Grablegung Jesu in Jerusalem
Grablegung Jesu in Jerusalem

14.04.2017

In Jerusalem wird Jesus symbolisch zu Grabe getragen Die Kreuzigungsnägel auf dem Silbertablett

Jerusalem hat zu Ostern viele Traditionen zu bieten. Das "Begräbnis Christi" ist eine der Spektakulärsten. Seit Jahrhunderten stellen Franziskaner in der Grabeskirche die letzten Stunden im Leben und Sterben Jesu nach.

Von der Palmprozession den Ölberg hinunter über die Nachtwache im Garten Gethsemane bis zum Kreuzweg durch die engen Altstadtgassen Jerusalems: Ostern am historischen Ort seines Geschehens ist ein intensives, mitunter dramatisches Erlebnis. Wenig jedoch fasziniert und befremdet den westlichen Besucher so sehr wie eine kleine Veranstaltung am Karfreitag. In der Grabeskirche inszenieren die Franziskaner jedes Jahr die Beerdigung Christi. Das Mysterienspiel mit einem fast lebensgroßen Holzjesus in der Hauptrolle folgt einer jahrhundertealten Tradition.

Eng ist es im Halbdunkel der Grabeskirche. Hunderte Ordensleute und Pilger drängen sich zu später Stunde die steile Treppe rechts neben der schweren Eingangstür hinauf. Im hinteren Teil, auf der Seite der Franziskanerkapelle, formiert sich die Prozession. "Miserere mei Deus, Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld", erklingt der Bußpsalm, "wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde".

Im Zentrum der Menge steht das Kreuz, an ihm, mit Nägeln durch Hände und Füße und einer Dornenkrone auf dem Haupt: der geschundene hölzerne Körper. Von der Sakramentskapelle aus setzt sich die Menge in Bewegung.

Prozessionsweg mit Jesu Leidensstationen

Wieder und wieder werden auf dem Prozessionsweg durch die Kirche Jesu Leidensstationen verlesen. Das Letzte Abendmahl, die Verhaftung, die Verurteilung, nach den Berichten von Matthäus, Markus und Lukas, in verschiedenen Sprachen. Evangelist Johannes bekommt als letzter das Wort. "Er trug sein Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelhöhe, die auf Hebräisch Golgota heißt. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte Jesus." In der nachgestellten Szene ist Jesus allein. Am Kreuz hängt er bereits auf dem Weg nach Golgota.

Es ist still in der betenden Menge, als Franziskanerbrüder dem hölzernen Gekreuzigten die Dornenkrone abnehmen und die Nägel entfernen. Das Klopfen der Werkzeuge auf dem Holz durchdringt den schwach beleuchteten Raum. Nagel für Nagel wird herausgezogen, der Menge entgegengehalten und schließlich zur Dornenkrone auf ein silbernes Tablett gelegt. Langsam, gesichert durch ein weißes Leintuch, gleitet der von den Nägeln befreite Körper mit den beweglichen Armen vom Kreuz. Die Stille hält an. Über steile Stufen, gefolgt von den Marterwerkzeugen auf dem Silbertablett, entschwebt der Holzjesus der Menge, um auf dem Salbstein im Eingangsbereich der Kirche aufgebahrt zu werden - ganz so, wie es das griechische Wandmosaik im Hintergrund darstellt.

Vom obersten Franziskaner mit Duftölen besprengt, macht sich der hölzerne Jesus auf den Weg zur vorerst letzten Station: die Grabkapelle, in der er symbolisch bestattet wird. Den Gläubigen bleibt, ein paar Tropfen des verbliebenen Salböls zu erhaschen und jene Steine zu berühren, auf denen der stellvertretende Leichnam Jesu erst vor wenigen Momenten in sein Leichentuch gewickelt wurde.

Traditionen in vielen Ländern

Passionsspiele haben Tradition in vielen Ländern. Doch nur in Jerusalem geschieht die Re-Inszenierung des Leidens und Sterbens Jesu sowie der Stunden nach seinem Tod in historischer Kulisse: auf dem Golgotafelsen, dem Ort, an dem nach biblischen Überlieferungen und jahrtausendealter Tradition das Kreuz Jesu und seiner Leidensgenossen stand. Auf dem Salbstein, dessen eigentliches Alter auf weit nach Jesu Tod geschätzt werden darf, und schließlich auf jener Grablege, deren Leere den Ostermorgen markiert.

Schweigend löst sich die Menge auf in die Nacht. Die schweren Türen der Grabeskirche schließen sich hinter den Gläubigen. Symbolisch liegt für diese eine Nacht der hölzerne Jesus wieder in seinem Grab - bis sich wenige Stunden später, am frühen Samstagmorgen, die Türen erneut öffnen und in der katholischen Ostervigil Osterkerze, Orgelklang und Glocken verkünden: Das Grab ist leer.

Andrea Krogmann
(KNA)

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Ab Montag, 16. September wieder jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 21.09.
06:30 - 11:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Kirche wohin - Vorstellung des Ökumenetags mit Franz-Josef Bertram
  • Bischof Hofmann über die weisen emeritierten Bischöfe
  • Blickpunkt "Weise oder abgeschrieben?" - Granny Aupairs im In- und Ausland
10:15 - 10:20 Uhr

Alle Wetter!

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Erzbischof Ludwig Schick feiert seinen 70. Geburtstag
  • Weltfriedenstag: Aktion Aufschrei, Gespräch mit Christine Hoffmann Generalsekretärin von pax Christi
11:11 - 11:15 Uhr

Wort zum Samstag

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Erzbischof Ludwig Schick feiert seinen 70. Geburtstag
  • Weltfriedenstag: Aktion Aufschrei, Gespräch mit Christine Hoffmann Generalsekretärin von pax Christi
Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff