Der Morgen nach dem Karneval
Der Morgen nach dem Karneval

09.02.2018

Über Alkohol und Rausch an den tollen Tagen Der Morgen danach ...

Zu Karneval gehört auch immer irgendwie der Kater. Wenn nicht nur vom Alkohol, dann vom Tanzen und Ausgelassen sein. Was hilft wirklich am Morgen danach? Und woher kommt der Rausch?

Für die einen ist die fünfte Jahreszeit das Schönste von der Welt. Die anderen versuchen, Karneval, Fasching und Fastnacht möglichst zu entfliehen. Von altersher sind die "tollen Tage" vor Aschermittwoch eine Zeit, in der die bestehende Ordnung außer Kraft gesetzt wird. Mit Tanz und Spiel, Umzügen und Verkleidungen. Und nicht selten auch mit dem Konsum von Alkohol.

Hilft das berühmte Katerbier?

"Rauscherfahrungen gehören zu unserer Geschichte", sagt der Leipziger Religionswissenschaftler Peter Johannes Bräunlein. Zwar fühlten sich die meisten Menschen auch ohne Rausch recht wohl in ihrer Haut. Aber es gebe auch Zeitgenossen, die auf Entdeckungsreise gingen, "um unbekannte Bereiche ihres Bewusstseins zu erkunden". Zu weit sollte das aber nicht gehen, warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. In ihren "10 Tipps für die tollen Tage" räumt sie auch mit einigen feuchtfröhlichen Faustregeln auf: Stichwort "Katerbier - nur Alkohol hilft gegen Alkohol". Davon sei "dringend abzuraten".

Bleibt die Frage, wo trotz aller hinlänglich bekannten Gefahren die Lust an geistigen Getränken und ihrer weniger hochprozentigen Verwandtschaft herrührt. Vermutlich lieferte Honig die Basis für das erste vergorene Getränk der Menschheit. Die alten Ägypter schwangen sich zu einer der ersten Biernationen auf. Der früheste Wein kam vermutlich aus Georgien, und der irische Nationalheilige Patrick brachte zumindest der Legende nach die Kunst des Destillierens nach Irland.

Bierbrauende Klöster

Die Kirche spielte eine nicht unmaßgebliche Rolle bei der Verbreitung alkoholischer Getränke. Im Mittelalter gab es allein in Deutschland 500 bierbrauende Klöster. Nicht zuletzt wegen der mangelhaften Wasserqualität fungierte der Gerstensaft als Grundnahrungsmittel. Dessen Produktion bescherte den Ordensleuten ein willkommenes Zubrot. Ähnlich verhielt es sich mit dem Wein, um den sich allerdings nicht nur Christen verdient machten.

"Der Bibel zufolge wurde Noah, nachdem er in seiner Arche verschiedene Lebewesen vor der Sintflut gerettet hatte, zum ersten Winzer", halten Anna Dünnebier und Gert von Paczensky in ihrer "Kulturgeschichte des Essens und Trinkens" fest. Die Story endete allerdings ungut, wie im Buch Genesis nachzulesen ist: Noah betrank sich sinnlos. Manch anderer ging dank seiner Exzesse in die Annalen ein. Papst Sixtus V. (1521-1590) soll ein wahrer Schluckspecht vor dem Herrn gewesen sein; der türkische Sultan Abdülmecid I. (1823-1861) nippte gerne am Champagner - trotz des Alkoholverbots im Islam.

Bedeutung des Wortes "Rausch"

Der sächsische Kurfürst und Führer der Protestanten, Johann Friedrich "der Großmütige", verlor angeblich 1547 erst die Orientierung und dann die Schlacht bei Mühlberg, weil er zu betrunken war. Zufall oder nicht: Die heutige Bedeutung des Wortes "Rausch" im Sinn von Kontrollverlust schälte sich im 16. Jahrhundert heraus, wie Religionswissenschaftler Bräunlein erläutert.

Im Zeitalter der Reformation nahmen dem Wissenschaftler zufolge auch die Bestrebungen zu, der Sauferei Einhalt zu gebieten. Dabei taten sich vor allem Johannes Calvin und Huldrych Zwingli hervor. Calvin ließ in Genf alle Wirtshäuser schließen und durch sogenannte Abteien ersetzen. "Dort wurde hauptsächlich gebetet", so Bräunlein. "Trinken durfte man wohl auch, aber nur bis neun Uhr abends."

Der Bergische Jung: Willibert Pauels

Durchsetzen konnten sich die gestrengen Herren nicht. Der im Erzbistum Köln tätige Diakon Willibert Pauels dürfte das gutheißen. Für den überregional bekannten Büttenclown gehören Rausch und Karneval zusammen. "Die Psyche des Menschen braucht abgesprochene Zeiten, wo man aus sich heraus gehen kann - in eine kleine Mini-Extase", sagte er dem Kölner DOMRADIO.

"Kein Alkohol ist auch keine Lösung", zitiert er ein Lied der Toten Hosen. Allerdings wendet er sich gegen ein maßloses Betrinken. "Die, die sich so wegschießen und schon am Mittag als Alkoholleichen in den Gassen und Plätzen herumliegen, haben nichts begriffen", sagte Pauels. Es gelte der Satz des griechischen Philosophen Epikur (341-270 v. Chr.): "Genuss ist die kluge Zügelung maßloser Begierde." Einen praktischen Tipp hat er auch: Schnaps grundsätzlich weglassen und nach jedem dritten Bier ein Wasser trinken.

Joachim Heinz
(KNA)

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