Karneval am Kölner Dom
Karneval am Kölner Dom
Msgr. Robert Kleine, Stadt- und Domdechant
Msgr. Robert Kleine, Stadt- und Domdechant

01.02.2016

Kölner Domdechant für frohes Feiern an Karneval - aber richtig "Die Lebensfreude von Terroristen nicht nehmen lassen"

Terrorgefahr, Gewaltexzesse, Unsicherheit: Die Stimmung vieler Jecken scheint in diesem Jahr getrübt. Dabei ist das fröhliche Feiern etwas Urmenschliches, erklärt der Kölner Stadt- und Domdechant Robert Kleine.

Katholische Nachrichten-Agentur (KNA): Monsignore Kleine, Sie sind nicht nur Vize-Hausherr des Kölner Doms, sondern auch "Feldhillije" (Regimentskaplan) des Traditionskorps "Die Altstädter". Was reizt Sie an Karneval?

Robert Kleine (Domdechant): Kirche und Karneval gehören zwingend zusammen. Schon in der Bibel heißt es im Buch Kohelet: "Es gibt für alles eine Zeit: eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz." Feiern gehört zum Menschsein - gerade auch für Christen. Jesus selber hat sein erstes Zeichen bei der Hochzeit zu Kana getan - und ein fröhliches Fest konnte weitergehen. Karneval, richtig gefeiert und verstanden, ist ein Fest der Freude, ein harmonisches Fest gegen Vereinsamung und Vereinzelung. Und kann so vielleicht ein Mosaikstein auf dem Weg der Integration sein.

KNA: Was heißt für Sie "richtig feiern"?

Kleine: Bewusst einen über den Durst trinken, sich gehen lassen - das hat für mich nichts mit Karneval zu tun. Karneval ist eben kein Freifahrschein, bei dem man jeden Verhaltenskodex und Anstand über Bord werfen darf, um es später dem "Nubbel" anzuhängen. Wer so agiert, hat Karneval grundsätzlich falsch verstanden. Karneval kann vielmehr sehr geistvoll sein, wenn er nicht terminierter Frohsinn ist, sondern gelebte Lebensfreude.

KNA: In diesem Jahr scheint die Stimmung erheblich getrübt, etwa durch Terrorgefahr...

Kleine: Diese Lebensfreude sollten wir uns von Terroristen nicht nehmen lassen! Es darf nicht sein, dass wir beim Aufstehen zuerst daran denken, was heute alles passieren könnte. Wenn wir nicht mehr auf Weihnachtsmärkte gehen, nicht mehr zum Petersdom pilgern, kein Fußballspiel mehr besuchen oder keinen Karneval feiern aus Angst und Sorge um uns und unsere Lieben, dann haben die Terroristen ihr Ziel erreicht.

KNA: Auch die Gewaltexzesse der Silvesternacht lassen viele vor dem fröhlichen Feiern auf den Straßen zurückschrecken. Reichen die in Köln angekündigten rund 2.500 Polizisten?

Kleine: Damit sich Szenen und Verbrechen wie in der Silvesternacht nicht wiederholen, ist neben der versprochenen Polizeipräsenz vor allem eins gefordert: Aufmerksamkeit und Achtsamkeit, was um mich herum geschieht. Und wenn ich sehe, dass jemand bedrängt wird, etwas gegen seinen oder ihren Willen geschieht, dann bedarf es Zivilcourage: Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit erzeugen, Hilfe rufen, wenn möglich und sinnvoll als Einzelner oder mit anderen eingreifen. So hoffe und freue ich mich mit vielen anderen auf fröhliche, harmonische und friedliche Karnevalstage.

(KNA)

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