Flüchtlinge in St. Franziskus Köln
Flüchtlinge in St. Franziskus Köln
Barbara Schröder und Michael Neteler im "i-Tüpfelchen"
Barbara Schröder und Michael Neteler im "i-Tüpfelchen"

07.02.2016

Manche Flüchtlinge in Köln wollen Karneval lieber meiden "Nach der Silvesternacht bleibe ich lieber drin"

Eine Gemeinde in Köln möchte Flüchtlingen den Kölschen Karneval erklären und mit ihnen feiern. Ein interkultureller Versuch, gegen Angst und Vorurteile anzugehen - doch die Angst lässt sich nicht ganz vertreiben.

Draußen ist es kalt, dunkel und regnerisch. Kaum jemand will gerade im Kölner Stadtteil Bilderstöckchen auf der Straße sein. Da wirkt das Gemeindehaus der Pfarrei St. Franziskus wie ein warmer Zufluchtsort. Das sogenannte "i-Tüpfelchen" ist darin ein gemütlich eingerichteter Raum mit Sofas, einer kleinen Theke und Regalen mit Gesellschaftsspielen. Einmal die Woche veranstalten ehrenamtliche Helfer und Helferinnen aus der Gemeinde hier das "Eine Welt Café" für Menschen, die vor Krieg und Unterdrückung nach Deutschland geflohen sind. Hier gibt es Deutschkurse, Filmvorführungen und Softdrinks.

Einige Hundert Meter vom Gemeindehaus entfernt sind 200 männliche Flüchtlinge in einer Schulturnhalle untergebracht. Unter den Männern hat es sich herumgesprochen, dass es das Café gibt. Trotzdem bleiben die meisten von ihnen in der Halle. Heute Abend werden nur 17 in das mit Luftschlangen und Masken geschmückte Café kommen.

Im "i-Tüpfelchen" wollen die Helfer und Helferinnen diese Woche erklären, was Karneval ist und ein bisschen Karneval feiern. "Wir haben Kölsches Gebäck mitgebracht und hoffen, dass wir zusammen einen netten Abend haben", erklärt Barbara Schröder im noch leeren Café. Zusammen mit Michael und Ute Neteler, die sie aus dem Stadtteil und der Gemeinde kennt, hat sie den Abend vorbereitet. Sie alle wollen helfen und geben dafür, wie sie sagen, gerne etwas Freizeit her. "Von Berufung zu sprechen, ist vielleicht etwas zu viel", sagt Michael Neteler und überlegt, wie er seinen Einsatz im Gemeindehaus nennen könnte. "Aber das sind ja ganz arme Leute!" fügt er dann hinzu und für die müsse man etwas tun.

Benimm-Regeln an Karneval

Die drei haben im Internet Informationsmaterial zu Karneval gefunden, das extra für Flüchtlinge in verschiedenen Sprachen verfasst wurde. Die Broschüren erklären den christlichen Ursprung der karnevalistischen Tradition, aber auch, dass Küsse oder kurze Flirts im jecken Treiben nichts zu bedeuten haben. Allerdings sei das "Nein" einer Närrin dagegen absolut Ernst zu nehmen. Barbara Schröder erklärt: "Wir wollen den Menschen die Karnevals-Kultur näher bringen.

In den Flyern stehen aber auch Benimm-Regeln drin. Die besagen dann, was man nicht tun darf und was man nicht falsch verstehen sollte." Scheinbar geht das Papier davon aus, dass deutsche Männer sich auch ohne Broschüre im Karneval zu benehmen wissen und nur Flüchtlinge diese Belehrung nötig haben.

Von draußen kommen jetzt nach und nach Männer aus der Turnhalle in das Café und begrüßen die Helferinnen und Helfer mit Handschlag. Die Frauen setzen sich mit den etwa 18-30-Jährigen zusammen und reden mit den Flüchtlingen über die Broschüre. Man verständigt sich auf Deutsch, Englisch und mit Händen und Füßen. Michael Neteler läuft zwischen den Tischen hin und her und versorgt die Neuankömmlinge mit Gebäck und Getränken. Die Besucher erzählen, lachen und spielen Karten.

Eigene Feier im "Camp"

Keiner von ihnen hat bisher von Karneval gehört. Jonas aus Eritrea meint, es gebe in seiner Heimat den Unabhängigkeitstag, an dem sich die Leute ebenfalls verkleiden. Etwas ungläubig sieht er sich die Bilder vom Dreigestirn an, die er in der Broschüre zu sehen bekommt und liest dann weiter. Am Nebentisch unterhält sich Samir Saad mit einer kleinen Gruppe. Der Kölner, dessen Vater aus Syrien kommt, spricht Arabisch und hilft als Übersetzer im "Eine Welt Café" mit. Er ist die sprachliche Brücke zwischen den Flüchtlingen und den anderen Ehrenamtlern. Er fragt die Gruppe, ob sie denn Karneval feiern wollen in den nächsten Tagen. Direkt fangen alle an zu erzählen. Hassan aus Syrien ist sich sicher: "Nach der Silvesternacht bleib ich lieber drin". Er habe Angst vor der Polizei und Leuten, die ihn vielleicht für einen Vergewaltiger halten.

Sein Tischnachbar sagt, seit Silvester habe ihn die Polizei viel öfter kontrolliert als vorher und darum meide er die Feiern in der Innenstadt. Die Stimmung im Café ist jetzt ernst. Manche der Männer diskutieren über die Silvesternacht in Köln. Andere sitzen ruhig da und lesen die Texte aus dem Internet über die tollen Tage. Saad und die Helferinnen und Helfer im Café versuchen, den Flüchtlingen die Angst zu nehmen. Sie sollten sich ruhig die Züge mal ansehen.  Nicht alle lassen sich überzeugen. Mustafa aus Marokko sagt beim Verlassen des Cafés "Wir machen einfach unsere eigene Feier in unserem Camp mit Musik von Zuhause!" Ein bisschen scheinen er und seine Freunde sich sogar darauf zu freuen.

Sebastian Witte
(dr)

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