09.04.2020

Ein kulturhistorisch-theologisches ABC Blut und Passion von A-Z - Abendmahl bis Zauber

Das Passions- und Ostergeschehen der Christen trägt auch viele blutig-archaische Züge. Eine ABC-Übersicht aus Hintergründen und Traditionen aus 2.000 Jahren Kirchengeschichte:

Abwehrkraft: Kulturhistorisch wurde Blut schon früh als Träger der Lebenskraft und Urstoff des Lebens angesehen. Wer verblutet, verliert seine Kräfte. Medizinisch gesehen bekämpft das Blut durch Bildung und Transport von Antikörpern Erreger und Fremdstoffe, die noch nicht in die Körperzellen eingedrungen sind.

Bluttrinken: Der kultische Verzehr von menschlichem Fleisch und Blut im christlichen Abendmahl war für die antike Gesellschaft hochgradig verstörend, ja skandalös - und selbst mit dem theologischen Verständnis der Wandlung von Wein und Brot bleibt das Thema bis heute komplex und schwer vermittelbar (s. auch Eucharistie).

Christus: steht im Zentrum des christlichen Heilsgeschehens. Um sein Sterben und seine Auferstehung drehen sich alle Zeichen und Symbole, die hier zu verhandeln sind.

Dornenkrone: Eine Krone ist normalerweise ein Herrschaftszeichen, das Macht und Würde ausdrückt. Die Dornenkrone Jesu diente dagegen dazu, Christus als angeblichen "König der Juden" zu verspotten und zu erniedrigen.

Eucharistie: Das Trinken des Blutes Christi (s. Bluttrinken) im Abendmahl/Herrenmahl wird theologisch auch als eine Vereinigung des Menschen mit Gott gedeutet. Eine solche Deutung als Teilhabe sieht das "Blut Christi" nicht als Sühne zur Rettung der Menschheit oder als Gottes Erneuerung des Bundes mit den Menschen, sondern als Symbol für das Leben Gottes selbst.

Flagellation: Flagellanten oder Geißler nannte man eine christliche Bewegung im Spätmittelalter. Zu ihren religiösen Bußpraktiken gehörte eine öffentliche Selbstauspeitschung, um sich blutig von den eigenen Sünden zu reinigen.

Golgotha: der antike Kreuzigungshügel ("Schädelhöhe") außerhalb von Jerusalem. Auch wenn eine eindeutige Lokalisierung nicht möglich ist, hält man eine Verortung in der heutigen Grabeskirche für berechtigt.

Heilig-Blut-Feste: gibt es seit dem Mittelalter in zahlreichen Orten West- und Südeuropas, in denen Blut- und Hostienreliquien verehrt werden. Mitte des 19. Jahrhunderts etablierten die Päpste im Zuge einer steigenden Heilig-Blut-Verehrung ein gesamtkirchliches Fest, das aber (als Doppelung zu Fronleichnam) 1970 wieder gestrichen wurde.

INRI: überlieferte (lateinische) Inschrift des Statthalters Pontius Pilatus am Kreuzbalken Christi: "Jesus von Nazareth, König der Juden". Der vermeintlich politische messianische Anspruch Jesu wird damit als ursächlich für das römische Todesurteil gekennzeichnet.

Jerusalem: Ort des Sterbens und der Auferstehung Jesu und Sitz des Tempels, des zentralen jüdischen Heiligtums. Hier wurden Gott Räucher- und Tieropfer dargebracht.

Karfreitag: jener Tag, an dem Christus auf Wunsch der jüdischen Bevölkerung von den römischen Behörden ans Kreuz geschlagen wurde und starb. Während die Lutheraner in dem Opfertag einen besonderen Feiertag sehen, betont die katholische Kirche den Ostersonntag als den Tag der Auferstehung.

Lamm: Das Lamm Gottes (lat. Agnus Dei) ist seit den frühen Christen ein Symbol für Christus, besonders als Osterlamm mit Siegesfahne auch ein Zeichen für die Auferstehung. Theologisch greift das Symbol auf das Lamm als Opfertier im Alten Testament zurück. Das Opfer Jesu Christi tilgt stellvertretend "die Sünden der Welt".

Märtyrer: Nach mittelalterlicher Vorstellung ist in den sterblichen Überresten (Reliquien) der christlichen Blutzeugen deren spirituelle Kraft gebündelt. Als besondere Glieder des mystischen Leibes Christi verdienen die Heiligen besondere Verehrung.

Nägel: Wie alle Reliquien des Leidens Christi (Kreuzsplitter, Leichentuch) wurden auch die sogenannten Heiligen Nägel des Kreuzes besonderer Gegenstand der Verehrung. Angeblich gemeinsam mit dem Kreuz Jesu vergraben, werden heute an vielen Orten "heilige Nägel" verehrt, darunter in Trier und Bamberg.

