18.05.2012

Merkel, Gabriel und Co. auf dem Katholikentag Kein Parteitag - aber jede Menge Politiker

"Ein Katholikentag ist kein Parteitag" - quasi vorbeugend weist Erzbischof Robert Zollitsch darauf hin. Und doch ist ein Katholikentag immer auch politische Zeitansage - ein Ort für aktuelle soziale, ethische oder umweltpolitische Fragestellungen. Bei Dutzenden Debatten und Diskussionsrunden geht es daher um Klimawandel, Generationengerechtigkeit oder Wege aus der Schuldenkrise.

Auch die Bundeskanzlerin ist nach Mannheim gekommen - und hat eigens für ihren 90-Minuten-Auftritt sogar die Anreise zum kurzfristig angesetzten G8-Gipfel in den USA um einige Stunden nach hinten verlegt. Eine Absage an den Katholikentag - auch in säkularer werdenden Zeiten wohl undenkbar für die Vorsitzende der Partei mit dem großen C. Das gilt auch für SPD-Chef Sigmar Gabriel. Volkspartei trifft Volkskirche sozusagen. Wobei das Volk allen dreien - CDU, SPD und Kirche - ja zunehmend den Rücken zuwendet.

Allzu fromm ist Merkels Thema nicht: Es geht um die demografische Entwicklung und darum, wie trotzdem eine zukunftsfeste und solidarische Gesellschaft gestaltet werden kann. "Was wir heute tun oder unterlassen, entscheidet darüber, wie unsere Welt in Zukunft aussieht. Dieser Verantwortung dürfen wir nicht ausweichen", mahnt die Pfarrerstochter - fast im Predigerton.

Politik für die Familien
Merkel trifft den Nerv des Publikums. Viel Beifall erntet sie etwa für ihr Bekenntnis, dass die Politik die Familien nicht vergessen dürfe. Auch die Würde des Lebens - "vom ersten Anfang bis zum Ende" - stehe nicht zur Disposition. Für kurze Verwirrung sorgen Demonstranten, die den Kanzlerinnen-Auftritt zum Protest gegen Rüstungsexporte nutzen. Einem Protestierer ruft Merkel zu, sein Anliegen bitte schriftlich zu formulieren, damit die Demografie-Debatte weitergehen kann. Wirkliche politische Überraschungen indes hat sie nicht im Gepäck. Der Stimmung im voll besetzten größten Saal des Kongresszentrums tut das aber keinen Abbruch.

Nüchterner geht es zu beim Podium mit SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, ebenfalls seit Jahren Stammgast bei Katholikentagen. Sie fordert eine bessere Gesundheitsversorgung für Arme, Asylbewerber und Flüchtlinge. Ihr Eintreten für eine Bürgerversicherung und gegen die Praxisgebühr erntet auf dem Marktplatz breite Zustimmung.

Kretschmann fühlt sich wohl
Sichtlich wohl fühlt sich Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Noch am eigenen Geburtstag hat er sich auf seinen biblischen Impuls zur Apostelgeschichte vorbereitet. Kretschmann, erster grüner Ministerpräsident und aktiver Katholik, hofft auf wichtige Impulse, die von Mannheim ausgehen sollen. Klar positioniert er sich gegen Rufe aus seiner eigenen Partei, die das deutsche Kirchensteuermodell infrage stellen.

Bundestagspräsident Norbert Lammert nutzt den Katholikentag für einen viel beachteten Reformaufruf. Die Kirche heute sei geprägt von "Stagnation anstatt Öffnung", kritisiert er. Laien seien faktisch entmachtet, und es sei ernüchternd, sich alle zwei Jahre Mut zuzusprechen bei Katholikentagen, wenn sich in der Zwischenzeit doch nichts bewege. Für diese Worte erntet Lammert viel Applaus.

Verständnis für Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit der großen Kirchen zeigt indes SPD-Chef Sigmar Gabriel. Seine Partei versuche seit über 100 Jahren, alle Strömungen unter einen Hut zu bringen. Da sei es nachvollziehbar, dass auch das Gespräch zwischen Protestanten und Katholiken nicht immer konfliktfrei verlaufe.

Und die FDP? Ihr religionspolitischer Sprecher Patrick Meinhardt verweist gerne auf das Katholikentagsmotto "Einen neuen Aufbruch
wagen": Das zeige eine Motivationshaltung, die das Land wirklich nötig habe, und zugleich "ein Motto, das genauso die Arbeit der FDP beschreiben könnte".

Zum Abschlussgottesdienst am Sonntag hat sich Bundespräsident Joachim Gauck angesagt. Auch für den allerersten Mann im Staat ein wichtiger Termin, den sich seine Vorgänger im Amt ebenfalls nur selten entgehen ließen.

Volker Hasenauer und Gottfried Bohl

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