10.02.2013

Deutsches Fastnachtsmuseum in Kitzingen Karneval gehört zum Kirchenjahr

Als der "Bund Deutscher Karneval" 1963 im unterfränkischen Kitzingen tagte, hatte irgendjemand die Idee, ein Karnevalsmuseum zu gründen. Die Vertreter aus Köln und Düsseldorf winkten entsetzt ab. Die Rheinländer ärgern sich bis heute.

"Die glaubten, dass man in so einem Museum nichts Gescheites zeigen könnte", sagt der Fastnachtsexperte Manfred Ruppert. Die Franken-Narren hingegen waren begeistert, und die Stadt Kitzingen stellte sogleich ihren historischen Falterturm als Ausstellungsfläche zur Verfügung - deshalb ist das Deutsche Fastnachtsmuseum bis heute in Kitzingen zu Hause.

Vier Jahre später, 1967, wurde das Fastnachtsmuseum eröffnet, am Konzept hat sich seither fast nichts geändert, sagt Museumsmitarbeiter Ruppert. Die Ausstellung behandelt närrisches Treiben von der Antike bis heute, beinahe alle Regionen der Erde sind vertreten. Vom Karneval in Rio bis zum Karneval in Venedig haben alle Faschings-Facetten Platz in Kitzingen, "der Schwerpunkt liegt aber schon auf Deutschland", betont der Experte. Die Zahl der Exponate nimmt Jahr für Jahr zu, derzeit wird das ganze Museum umgebaut. Am 11.11.2013 soll Neueröffnung sein.

Verborgener Tiefgang

Die meisten Besucher seien erstaunt über die Vielfalt der Fastnacht, sagt Manfred Ruppert. Schließlich unterscheidet sich die Ausgestaltung der fünften Jahreszeit alleine in den vier deutschen Narrenhochburgen schon gewaltig. Die alemannische Fasnet, die fränkische Fastnacht, der rheinische Karneval und der süddeutsche Fasching haben im Prinzip vor allem das gemein: Sie finden zur gleichen Zeit statt, man verkleidet sich mehr oder weniger stark und man schlägt in dieser Zeit bewusst über die Stränge und bricht mit den sonst geltenden gesellschaftlichen Regeln.

Dieses Prinzip ziehe sich durch die ganze Menschheitsgeschichte. Seit es närrisches Treiben gibt, "ist es mehr als rote Pappnasen, Luftschlangen und Konfetti", sagt Manfred Ruppert. Der Tiefgang der Narretei bleibe heute in der Tat vielen verborgen, gibt der Fastnachtsexperte zu. Doch jede Prunksitzung, jeder Faschingsumzug und jeder Motivwagen wurzelt in einer tief verankerten Tradition. Gesellschaftliche Hierarchien spielten in den närrischen Wochen keine Rolle, man wolle der Obrigkeit bewusst auf der Nase herumtanzen. Und die nahm das meist auch irgendwie hin.

"Das Faschingstreiben zu verbieten, das hat sowieso keinen Sinn", sagt Manfred Ruppert. In den vergangenen Jahrhunderten hätten das einige Herrscher zwar versucht, sie seien aber fast immer gescheitert. "Für die Menschen ist die fünfte Jahreszeit ein Ventil", erläutert der Experte. Vor allem in den katholischen Gegenden Deutschlands sei närrisches Treiben stark verbreitet. Schließlich könne man sich am Aschermittwoch mit dem Aschekreuz wieder von den Sünden der vergangenen Tage "befreien" lassen: "Die Fastnacht ist ein integraler Bestandteil des Kirchenjahres."

Die Nazis und der Karneval

Und überdies sind die Fastnachter eine kleine Macht in der Republik: Der Bund Deutscher Karneval ist mit mehr als 5.000 Gesellschaften und drei Millionen Mitgliedern nach dem Deutschen Fußball-Bund der zweitgrößte Verein Deutschlands. Auch das dokumentiert das Museum, schließlich ist dort auch das Archiv des Karnevalsbundes untergebracht. In Kitzingen lagern rund 30.000 Sessionsplaketten und Faschingsorden, außerdem noch Faschingszeitungen, Plakate und alle möglichen Druckerzeugnisse. Jedes Jahr kommen hunderte neue Stücke aus ganz Deutschland hinzu.

 Auch Politisches wird in Kitzingen thematisiert. So versuchten die Nazis den Karneval für sich zu instrumentalisieren und als rein germanisches Brauchtum umzudeuten. Viele Fastnachter folgten dieser Propaganda, etliche aber auch nicht - und fraternisierten sich lieber mit den Narren in anderen Ländern. "Getreu dem Motto: Lieber gemeinsam feiern, anstatt sich zu bekriegen", sagt Manfred Ruppert.

Daniel Staffen-Quandt
(epd)

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