Opfer: Anders als das heidnische Opfer zum Gnädigstimmen der Götter ist das biblische Opfer in der Regel Dank- oder Reueopfer. Christus und seine Märtyrer geben sich selbst für andere beziehungsweise für ihren Glauben an Christus hin (s. auch Sühne).

Passionsspiele: Vor allem in Süditalien, aber auch an anderen Orten wird das Leiden Christi in teils sehr plastischer Weise nachgespielt. Es fließt viel Blut; auf den Philippinen lassen sich sogar Gläubige selbst ans Kreuz nageln.

Quintessenz: Im Spätmittelalter versuchten Alchemisten vergeblich, als Heilmittel die "Quintessenz" menschlichen Blutes zu gewinnen.

Rot: Papst Franziskus hat die Kardinäle wiederholt daran erinnert, dass sie die Farbe ihres Gewandes in Erinnerung an jene Märtyrer tragen, die ihr Blut für den Glauben vergossen haben.

Schmerzensmann: ein traditionelles Andachtsbild (auch "Erbärmdebild"), das den leidenden Christus mit den Wunden der Kreuzigung zeigt. Die Darstellung des lebenden Schmerzensmanns abseits des Kreuzes stammt aus dem byzantinischen Kulturkreis.

Traubensaft: Nicht zu allen Zeiten und in allen Regionen konnte die Kirche den Gebrauch von Wein aus Traubensaft zur Wandlung durchsetzen. An den geografischen Rändern des Christentums wurden zur Wandlung etwa auch Bier, Heidelbeer-, Reis oder Palmwein verwandt. Erst das Konzil von Trient (1545-1563) setzte die Vereinheitlichung durch.

Umzüge: Neben Heilig-Blut-Festen (s. dort) gibt es auch Reiterprozessionen ("Blutritte") zu Ehren von Blutreliquien, so etwa in Weingarten, Bad Wurzach, Neuler-Schwenningen, Westhausen-Lippach oder Weißenau (alle Baden-Württemberg).

Vorbeugung: Vor dem Auszug aus der ägyptischen Gefangenschaft sicherte an den Türpfosten geschmiertes Blut den Israeliten das Überleben. Im biblischen Buch Exodus 12,13 heißt es: "Wenn ich das Blut an euren Häusern sehe, werde ich an euch vorübergehen, und das vernichtende Unheil wird euch nicht treffen, wenn ich in Ägypten dreinschlage."

Wallfahrt zum heiligen Blut: Ein Blutwunder in Walldürn (Baden-Württemberg) gab den Anlass für eine Wallfahrt zu einer spätmittelalterlichen Altardecke mit dem Bild des Gekreuzigten, das laut der Überlieferung aus vergossenem Wein entstanden war.

X-Faktor: Blutgerinnung ist eine lebenswichtige Schutzfunktion des Körpers. Zur Blutstillung, etwa nach Verletzungen, verschließt die Gerinnung mit Hilfe von Blutgerinnseln blutende Wunden.

Yersinia pestis: Die Pest als tödlichste Seuche des Mittelalters spielte durchaus auch eine Rolle im gestörten Verhältnis von Juden und Christen. Obwohl die Pest durch Rattenblut übertragen wurde, wurde den Juden vorgeworfen, die Brunnen vergiftet und so die Seuche ausgelöst zu haben.

Zauber: Blut und Zauberei werden seit jeher in Verbindung gebracht. Auch der christlichen Wandlung von Wein und Brot in Blut und Leib Christi durch den Priester haftete etwas von "Hokuspokus" an (lat. "hoc est enim corpus meum" - "dies ist mein Leib").

Alexander Brüggemann
(KNA)

Gottesdienste auch auf Facebook und Youtube

DOMRADIO.DE überträgt alle Gottesdienste auch auf Facebook und Youtube und Periscope.

DOMRADIO hören

Laden Sie sich unsere App herunter – kostenlos in den Stores. DOMRADIO hören Sie auch übers Internetradio, Smartspeaker, andere gängige Radio-Apps, in Köln auf UKW 101,7, in Berlin/Brandenburg über DAB+ und natürlich auf DOMRADIO.DE.

Himmelklar Podcast

durchatmen – Der Seelsorge Podcast

Podcast: Der Morgenimpuls von Schwester Katharina

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

WBS-Weggeleit

Messenger-Gemeinde

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

 02.06.2020
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Was Corona Kreatives in Gemeinden und Bistümern hervorgebracht hat
  • Pfingstgottesdienst im Autokino
  • USA - Weiter Proteste und Ausschreitungen
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Was Corona Kreatives in Gemeinden und Bistümern hervorgebracht hat
  • Pfingstgottesdienst im Autokino
  • USA - Weiter Proteste und Ausschreitungen
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • "Aus dem Gesicht gefallen" - Aktion der Citykirche Wuppertal
  • George Floyd und die Kirchen
  • Antisemitismus und Corona-Demos
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • "Aus dem Gesicht gefallen" - Aktion der Citykirche Wuppertal
  • George Floyd und die Kirchen
  • Antisemitismus und Corona-Demos
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…