Michael H.G. Hoffmann, Präsident des Zentral-Dombau-Vereins zu Köln (ZDV)
Michael H.G. Hoffmann, Präsident des Zentral-Dombau-Vereins zu Köln (ZDV)

09.06.2017

175 Jahre Zentral-Dombau-Verein Köln - Festakt mit Steinmeier "Bundespräsident ist der gewählte Nachfolger des Preußen-Königs"

Ohne ihn wäre der Kölner Dom bis heute nur ein Torso. Und auch nach 175 Jahren gibt es viel zu tun für den "Zentral-Dombau-Verein zu Köln", wie dessen Präsident Michael H. G. Hoffmann im Interview erläutert.

KNA: Herr Hoffmann, Sie sind seit 2004 Präsident des Zentral-Dombau-Vereins. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Michael H. G. Hoffmann (Präsident "Zentral-Dombau-Verein zu Köln" (ZDV)): Es ist das schönste Ehrenamt von Köln. Es gibt nichts Schöneres, als sich für dieses großartige Projekt Kölner Dom einzusetzen, das im 12. Jahrhundert in den Köpfen gewachsen ist. Nach einem zügigen Baubeginn wurde der Bau im Jahr 1530 eingestellt. Der unfertige Dom war dann mit seinem quietschenden Kran über 300 Jahre das Wahrzeichen von Köln. Nach 300 Jahren Stillstand wurde 1842 endlich weitergebaut. Bis zur Vollendung des Doms 1880 hat der Dombau-Verein zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern 62,8 Prozent der Baukosten aufgebracht - umgerechnet etwa eine Milliarde Euro.

Darauf sind wir unheimlich stolz. Bis heute ist der Dom Wahrzeichen von Köln für alle Konfessionen. Wir sehen ihn auch ein bisschen als Bürgerdom, als unseren Dom.

KNA: Vor allem ist er eine der am meisten besuchten Sehenswürdigkeiten Deutschlands...

Hoffmann: Zu Recht. Der Kölner Dom verfügt allein über 11.000 Fialen und mehr als 1.000 große Figuren innen und außen. Viele stehen in schwindelnder Höhe, denn als gotisches Bauwerk wurde er nicht für den Menschen, sondern für Gott errichtet. Diese filigranen Objekte sind zu jeder Zeit der Witterung ausgesetzt. Für seinen Erhalt engagieren sich heute im Dombau-Verein mehr als 16.000 Menschen. Unter anderem finanzieren sie 60 Prozent des Jahresetats der Dombauwerkstatt mit ihren über 100 Mitarbeitern.

KNA: Vor 175 Jahren begann der Verein mit gut 4.000 Mitgliedern, 2004 waren es 9.500. Wie hat er sich seitdem entwickelt?

Hoffmann: Es gibt inzwischen ein Logo: die roten Domtürme mit dem Gerüst. Wir, der Zentral-Dombau-Verein, sind das Gerüst. Ohne uns gäbe es die Türme nicht, und ohne uns sind sie in Gefahr. Tatsächlich werden wir den Dom nicht ohne Gerüst erleben. Früher hieß es: Der Kölner Dom ohne Kran - dann geht die Welt unter. Heute kann man das Ganze auf das Gerüst übertragen. Passend dazu lautet unser Slogan: "Damit der Dom uns bleibt." Wir verwalten unseren Verein mit knapp zwei Vollzeitkräften. Alle anderen sind Ehrenamtliche, auch der Präsident. Wir sind ein kleiner Verein mit riesengroßer Wirkung, denn jedes Jahr bringen wir etwa vier Millionen Euro für den Erhalt des Doms auf.

KNA: Zum Jubiläumsfestakt am 24. Juni kommt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Was bedeutet seine Zusage für Sie?

