Motivwagen beim Düsseldorfer Rosenmontagszug 2015
Motivwagen beim Düsseldorfer Rosenmontagszug 2015
Social Jeck!
Karnevalisten beim Umzug

16.02.2015

Rosenmontagszüge in der Region Narrenfreiheit und Zeichen gegen den Terror

Ein mutiger Clown war das zentrale Motiv des geplanten Kölner Rosenmontagswagens zum Terror von Paris. Dieser Wagen wurde wegen der Angst vieler Jecken gestoppt - aber der Bleistift-Clown war dann doch unterwegs.

Der russische Präsident Wladimir Putin als Ukraine-Bombe trifft auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als Friedens-Taube, Papst Franziskus schlägt "mit Würde" auf den nackten Po eines Vatikan-Vertreters und die islamfeindliche "Pegida"-Bewegung erleidet als Springteufel eine Bauchlandung: Die Narren in Düsseldorf und Köln haben bei ihren Rosenmontagszügen auch in diesem Jahr wieder bissige Kommentare auf weltpolitisch aktuelle Themen abgegeben. Rund zwei Millionen Jecken schauten in den rheinischen Karnevalshochburgen dem Höhepunkt des Straßenkarnevals zu - scheinbar unbeeindruckt von der Absage des Braunschweiger Zuges am Sonntag wegen Terrorgefahr.

In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt zog auch der neu gewählte griechische Regierungschef Alexis Tsipras im närrischen Lindwurm mit. Der seit Jahrzehnten für das Brauchtum in Düsseldorf tätige Wagenbauer Jacques Tilly ließ ihn als kleinen Odysseus auf das einzige Auge einer gigantischen Zyklopenfigur mit dem Konterfei von Bundeskanzlerin Merkel zielen.

Wenige Wagen weiter ließen die Düsseldorfer Narren ein Flüchtlingsschiff in den Fluten des Mittelmeers kentern. Aus dem halb versunkenen Wrack schauten angsterfüllte Papp-Gesichter mit weit aufgerissenen Mündern. "Flüchtlingsgrab Mittelmeer - Das ist der wahre Untergang des Abendlandes", hieß es auf dem Wagen - ein bissiger Kommentar zur "Pegida"-Bewegung.

Islamisten als Ziel der karnevalistischen Satire

Auch der Seitenhieb auf fanatische Islamisten fehlte nicht. Da duellierten sich die Skelette Al Kaida und "Islamischer Staat" im Armdrücken. Drei Turbane tragende Imame trugen als "Nichts hören, nichts sagen, nichts sehen"-Figuren die Beschriftung "Terror hat nichts mit Religion zu tun" auf den Kopfbedeckungen. Ein anfangs noch verhüllter Wagen wurde besonders drastisch: Darauf rannte ein Narr mit einem Exemplar der Pariser Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" in der Hand vor einem schwarz gekleideten Attentäter davon, der ihm mit seinem blutigen Säbel den Kopf abgeschlagen hat. "Satire kann man nicht töten", hieß es dazu.

Ein weiterer Wagen mahnte zum Frieden zwischen den Religionen. Dort lachten Figuren eines Atheisten, eines Juden, eines Muslimen und eines Christen in die Zuschauermenge und verkündeten: "Der Karneval ist für alle da." Der Wagen der Rheinischen Garde Blau-Weiß trug das Motto "Kamelle für den Frieden". "Wir jagen alle Kriege weg - wäre das nicht traumhaft jeck?" fragten die Karnevalisten unter Bezug auf das Motto der zu Ende gehenden Session. Aus einem bunt angemalten Panzer schoss ein kostümierter Narr Süßigkeiten auf Soldatenskelette, die auf ihren Helmen Namen wie Syrien, Irak und Ukraine tragen.

Ganz am Ende des Düsseldorfer Zugs tauchte dann die "Pegida"-Bewegung als Springteufel auf, der aus einer schwarz-rot-gold angemalten Schachtel eine Bauchlandung hinlegt. Angesichts rückläufiger Teilnehmerzahlen bei den islamkritischen Demonstrationen hieß es dazu schlicht: "Aus die Maus."

Auch Köln mit Motivwagen zum Anschlag auf "Charlie Hebdo"

In Köln jubelten beim größten Rosenmontagszug in Deutschland rund 1,2 Millionen zumeist kostümierte Narren über einen Mottowagen, der den mörderischen Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" in Paris von Anfang Januar thematisierte. Das Festkomitee Kölner Karneval hatte Ende Januar viel Kritik für die Entscheidung geerntet, den Bau eines Wagens zu dem Thema zu stoppen. Auf dem neuen Wagen, der spontan an der Spitze des Zugs mitfuhr, wächst aus einem abgeholzten Buntstift-Wald ein einziger bunter Stift namens "Narrenfreiheit" heraus, der von einem Clown liebevoll gegossen wird. Davor liegt der schwarz vermummte Kopf eines Attentäters.

An der Stelle des Zuges, wo der ursprüngliche "Charlie Hebdo"-Wagen fahren sollte, fuhr in der Domstadt ein grauer Wagen ohne Aufbauten und närrische Bemalung mit, der den Schriftzug trug: "Dat is wat bliev! Dat freudeversprühende Grau!" Andere Wagen in Köln zeigten den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der als Roboter-Panzer die Ukraine überrollt, und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die auf einer nur von Heftpflastern zusammengehaltenen Bundeswehr-Maschine sitzt.

(epd)

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