Einzug in Jerusalem
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Ritterorden vom Heiligen Grab
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Pilgern trotz Gehhilfen
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10.04.2017

Heilige Woche eröffnet Hosianna in Jerusalem

In aller Welt gedenken Christen von Palmsonntag bis Ostern Leid, Tod und Auferstehung Christi. In Jerusalem wurde die Heilige Woche mit einer Palmprozession zur Altstadt eröffnet, an der sich tausende Christen aus aller Welt beteiligt haben.

Die Stimmung gleicht mehr einem Volksfest als den Prozessionen, die man in Deutschland zum Beispiel von Fronleichnam her kennt. Jubelnd stimmen die Pilger "Hosianna"-Gesänge und auch das "Halleluja" an. Durch die Straßen ziehen Musikgruppen mit Trommeln und Dudelsäcken, hundert Meter weiter in der Prozession betet eine Gruppe palästinensischer Christen andächtig das "Ave Maria".

"Palmsonntag ist der eine Tag im Jahr, wo Jerusalem in der Hand der Christen ist", sagt Pater Nikodemus Schnabel, Prior-Administrator der deutschen Beneditiner-Abtei Dormitio in Jerusalem. Ostern selbst ist zwar ein höheres Fest, das wird aber hauptsächlich in den Kirchen gefeiert. An Palmsonntag ziehen tausende Christen aus allen Kontinenten durch die Straßen Jerusalems und singen, tanzen, beten und feiern.

Auf biblischen Wegen

Laut des Matthäus-Evangeliums ist Jesus an Palmsonntag im Ort Betfage ("Haus der unreifen Feigen") auf einen Esel gestiegen und ist auf ihm, unter Jubelrufen, in Jerusalem eingezogen. Betfage ist heute eine kleine Kapelle im palästinensischen Ostteil der Stadt. Der Großteil der Pilger, die an der Prozession teilnehmen, sind dann auch palästinensische Christen. Der Stein, von dem aus Jesus auf den Esel gestiegen sein soll, steht in der Mitte der kleinen Kirche in Betfage hinter Glas. Die Pilger, die den Weg von Anfang an gehen, treffen sich hier hinter der Kirche. Vorher besuchen sie aber auch noch den Stein. Von hier aus macht sich die Prozession auf den Weg zur Anna-Kirche in der Jerusalemer Altstadt. Ein Weg von gut zwei Stunden. Sogar ein Junge auf einem Esel ist hierher gekommen.

Dabei nehmen die Pilger fast schon unmenschliche Anstrengungen auf sich. Viele Gläubige mit Gehilfen oder Rollatoren pilgern in der heißen Mittagssonne den beschwerlichen Weg über Berg und Tal. Eine Dame im Rollstuhl, die fast durchgängig betet, wird von ihrem Mann den steilen Berg hoch geschoben. Immer in zehn Meter Etappen und mit ordentlich Schwung. Keine einfache Aufgabe.

Palmprozession vom Ölberg in die Altstadt. #Jerusalem17 pic.twitter.com/VXQBCcOd1H

— RenardoSchlegelmilch (@RenardoJoachim) 9. April 2017

Volksfeststimmung in Jerusalem

"Das ist alles viel fröhlicher, als ich erwartet hatte. Nichts ernstes, sondern richtige Party-Stimmung. Da merkt man, dass es einfach schön ist, katholisch zu sein. Egal, wo man ist auf der Welt." Worte einer Pilgerin, die direkt aus Köln angereist ist. Viele deutsche Stimmen hört man im Wirrwarr der Gespräche. Eine Gruppe aus dem Münsterland hat sogar zwei Bischöfe mit nach Jerusalem genommen. Münsters Weihbischof Wilfried Theising ist unter den Pilgern und auch der emeritierte Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff. Im vergangenen Jahr hat er Palmsonntag und das Osterfest noch im Aachener Dom zelebriert. Die Reise zu Ostern nach Jerusalem hat er sich schon lange vorgenommen. "Gerade auch, weil das die einzige Gelegenheit ist, um zu sehen wie vielfältig die Kirche doch ist. Katholiken, Orthodoxe, Kopten – alle feiern sie hier gemeinsam Jesus Christus."

Durch das Anna-Tor der Jerusalemer Altstadt wird das Ziel erreicht, im Innenhof der Anna-Kirche wird der Pilgerzug mit einem regelrechten Volksfest abgeschlossen. Zwischen Musikkapellen und ausgelassen feiernden Pilgern wird auch immer wieder gebetet, von jedem auf seine eigene Weise. Das beste Beispiel, dass Ökumene funktioniert.

Renardo Schlegelmilch
(dr)

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