18.11.2011

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken fordert das Diakonat der Frau "Ist es nicht die Zeit?"

Es ist ein Schwerpunkt der Herbstvollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken in Bonn: ein am Freitag verabschiedetes Beschlusspapier zur Stellung der Frau in der Kirche. Im domradio.de-Interview erläutert ZdK-Vizepräsidentin Karin Kortmann den vorgestellten Weg.

domradio.de: Partnerschaftliche Zusammenarbeit hat man sich hier verordnet. Worum geht es dabei?
Kortmann: Es geht im Grunde darum, was die meisten Gemeindemitglieder in ihrer Kirche vor Ort feststellen: Die Seelsorge-Arbeitseinheiten werden stärker zusammengebunden, der Priestermangel ist deutlich sichtbar, und immer mehr werden wichtige Seelsorgeaufgaben verlagert und es fehlt die Ansprache vor Ort. Und wir haben festgestellt, dass wir dringend daran arbeiten müssen, zu einem neuen geschwisterlichen Zusammenwirken von Männern und Frauen, aber vor allen Dingen von Priestern und Laien in der Kirche zu kommen. Das bedeutet konkret, wir gehen an die Ämter und fragen: Ist es nicht Zeit für das Diakonat der Frauen? Es ist kirchenrechtlich nicht beschnitten, sondern es besteht diese Offenheit. Wir fragen: Ist es nicht Zeit zu einer kooperativen Gemeindeleitung zukommen, wo Theologen, Theologinnen und Priester gemeinsam die Verantwortung tragen? Und zum Dritten fragen wir: Ist es nicht auch Zeit, zu neuen Beauftragungen und Berufungen von Laien in der katholischen Kirchen zu kommen? Und unsere Antwort heiß: Ja, wir wollen diesen neuen Weg gehen, weil wir vom gemeinsamen Priestertum bestärkt sind und diese Offenheit und die neue Kreativität, die in der Suche nach Antworten liegt, auch gestärkt gehen wollen. Und dazu leistet das ZdK im Rahmen des Dialogprozesses mit diesem Beschlusspapier, was heute vorliegt, einen entscheidenden Beitrag.

domradio.de: Viele sagen: Die Frauen sind längst integriert. Was erwidern Sie?
Kortmann: Dann frage ich: Wo steht das? Und durch welche Belege kann man das nachprüfen. Wir erleben eher, dass Frauen gefragt werden, wo die sogenannten Soft-Skills - Teamfähigkeit, Kooperation, Ehrenamtlichkeit - gefragt sind. Die Kirche wird heute zu 90 Prozent von ehrenamtlichen Aufgaben, die von Frauen geleistet werden, getragen - Frauen sind damit die entscheidenden Faktoren für den Zusammenhalt und Kirche vor Ort. Aber immer da, wo es um die Frage geht: Gibt es Zugang zu Führungsaufgaben, zu Leitungsaufgaben? Wo sind Frauen in Forschung und Lehre zu finden? Da erleben wir, dass der Männeranteil überverhältnismäßig groß ist. Und wir wünschen uns, dass Frauen aufgrund ihrer Qualifikation, ihrer Lebenserfahrung und auch ihrer Charismen den Platz bekommen, auf den Kirche so angewiesen ist: nämlich mit zu entscheiden, mit dabei zu sein und Teilhabe im guten geschwisterlichen Sinne zu bekommen.

domradio.de: Jetzt ist das Diakonat eine Vorweihestufe, es ist in die Weihe eingebunden. Ist es das, was Sie für die Frauen auch fordern? Weil das hat Rom ja eigentlich schon längst lehramtlich entschieden.
Kortmann: Wir beziehen uns mit unserem gesamten Beschlusstext ganz sauber auf die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils und auf das Kirchenrecht in CIC. Kirchenrechtlich entschieden ist die Frage des Priestertums der Frau mit diesen Verlautbarungen und Beschlüssen. Offen ist die Frage des Diakonats. Ich würde das Diakonat der Frau auch niemals als einen "Durchlauferhitzer" für das Priestertum ansehen. Das Diakonat hat eine eigenständige Aufgabe und Funktion innerhalb der Weiheämter. Und als solches sollte es auch gestärkt und gewürdigt werden. Und wenn wir heute fordern: Die Zeit ist reif für das Diakonat der Frau, dann geht es genau darum, nicht einfach nur das Diakonat zu adaptieren, sondern auch zu fragen, wie kann es sich auch verändern oder wir wird es auch verändert, wenn Frauen in dieser Funktion mit tätig werden? Das hat schon einen besonderen und eigenen Stellenwert. Es ist nicht das Einfallstor, weil eigentlich alle mehr wollen. Sondern jetzt wollen wir das Diakonat.

domradio.de: Das Diakonat steht im kommenden Jahr innerhalb des Dialogprozesses zwischen Laien und Klerus im Mittelpunkt. Was erhoffen Sie sich für dieses Jahr, wenn Sie hier diesen Beschluss fassen?
Kortmann: Mannheim war ermutigend. Das war ein hervorragender Auftakt im Sinne des Dialogprozesses, wo wir uns alle nur beglückwünschen können, die daran teilgenommen haben. Es zeigt sich eben auch: Es geht über Mannheim hinaus. Diakonie ist sehr unterschiedlich. Wir haben viele, viele diakonische Tätigkeitsfelder, wo eben Frauen auch genauso wie Laien teilhaben an diesem priesterlichen Dienst. Aber es geht wirklich um diese Ämterfrage, die wir eröffnen müssen. Frauen erleben vor allem im gesellschaftlichen Bereich ein Mehr an Teilhabe und Mitbestimmung. Frauen-Förderpläne und -Quoten haben mit dazu beigetragen, dass Frauen heute selbstverständlich in den Führungsetagen sind. Der Caritas-Präsident hat deutlich dazu aufgerufen, die Führungsebene im Caritasverband zur Hälfte mit Frauen zu besetzen. Das sind ganz ermutigende Dinge. Und deshalb glaube ich: Es ist ein kleiner Schritt, den die Bischofskonferenz in diese Richtung gehen muss, aber es ist ein großer Schritt für die gesamte Beteiligung von Laien und insbesondere von Frauen in unserer Kirche.

Das Gespräch führte Ingo Brüggenjürgen.

Messenger-Gemeinde