Gaben für Kardinal Woelki
Gaben für Kardinal Woelki
Erzbischof Rainer Kardinal Woelki
Erzbischof Rainer Kardinal Woelki
Oberbürgermeisterin Reker und Alt-OB Schramma und Festkomitee-Präsident Kuckelkorn
Oberbürgermeisterin Reker und Alt-OB Schramma und Festkomitee-Präsident Kuckelkorn
Kölner Kinderdreigestirn 2020
Kölner Kinderdreigestirn 2020
Das Kinderdreigestirn hat die Karnevalskerze gestaltet
Das Kinderdreigestirn hat die Karnevalskerze gestaltet
Das neue Kölner Dreigestirn der Session 2020
Das neue Kölner Dreigestirn der Session 2020
OB Reker, Alt-OB Schramma, FP Kuckelkorn und Domdechant Kleine
OB Reker, Alt-OB Schramma, FP Kuckelkorn und Domdechant Kleine

09.01.2020

Kardinal Woelki feiert ökumenischen Gottesdienst mit Karnevalisten Ein Herz für die Menschen im eigenen Veedel haben

Bevor die närrischen Tage so richtig losgehen, haben tausende Kölner Jecken zuvor noch einmal innegehalten und im Kölner Dom für eine friedliche Session gebetet. Der Segen von oben gehört für viele mittlerweile unverzichtbar dazu.

Chorweiler, Bayenthal, Ehrenfeld, Rodenkirchen, Mülheim, Nippes, Esch und Kalk… Eine Stimme aus dem Off zählt zum feierlichen Einzug der zahllosen Standartenträger und Vertreter aller lokalen Karnevalsvereine und Traditionskorps die 86 Kölner Stadtteile auf. Andächtig verfolgen mehrere tausend Gottesdienstbesucher vor Beginn der eigentlichen Feier die schier endlos scheinende Prozession quer durch das Mittelschiff des Domes – allen voran die Stadtspitze mit Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Alt-OB Fritz Schramma, aber auch dem designierten Dreigestirn, dem Kinderdreigestirn und Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn. Denn alle sind sie gekommen, um in Kölns Kathedrale noch einmal innezuhalten, bevor es dann in den nächsten Wochen mit den "tollen Tagen" so richtig los geht.

Dabei dient allen an dieser Andacht Beteiligten das diesjährige Sessionsmotto als Steilvorlage: "Et Hätz schleiht im Veedel". Denn damit soll einerseits zum Ausdruck kommen, wie vielfältig und bunt sich diese sehr unterschiedlichen Viertel der Millionenmetropole – gerade auch im Karneval – präsentieren. Aber andererseits auch, was es denn konkret heißt, dass das Herz im eigenen Quartier schlägt. Was es bedeutet, sich in diesem Lebensraum beheimatet zu fühlen und sich dort im Zusammenleben mit Freunden und Nachbarn auch zu engagieren und darüber hinaus Verantwortung füreinander zu übernehmen. Denn der Kölner Karneval – auch das steckt in der bewussten Wahl des Mottos – ist nicht allein Selbstzweck. Gemeinsames Feiern ist Ausdruck von geteilter Lebensfreude, aber auch verbunden mit dem Vorsatz, niemanden auszuschließen oder zurückzulassen.

Eine besondere Mischung aus Ernst und Frohsinn

"Das muss man mal erlebt haben", schwärmt Prinz Dennis, der eigens aus Herkersdorf im Westerwald zu diesem Gottesdienst angereist ist – und das in vollem Ornat. "Ich habe mir immer geschworen, wenn ich mal Prinz werde, dann fahre ich nach Köln in den Dom, um mir dort für die fünfte Jahreszeit den Segen zu holen." Das gehöre für einen Katholiken – aber natürlich nicht nur für den – schließlich dazu. Zu seiner Gruppe zählen auch Prinz Jens und aus dem Nachbarort Hövels Prinzessin Lena, die ebenfalls zum ersten Mal mit in Köln dabei ist. Allen gemeinsam hat es die "einmalig tolle Atmosphäre“ angetan. Und die besondere Mischung aus Ernst und Frohsinn. Begeistert singen sie die Kirchenlieder mit, stimmen aber auch in die typisch kölschen Hits mit ein und haken sich schunkelnd unter, als der Bläck Fööss-Song „En unserem Veedel" – zweifelsohne einer der Höhepunkte des Abends – gespielt wird.

"Was für ein herrliches Bild!" Auch Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki zeigt sich höchstbeeindruckt von der alljährlich großen Resonanz, für die dieser Sessionsauftaktgottesdienst bei allen sorgt, die den Karneval lieben, aber in die kommenden närrischen Wochen nicht ohne den kirchlichen Segen starten wollen. "Schön, dass Sie alle da sind!", ruft er den vielen Menschen im Dom entgegen. Er freue sich, diesen Gottesdienst, der für ihn einer der schönsten im Jahr und am zweitbesten besucht sei, wie er schmunzelnd eingesteht, in ökumenischer Verbundenheit zu feiern, und heiße jeden Einzelnen willkommen.

