Prozession am Kolosseum: Bei stimmungsvollem Kerzenschein haben Gläubige in Rom des Leidenswegs Christi gedacht
Prozession am Kolosseum: Bei stimmungsvollem Kerzenschein haben Gläubige in Rom des Leidenswegs Christi gedacht
Prozession am Kolosseum 2016: Papst Franziskus beim Kreuzweg in Rom
Prozession am Kolosseum 2016: Papst Franziskus beim Kreuzweg in Rom
Papst Franziskus bei der traditionellen Karfreitagsliturgie im Petersdom
Papst Franziskus bei der traditionellen Karfreitagsliturgie im Petersdom

26.03.2016

Traditioneller Kreuzweg in Rom Papst verurteilt "unerhörte Gewalt"

Bei stimmungsvollem Kerzenschein haben Zehntausende Gläubige in Rom des Leidenswegs Christi gedacht. Die Via Crucis gilt seit langem als ein Höhepunkt der Osterfeiern der Katholiken. Die Themen, die der Papst ansprach, waren aber hochaktuell.

Papst Franziskus hat beim Kreuzweg in Rom jede Form von Extremismus, blutige Terrorakte und die Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden von Flüchtlingen angeprangert. Das Kirchenoberhaupt verfolgte am Freitagabend zusammen mit Zehntausenden Gläubigen die stimmungsvolle Prozession am Kolosseum, mit der an die Leidensstationen Jesu erinnert wird. Wenige Tage nach dem blutigen Terror von Brüssel war das Gebiet um das antike Amphitheater weiträumig abgesperrt worden, italienische Anti-Terror-Einheiten waren mit Spürhunden im Einsatz.

"O Kreuz Christi, wir sehen dich auch heute noch in den Fundamentalismen und im Terrorismus von Anhängern mancher Religionen, die den Namen Gottes schänden und ihn dazu benutzen, ihre
unerhörte Gewalt zu rechtfertigen", sagte Franziskus am Ende der 14 Stationen, die mit Hunderten Kerzen beleuchtet waren. Wie bereits am Gründonnerstag bei der Fußwaschung, die der 79-Jährige in diesem Jahr bei Flüchtlingen vorgenommen hatte, verurteilte er erneut die Waffenhändler, "die den Glutofen der Kriege mit dem unschuldigen Blut der Brüder und Schwestern beschicken".

"Viva il papa!" - Es lebe der Papst

Gleichzeitig mahnte Franziskus am Karfreitag an, dem derzeitigen Flüchtlingsdrama nicht gleichgültig und gefühlskalt gegenüberzustehen. Das Mittelmeer und die Ägäis seien "zu einem unersättlichen Friedhof geworden, ein Bild unseres abgestumpften und betäubten Gewissens", sagte der Argentinier. Die Gläubigen applaudierten dem Papst und riefen: "Viva il papa!" - Es lebe der Papst.

Die Meditationen an den 14 Stationen der Via Crucis zum Thema "Gott ist Barmherzigkeit" wurden von Kardinal Gualtiero Bassetti, dem Erzbischof von Perugia, verfasst. Unter den Teilnehmern, die das Kreuz trugen, waren auch eine Chinesin, ein Kenianer, eine Zentralafrikanerin, mehrere Südamerikaner und zwei Syrer. Die Zeremonie ist Teil der Osterfeierlichkeiten in Rom und gilt als eine der schönsten Andachten im römischen Kirchenjahr.

14 Stationen der Via Crucis

Am Nachmittag hatte Franziskus die traditionelle Karfreitagsliturgie im Petersdom geleitet. Zu Beginn des von Stille geprägten Gottesdienstes betete das Kirchenoberhaupt als Zeichen äußerster Demut ausgestreckt auf dem Boden liegend.

Am Samstag werden die Feierlichkeiten im Vatikan mit der traditionellen Osternacht im Petersdom fortgesetzt. Der Gottesdienst unter Leitung von Papst Franziskus erinnert an die Auferstehung Christi. Das anstrengende Programm endet für Franziskus am Sonntag mit der Ostermesse und der anschließenden Osterbotschaft mit dem Segen "Urbi et Orbi" - der Stadt und dem Erdkreis. Für Franziskus ist es das vierte Osterfest als Oberhaupt der katholischen Kirche.

Franziskus viertes Osterfest

Trotz Terrorgefahr und kühler Witterung beteten aber auch in diesem Jahr wieder Tausende Christen den Kreuzweg an dem antiken Amphitheater. Die Meditationstexte zu den einzelnen Stationen, die den Weg Jesu zum Kreuz nachzeichnen, standen unter dem Titel "Gott ist Barmherzigkeit". Verfasst wurden sie vom Erzbischof von Perugia, Kardinal Gualtiero Bassetti.

Während der Feier trugen Gläubige ein schlichtes Holzkreuz aus dem Innern des Kolosseum hinauf auf den Palatin-Hügel. Dieses Jahr übernahmen diesen Dienst Laienkatholiken und Ordensleute aus Afrika, Asien, Südamerika und den USA. Das Kolosseum steht als Sinnbild für die Märtyrer des frühen Christentums, die wegen ihres Glaubens getötet wurden

(dpa)

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