Die müssen wir erst schaffen, dass sich die Menschen auch auf diese Sinnfrage, auf die Gottesfrage überhaupt einlassen.

Desinteresse oder Unkenntnis sind für uns wahrscheinlich die größere Fragestellung als der Atheismus.

domradio.de: Eine Millionen Euro will die Stadt Leipzig für den Katholikentag ausgeben. Dagegen läuft ein Bürgerbegehren. Ist das eine aggressive, auch christen-feindliche Stimmung, die sich in Leipzig dahinter verbirgt?

Giele: Nein, so habe ich es nicht erlebt. Das Bürgerbegehren hat öffentlich über die Zeitung eingeladen, da habe ich mir gedacht, da gehe ich hin und habe mich brav als kirchlicher Vertreter angemeldet. Es war eine sehr interessante, eine sehr intensive Diskussion, die sich da ergeben hat. Ich habe da erlebt, dass genau die Fragen besprochen, diskutiert, abgewogen worden, die wir gerne auch als Themen in den Katholikentag hineinnehmen: wie ist das Verhältnis von Kirche und Staat, wieviel Religion und Glaube braucht und verträgt ein Gemeinwesen, wie zum Beispiel die Stadt Leipzig, sind wir wirklich bei den Menschen? Das sind Fragestellungen, die dort sehr kontrovers diskutiert worden sind. Das war für mich ein kleiner vorweggenommener Katholikentag. Genau über diese Fragestellungen soll es in Leipzig ja auch gehen.

domradio.de: Die Stadt Leipzig hat kein Geld, die katholische Kirche hat so hohe Kirchensteuereinnahmen wie nie zuvor - da kann man doch auch die Menschen verstehen, die sagen: "Sollen die Katholiken ihren Katholikentag doch selbst bezahlen", oder?

Giele: Natürlich, diese öffentliche Wahrnehmung muss man ernst nehmen, da ist auch viel Gefühltes dabei: wie die Verschuldung der Stadt aussieht, auch dieser Eindruck Kirche ist reich - was ja die Diözesen im laufenden Haushalt nicht immer so erleben. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, es ist kein Katholikentag nur für die Katholiken, sondern viele Tausend Katholiken besuchen Leipzig und wollen auch in dieser Stadt für die Menschen dieser Stadt ein Fest gestalten, mit diesen Menschen zusammen ins Gespräch kommen, miteinander auch feiern und Kultur erleben. Es ist auch ein Ereignis für die Stadt Leipzig, sie beteiligt sich damit an dem Ereignis.

domradio.de: Sie freuen sich also auf den Katholikentag 2016 in Leipzig, auch wenn das eine große Herausforderung wird.

Giele: Es macht viel Arbeit, die aber - das ist meine Erfahrung von Katholikentagen - durch doppelte und dreifache Freude beim Erleben des Katholikentages aufgewogen wird. Also ja, ich freue mich drauf!

Das Interview führte Aurelia Rütters

(dr)

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