Sessionskerze bringt Vielfalt der Stadt zum Ausdruck

Einmal mehr gelingt dann im Folgenden der Spagat zwischen liturgischer Feier und einer ganz eigenen karnevalistischen Heiterkeit. Schließlich besteht darin für alle Verantwortlichen ja auch genau die Kunst: aus einem Gottesdienst im Kirchenraum keine Sitzung zu machen. Und dennoch haben karnevalistische Elemente in dieser Andacht, zu der traditionell die katholische und evangelische Kirche gemeinsam einladen, durchaus ihren Platz. Schmunzeln, sich wiegen zum Kölsch-Klassiker "Am Dom zo Kölle" oder applaudieren bei einer besonders guten Pointe – das gehört einfach mit dazu und sorgt für eine außergewöhnliche Stimmung, die diesem traditionellen Gipfeltreffen der mehreren tausend Jecken im Vorfeld der Sessionseröffnung eine besondere Note gibt.

Dazu gehören festgeschriebene Rituale: zunächst das Segnen und Entzünden der Sessionskerze, deren Symbole das Kinderdreigestirn – Prinz Vincent I., Jungfrau Darleen und Bauer Emil – Gastgeber Woelki genau erläutert und die bis Aschermittwoch am Dreikönigenschrein brennen wird. Anschaulich greift die kunstvoll von den Kindern gestaltete Kerze das Sessionsmotto auf, das nicht nur ein Herz und den Dom zeigt, wie die drei erklären, sondern auch die 86 unterschiedlichen Stadtteile – die Veedel eben. "Tolle Arbeit", lobt der Erzbischof die Drei, weil die Kerze etwas von der Buntheit, Schönheit und Vielfalt der Stadt zum Ausdruck bringe, wie er betont.

Präsentkorb geht an die Obdachlosenunterkunft "Notel"

Aber auch für den Kölner Karneval typische Gaben – eine Narrenkappe, der Motto-Schal, der Sessionsorden, ein Präsentkorb und traditionell auch ein Pittermännchen, das für besonders amüsiertes Raunen im Dom sorgt – werden Woelki von einer Gruppe Nachwuchskarnevalisten mit den entsprechend launigen Kommentaren überbracht. Das Kölsch-Fässchen reiche er gerne in die Domsakristei weiter, sagt Woelki lachend und hält es einmal für alle gut sichtbar in die Höhe. Der Korb mit den Delikatessen hingegen, so bestimmt er, soll – wie auch in all den Vorjahren – an die Kölner Obdachlosenunterkunft "Notel" gehen, wo sich die Übernachtungsgäste über solche Leckereien besonders freuten, wie er erklärt.

Zuvor hatte der Kardinal das Sessionsmotto "Et Hätz schleiht em Veedel!" in seiner Predigt aufgegriffen und über die Bedeutung sozialer Netze, aber auch der daraus erwachsenden Verantwortung füreinander gesprochen. Im "Veedel" werde man groß und wachse ins Leben hinein. "Hier sind unser Zuhause, die Schule, die Nachbarn, der Sportplatz. Und hier feiert man jahrein jahraus die fünfte Jahreszeit und bereitet sich darauf ein ganzes Jahr lang vor." Hier werde gemalt und genäht, trainiert und geübt, gesungen und musiziert, miteinander geredet, getan, gelacht und gemacht. So entstünden Freundschaften und man entdecke sein Herz für diejenigen, die mitwirkten. So gehe es Menschen jeden Alters in ganz Köln mit seinen 86 Veedeln. "Hier lernen wir uns Sproch und uns Minsche kenne. Hier schleiht uns Hätz füreinander und miteinander", sagte Woelki weiter auf Kölsch. Man habe einfach "dat Jeföhl, ich bin zu huus".

Mit Zuwendung Menschen aus Einsamkeit heraushelfen

Was für ein Schatz das doch sei, der in den „Veedeln“ mit ihrem pulsierenden Herzschlag – auch für den anderen – geteilt und weitergetragen werde. "Das Veedel ist Nähe, es ist Nachbarschaft und nachbarschaftliche Hilfe. Es ist Zusammenhalt: 'ejal, wat och passeet'", betonte der Kardinal. Und je besser sich die Menschen kennen würden – auch ihre Sehnsüchte, Krankheiten und Schicksalsschläge – desto wirksamer könnten sie einander helfen und gemeinsam den Nahraum ihres Lebens, den Resonanzraum ihres Herzschlags gestalten. "Das gilt für Politik, Wirtschaft und Kirche gleichermaßen. Nur wer die Menschen kennt, sich für sie und für das, was in ihrem Herzen vorgeht, interessiert, kann mit ihnen gemeinsam Zukunft gestalten", so Woelki. Zuwendung und Hinneigung reichten aus, um Menschen aus ihrer Einsamkeit, Angst oder materiellen Not herauszuhelfen. "Öffnen wir unser Herz!", appellierte er daher an seine Zuhörer.

