Grün ist die Farbe des Lebens
Grün ist die Farbe des Lebens

25.03.2013

Die Farbe Grün hat viele Bedeutungen Frische, Leben, Neid

Grün ist die Hoffnung. Es ist die Farbe des Frühlings, des wiederkehrenden Lebens und damit auch des Osterfestes. Der Urspung des Wortes "grün" liegt in dem germanischen Wort "groa", was soviel wie wachsen und keimen bedeutet.

Grün ist die Farbe des Lebens: Ohne Chlorophyll, das den Pflanzen die Farbe verleiht, wäre Leben nicht möglich. Für die Mystikerin Hildegard von Bingen ist Grün deshalb eine göttliche, heilende Farbe, eine „Herzkraft himmlischer Geheimnisse, die die Herrlichkeit des Irdischen nicht fasst“. Gleichzeitig steht Grün auch für das Neue, Frische: In der Minnedichtung war es die Farbe der beginnenden Liebe. Wer heiratet, feiert seine Grüne Hochzeit.

Die Abwesenheit von Hindernissen

Im Alltag symbolisiert Grün die Abwesenheit von Hindernissen. Eine grüne Ampel erlaubt freie Fahrt. Wer jemandem „grünes Licht“ gibt, gibt seine Zustimmung. Wer eine „Greencard“ hat, darf einwandern. Wer im „grünen Bereich“ ist, kann sich beruhigt zurücklehnen.

Grün bezeichnet damit auch das Normale, Unproblematische. Es ist die Farbe der Mitte, wie Goethe in seiner Farbenlehre definierte. Es entsteht, wenn Licht (Gelb) und Finsternis (Blau) sich völlig das Gleichgewicht halten. „Grün in vollendeter Neutralität zwischen allen Extremen wirkt beruhigend und sicher“, schreibt Eva Heller in ihrem Buch „Wie Farben wirken“. Den Maler Wassily Kandinsky (1866-1944) langweilte das: Das Grün sei „wie eine dicke, sehr gesunde, unbeweglich liegende Kuh, die nur zum Wiederkäuen fähig mit blöden, stumpfen Augen die Welt betrachtet“.

Grün, die Lieblingsfarbe Mohammeds, ist zugleich die heilige Farbe des Islam. Sie verweist auf das Paradies mit üppigen Wiesen und Wäldern - für Wüstenbewohner eine wunderbare Vorstellung. In der kirchlichen Liturgie des Mittelalters spielte das Grün nach Angaben des Münsteraner Historikers Rudolf Suntrup eine eher untergeordnete Rolle. Vereinzelt sprächen liturgische Texte vom „Grün des Glaubens“, sagt er. In der Malerei wurde der Farbton mit der Barmherzigkeit und Hoffnung gleichgesetzt. Daher tragen Heilige auf mittelalterlichen Gemälden gelegentlich grüne Mäntel.

Sprachlicher Ursprung des Gründonnerstags ist umstritten

Umstritten ist, ob der „Gründonnerstag“ mit der Farbe zu tun hat. Manche Sprachforscher vermuten eher, dass die Bezeichnung auf das mittelhochdeutsche „grinen“ zurückgeht, das Klagen oder Weinen bedeutet und auf das Leiden Jesu hindeutet. Dem widerspricht die Gesellschaft für deutsche Sprache: Der Gründonnerstag sei im Spätmittelalter im kirchlichen Sprachgebrauch als Tag des Erlasses der Sünden und Kirchenstrafen begangen worden. Der Bezug auf die Farbe „Grün“ verweise auf Erneuerung und Reinheit von Sünde.

Doch Grün ist nicht eindeutig. Missgünstige Menschen werden „grün vor Neid“. Der Teufel - als Jäger auf die Seelen - trägt bisweilen einen grünen Rock. Grün ist auch bitter oder sauer, intensive Grüntöne werden als Giftgrün bezeichnet. Das hat auch damit zu tun, dass lange Zeit alle Pigmente zur Herstellung der Farbe giftig waren, etwa das arsenhaltige Schweinfurter Grün oder Grünspan. Im Sprachgebrauch wird Grün auch häufig mit Unreife gleichgesetzt: Ein Grünschnabel ist noch „grün hinter den Ohren“.

Abgegriffene Symbolik?

Die Beliebtheit der Farbe schwankt stark. Etwa bei den Neuzulassungen für Autos. Laut Kraftfahrt-Bundesamt waren 2010 ganze 1,4 Prozent der Neuwagen grün. 1996 noch hatte das Grün bei Neuzulassungen die 20-Prozent-Marke gekratzt. Nicht selbstverständlich ist Grün auch als Signalfarbe für Umweltschutz. Für manche Werbe-Designer ist die Symbolik schon zu abgegriffen, es schwingt uncoole Öko-Ästhetik mit.

Das hat den Volkswagen-Konzern dazu gebracht, seine spritsparenden Autos unter der Überschrift „BlueMotion“ zu verkaufen. Blau steht dabei für die schützenswerten Ressourcen Wasser und Luft, das Meer und den Himmel. Auch die Werbestrategen des Daimler-Konzerns kreierten 2008 den Begriff „Blue Efficiency“, um die sparsamen Modelle anzupreisen. Doch es gibt auch Gegenbeispiele: Seit 2009 stellen McDonald's-Restaurants in Deutschland von Rot auf Grün um. Der Farbwechsel wird auch als Bekenntnis zur Umwelt verkauft.

Christoph Arens