Hoffmann: Ich bin im vergangenen Jahr nach Berlin gefahren, um den Bundespräsidenten einzuladen. Damals hieß er noch Gauck. Da hat man gesagt, mal gucken, ob es klappt. Als im Frühjahr sein Nachfolger gewählt worden war, fragte das Bundespräsidialamt bei mir nochmals nach dem Termin. Ich sagte, das bleibt dabei, und wir freuen uns riesig. Jetzt kommt der Bundespräsident tatsächlich, und das ist für uns natürlich ein wahnsinniges Symbol.

KNA: Ein Symbol wofür?

Hoffmann: Der Bundespräsident ist für uns der gewählte Nachfolger von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, der damals die Statuten des Zentral-Dombau-Vereins unterschrieben hat. Ohne ihn wäre es nicht zum Weiterbau des Kölner Doms gekommen. Er ist die Staatsmacht. Wir leben heute zwar in einer Demokratie und nicht mehr in der Monarchie, aber für mich ist der Bundespräsident Nachfolger des damaligen Königs von Preußen, ohne den unser Verein nicht gegründet worden wäre.

KNA: Wie wird der Besuch ablaufen?

Hoffmann: Zunächst wird der Bundespräsident im Rathaus empfangen, dann kommt er in den Dom, um sich in das Goldene Buch des Zentral-Dombau-Vereins einzutragen. In der Kathedrale wird er von Dompropst Gerd Bachner als dem Hausherrn empfangen und von Dombaumeister Peter Füssenich geführt. Dann gehen wir zusammen in die Philharmonie, wo Steinmeier ein Grußwort sprechen wird. Zwei Stündchen wird der Bundespräsident bei uns sein. Ich bin sehr stolz darauf, dass diese 175 Jahre alte Bürgerinitiative so anerkannt wird.

Denn es gibt keine Bürgerinitiative auf der ganzen Welt, die langlebiger ist. Und der Erhalt des Kölner Doms wird als Aufgabe ewig bleiben.

KNA: Wie ist die Unterstützung seitens der Stadt Köln oder dem Land Nordrhein-Westfalen für Ihren Verein?

Hoffmann: Damit haben wir nicht direkt zu tun, sondern eher das Erzbistum Köln und das Domkapitel. Aber gemäß den Statuten von König Friedrich Wilhelm IV. gehört der jeweilige Kölner Oberbürgermeister - heute die Oberbürgermeisterin - zu den vier gesetzten Vorstandsmitgliedern des Zentral-Dombau-Vereins. Darüber hinaus sind das der Erzbischof, der Dompropst und der Dombaumeister. Und die 40 gewählten Vorstandsmitglieder bilden eine bunte Mischung aus allen Schichten der Bevölkerung ab.

KNA: Der Dombau-Verein war zusammen mit dem Kölner Männergesangverein, der ebenfalls 175 wird, mit einem Wagen beim diesjährigen Rosenmontagszug vertreten. Mehr geht doch eigentlich nicht, oder?

Hoffmann: Ja, das war ein absolutes Highlight im Jubiläumsjahr. Der Kölner Männergesangverein tritt übrigens seit seiner Gründung immer wieder zugunsten des Doms auf, auch in diesem Jahr. Aber es gibt noch weitere Programmpunkte. Am 5. November feiern wir ein Pontifikalamt im Dom, bei dem der KMGV die Messe von Franz von Suppe aufführt. Das betrachte ich als Höhepunkt und Abschluss des gemeinsamen Festjahres.

KNA: Was erhoffen sie sich für das Jubiläum?

Hoffmann: 17.500 Mitglieder - 100 für jedes Jahr unseres Bestehens. Dazu machen wir eine Menge Öffentlichkeitsarbeit. Denn der Dom braucht viele Freunde. Dafür engagiere ich mich.

KNA: Dann werden Sie auch dem Bundespräsidenten einen Mitgliedsantrag mitbringen?

Hoffmann: Ja, da kenne ich nix.

Das Interview führte Sabine Kleyboldt.

(KNA)

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