Berlins Erzbischof Heiner Koch auf Heimatbesuch in Köln.
Berlins Erzbischof Heiner Koch auf Heimatbesuch in Köln.

21.01.2017

Erzbischof Koch feiert 111. Geburtstag der Prinzengarde im Dom "Heimat wächst dort, wo wir Heimat schenken"

Berlins Erzbischof und Exkölner Heiner Koch erzählt, wie er zum Regimentsbischof der Kölner Prinzengarde wurde und welche Parallelen es zwischen der Prinzengarde, dem Hauptmann von Köpenik und der Flüchtlingssituation in Deutschland gibt.

domradio.de: Wie ist es, wenn Sie zurück nach Köln an den Dom kommen?

Erzbischof Heiner Koch: Es hat mich sehr bewegt, als ich eben nach Köln reinfuhr und den Dom schon von weitem sah. Es sind die persönlichen Erinnerungen an die langen Jahre hier. Alles ist wieder präsent. All die wunderbaren Gottesdienste. Wenn ich nur an die Fronleichnamsprozessionen denke, geht mir das Herz auf.

domradio.de: Karneval gibt es auch in Berlin, oder?

Erzbischof Koch: Karneval gibt es dort eigentlich nicht so richtig. Wenn, dann sind es eher so etwas wie die ausgesiedelten Rheinländer, die sich an den Karnevalstagen treffen. Es gibt aber den Karneval der Kulturen im Sommer, das ist sehr lebendig. Das ist aber eine andere Tradition, die dort eine Rolle spielt.

domradio.de: Was sagen Sie den Berlinern, wenn Sie so wie heute nach Köln fahren um einen Gottesdienst mit Karnevalisten zu feiern?

Erzbischof Koch: Das wird sehr aufmerksam wahrgenommen. Mit viel Erstaunen. Und die Berliner Karnevalisten sind ganz stolz darauf. Es gibt ja einige Vereine, kleinere Gruppierungen nicht zuletzt im Brandenburger Land, die die Zeit der DDR überlebt haben. Mit denen habe ich auch schon Gottesdienst gefeiert.

domradio.de: Gehen Sie dort auch zum Karneval hin? Und sind Sie dann inkognito?

Erzbischof Koch: Ja, da gehe ich gern hin. Allerdings nicht inkognito. Meist gibt es in den kleineren Gemeinden am Karnevalssamstag Veranstaltungen. Das macht viel Freude. Da sieht man, wie eine Gemeinde aufgeweckt feiert. Das geht gut. Aber der öffentliche Karneval geht in Berlin kaum.

domradio.de: Sie zelebrieren heute beim 111. Geburtstag der Kölner Prinzengarde im Dom. Sie waren jahrelang Weihbischof hier in Köln. Wie fühlt es sich an, heute wieder im Dom zu sein und am Altar zu stehen?

Erzbischof Koch: Ich freue mich sehr! Das letzte Mal, als ich hier am Altar gestanden habe, ist schon um einiges her. Das war bei meiner Verabschiedung nach Dresden, als ich dort Bischof des Bistums wurde. Der Altar hat für mich eine besondere Bedeutung. Hier stand ich schon nach meiner  Priester- und nach meiner Bischofsweihe. Auch habe ich hier oft als Domkapitular den Gottesdienst gefeiert. Der Kölner Dom ist nicht nur als Wahrzeichen der Stadt und als Mittelpunkt des Erzbistums so bedeutend. Er ist für mich auch ein Stück Herzensangelegenheit. Den Weg zur Sakristei könnte ich noch Tag und Nacht blind finden.

domradio.de: Zurück nach Berlin. Dort hatten Sie ein lustiges Karnevalserlebnis. Was ist passiert?

Erzbischof Koch: Einmal wurde plötzlich bei einem Gottesdienst das Lied der "Wenn am Himmel die Sterne tanzen" von den "Klüngelköpp" gespielt. In diesem Lied geht es ja um "Kölle, die Heimat am Rhing". Wenn das gesungen wird und die Spree vor einem liegt, denkt man – naja, so originell ist das jetzt auch nicht. Aber man freut sich über das Bemühen der wenigen Berliner Karnevalisten. Viele Karnevalslieder in Köln sind schon ein wenig melancholisch. Im Grunde sind es ja Heimatlieder. Das erinnert auch mich immer wieder an meine Heimat.

domradio.de: Tatsächlich geht es ja in vielen Karnevalsliedern auch darum, dass jemand aus Köln weggeht. Meist ist es, wie in Ihrem Fall, Berlin.

Erzbischof Koch: Berlin hat natürlich immer eine Bedeutung gehabt. Da war die preußische Beziehung, die ja auch im Karneval auf den Arm genommen wurde. Es ist Bundeshauptstadt – auch das spielt eine Rolle. Außerdem mag sich der eine oder andere immer wieder darüber wunderen, wie viele Rheinländer doch in Berlin leben.

domradio.de: Zurück nach Köln zur Messe im Dom. Im Ablaufplan der Messe steht als Zelebrant nicht "Erzbischof Heiner Koch", sondern "Regimentsbischof  der Kölner Prinzengarde". Was heißt das?

Erzbischof Koch: Ich bin schon lange mit der Prinzengarde verbunden. Als ich Weihbischof in Köln wurde, kam die Idee auf, dass ich Regimentspfarrer der Kirche werden könnte, wo die Prinzengarde immer ihre Gottesdienste feiert. An Weiberfastnacht wurde ich dann auf der Bistumskarnevalsveranstaltung auf die Bühne gerufen und zum "Regimentsbischof der Prinzengarde" ernannt. Gefragt wurde ich dafür nie. Man hat sich also für eine typisch kölsche Lösung entschieden.

domradio.de. Das Ganze ist aber nicht bloß Spaß, sondern hat auch einen ernsten Hintergrund und eine politische Aussage, oder?

Erzbischof Koch: In der Predigt im Dom spreche ich über die Parallelen der Prinzengarde zu dem Hauptmann von Köpenik. Sowohl die Zeit der Gründung der Prinzengarde als auch die Geschichte des Wilhelm Voigt – des Hauptmann von Köpenik, der nach Berlin kam, offenbaren tiefe Ursehnsüchte des Menschen und die Gefährdung des menschlichen Lebens. Zum Beispiel die Sehnsucht nach Heimat. Wilhelm Voigt kam ja damals nirgendwo unter. Er wurde immer weiter geschickt. Auch in seiner Familie fand er keine Heimat. Ich muss da an die vielen heimatlosen Menschen denken: an unsere Flüchtlinge heute. Ich denke aber auch an viele Deutsche, die das Gefühl haben, in unserer Gesellschaft nicht mehr zu Hause zu sein. Gerade im Osten Deutschlands erlebe ich den Rechtspopulismus und die rechten Bewegungen sehr stark. Darin steckt auch ein Stück Heimatlosigkeit, Bodenlosigkeit und Orientierungslosigkeit. Auch die Suche nach Heimat ist wichtig. Das ist ein Urphänomen. Aber darin steckt auch die Erfahrungen: Heimat wächst dort, wo wir Heimat schenken. Heimat ist kein Ort oder eine Geschichte oder eine Erinnerung. Heimat ist dort, wo ich Menschen leben lasse, wo andere mich leben lassen und wo ich zu Hause bin. Das ist gerade heute wichtig. Die Heimat wird wachsen, wenn wir die Heimat anderen schenken. Das gilt sowohl für die Nachbarn neben an, als auch für die Flüchtlinge. Abschottung ist also keine Lösung.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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