Gerade in diesen Tagen feiere die Kirche, dass Gott in seinem Sohn Jesus Christus Mensch geworden ist. "Und als Mensch hat er mit seinem Herzen gefühlt wie wir. Darum hat er mitfühlen können mit unseren Freuden und Schmerzen, mit unseren Erfahrungen und Enttäuschungen, mit unserer Verlassenheit und Schwachheit. Das gibt uns Vertrauen und Zuversicht: Er, der Mensch gewordene Sohn Gottes, hat ein mitfühlendes Herz mit uns." Und von diesem Herzen gehe etwas aus, das man nicht mit dem Verstand, sondern nur mit dem Herzen "begreifen" könne: Geborgenheit, Vertrauen, Zärtlichkeit, Hoffnung und Herzlichkeit.

Handeln nach dem Gebot der Gottes- und Nächstenliebe

Und Gott wolle durch die Menschen wirken, um zu helfen, zu umarmen, Not und Angst zu lindern, erklärte der Kardinal weiter. "Er hat keine anderen Augen als die unseren, um die Not des anderen zu sehen und zu entdecken. Er hat keinen anderen Mund als den unseren, um ein Wort des Trostes, der Ermutigung, der Zuwendung, der Barmherzigkeit, der Zärtlichkeit, der Hilfe, der Hoffnung auszusprechen." Von daher gehe es darum, dem eigenen "Veedel" ein Herz zu geben: "Gottes Herz und damit immer auch unser Herz". Denn trotz eines oftmals engmaschigen Netzes an sozialen Kontakten könne man frieren und auch erfrieren, wenn keine Menschen da seien, die es mit ihrer menschlichen Wärme ausfüllten. "Das ist unsere Aufgabe, unsere Berufung und Sendung", mahnte der Kardinal wörtlich. Dabei gehe es nicht primär um Geld. "Es geht darum, ob wir ein Herz, das dem Herzen Gottes nachgebildet ist, für die Menschen in unserem Veedel haben."

Dass es für ein gelingendes zwischenmenschliches Zusammenleben weniger die "lauten Typen" als die „stillen Seelen“ brauche, die nicht groß Aufhebens um die eigene Person machten, aber die Verantwortung von Fürsorge wahrnähmen, machte Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger in seiner Ansprache deutlich und verwies auf das "viele Gute in den Veedeln". Dort handelten Menschen nach dem Gebot der Gottes- und Nächstenliebe. "Wir müssen wissen, wo wir hingehören, trotzdem darf uns nicht kalt lassen, was um uns herum geschieht", sagte Seiger und führte als Beispiel die Flüchtlingssituation im Mittelmeer an. Denn auch diese Nachrichten seien Teil der Wirklichkeit. "Wir sollten global denken und wahrnehmen, aber lokal fühlen und dienen", regte der evangelische Theologe an.

Kirche als „Hätz“ des Veedels

Das Sessionsmotto weite den Blick, indem es die „Veedel“ zum Thema mache, in denen Zusammenhalt und Solidarität konkret gelebt würden: in der Nachbarschaft oder auch mit den Pflegediensten von Caritas und Diakonie. Seiger erinnerte an die vielen Alltagsgeschichten der Bibel, in denen auch "Veedelgestalten" vorkämen, auf die Jesus stets vorurteilsfrei und offen zugegangen sei. Abschließend wünschte er allen "wache Augen für den Nächsten", aber genauso "Freude am Leben und am Karneval".

Wie eng in Köln Kirche und Karneval seit jeher miteinander verbunden sind, brachte schließlich der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn, noch einmal auf den Punkt. Wenn für den einen oder anderen das Herz ihres Veedels zwar die Kneipe an der Ecke sei, wäre es für die meisten aber doch die Kirche im Ort. Und deshalb gelte es auch den "Fastelovend" in der Pfarrgemeinde gut zu pflegen. "Do steit der Pastur in der Bütt, die Gemeindesekretärin schwingt et Tanzbein, und der Chor singt mit dämm Orjanist Fastelovendsleeder. Dat – leev Lückscher", betonte der Karnevalist, "is der Fastelovend in Rheinkultur: handjemaht und mit vill, vill Hätz."

Beatrice Tomasetti
(DR)

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Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

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