Kreuzwegprozession in Lübeck
Kreuzwegprozession in Lübeck

20.03.2016

Kreuzwege erinnern auf verschiedene Weise an das Leiden Jesu Passion auf der Halde

An einzelnen Stationen zeigen sie auf Bildern oder mit Skulpturen, wie Jesus das Kreuz trug, gedemütigt wurde und nach langem Leiden starb. Kreuzwege sind in Deutschland weit verbreitet - mit und ohne Hindernisse.

Viele von ihnen können Gläubige bequem zu Fuß laufen oder mit dem Rad befahren. Doch manchmal führen Kreuzwege schweißtreibend steile Bergpfade hinauf - oder sind ganz flach, damit auch Rollstuhlfahrer eine Chance haben, an Leiden und Sterben Jesu zu erinnern. Hinzu kommen ungewöhnlich künstlerisch gestaltete Strecken.

Es gibt verschiedene Arten, sich an Karfreitag oder an einem anderen Termin vor dem Feiertag die einzelnen Stationen der Passion zu erarbeiten. Zuweilen auch an ganz besonderen Orten. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) nennt einige Beispiele:

ZECHE: Auf einer Bergwerkshalde im Ruhrgebiet erinnern seit 1995 Christen an das Leiden und Sterben Jesu. Auf dem Hügel der Bottroper Zeche Prosper-Haniel steht ein großes Gipfelkreuz, dort betet Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck mit den Gläubigen. Das Kreuz war zum Besuch von Papst Johannes Paul II. im Ruhrgebiet im Jahr 1987 von Auszubildenden des Bergwerks angefertigt worden. Auf dem mehr als einen Kilometer langen Kreuzweg ist auf Kupfertafeln die Passion Christi mit Elementen der Bergbauwelt dargestellt.

GRENZE: Dieser "Weg der Hoffnung" führt auf 1,4 Kilometern Länge an den Todesstreifen der früheren innerdeutschen Grenze zwischen Hessen und Thüringen. Bei Geisa, in der Nähe der Gedenkstätte "Point Alpha", stehen 14 Metallskulpturen dort, wo es bis 1989 noch Grenzzaun und Selbstschussanlagen gab. Die an den Kreuzweg Christi angelehnte Installation stammt von dem Künstler Ulrich Barnickel, der Mitte der 1980er Jahre aus der DDR ausgebürgert wurde. Vollendet wurde der Weg 2010 und soll Besucher anregen, sich an "ihren eigenen Schicksalsweg in schwieriger Zeit zu erinnern".

BAHNHOF: Ein Kreuzweg der anderen Art führt in diesem Jahr zum fünften Mal in den Hauptbahnhof von Frankfurt am Main und seine Umgebung. Stationen sind nach Angaben der Bahnhofsmission "markante Stellen, an denen das Leid offenbar wird". Dazu gehören zum Beispiel Orte, an denen Obdachlose und Drogenabhängige anzutreffen sind, aber auch eine Toilette für Menschen mit Behinderungen. Man wolle ein Zeichen setzen - "in einer Welt, in der jeder sein eigenes Kreuz zu tragen scheint und sich das Gefühl aufdrängt, dass einem der Boden unter den Füßen weggezogen worden ist". Im Schnitt nehmen laut Veranstalter etwa 40 Leute teil.

EBEN: Wer im Rollstuhl sitzt oder einen Rollator nutzt, ist auf dem barrierefreien Kreuzweg im rheinland-pfälzischen Mendig richtig. Dort beten Junge, Alte, Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam und suchen die mit leuchtenden Farben gestalteten Kreuzwegstationen auf. Unter dem Motto "Mit Jesus barrierefrei auf dem Weg" gewann das an der Gestaltung der Strecke beteiligte Caritaszentrum Mendig 2011 den Sonderpreis des Caritas-Elisabethpreises im Bistum Trier.

ALT: Der Lübecker Kreuzweg geht auf das 15. Jahrhundert zurück und gilt als ältester in Deutschland. Nach der Reformationszeit geriet er jedoch in Vergessenheit. Seit 1994 wird er wieder jährlich gegangen, seit 2002 gehen und beten katholische und evangelische Christen die fünf Kreuzwegstationen gemeinsam. Er ist wie die Via Dolorosa in Jerusalem genau 1.650 Meter lang. Erwartet werden Hunderte Gläubige in der Altstadt der früheren Hansestadt.

LEBENDIG: Beim lebendigen Kreuzweg der Italienischen Gemeinde in Ulm machen nach Angaben des Dekanats Ehingen-Ulm rund 80 ehrenamtliche Darsteller mit - sie spielen in Kostümen Jesus, Maria, die Jünger, Pilatus oder Soldaten. Tausende Zuschauer begleiten diesen Kreuzweg jedes Jahr. Zum ersten Mal zogen die Darsteller am Karfreitag des Jahres 2004 durch die Straßen der Stadt.

Leticia Witte
(KNA)

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