Das Kölner Domumfeld
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Domumfeld ändert sich
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Kölns neuer Dombaumeister Füssenich
Kölns neuer Dombaumeister Füssenich

29.06.2016

Dombaumeister Füssenich über die Domumgebung Viel Licht, viel Schatten

Der Kölner Dom und sein Umfeld: Seit vielen Jahren Diskussionsstoff. Dombaumeister Peter Füssenich spricht im Interview über Silvesterraketen, Baustellen, Wildpinkler, Bimmelbahnen, neue Zäune - und große Fortschritte in den letzten Jahren.

domradio.de: Wie zufrieden sind Sie im Moment mit der Ostseite des Domes, so ganz fertig ist sie ja noch nicht?

Peter Füssenich (Kölner Dombaumeister): Wir rechnen damit, dass die Bautätigkeit dort noch in diesem Jahr vollendet wird. Dann kann man alle Bereiche begehen und sich das Ergebnis von allen Seiten anschauen. Mit dem ersten Bauabschnitt bin ich sehr zufrieden. Drei weitere werden folgen. Im Vergleich zu früher sehe ich einen sehr deutlichen Unterschied. Es war ein doch sehr vernachlässigter Stadtraum, durch den man sich kaum noch getraut hat. Nun ist es ein sehr offener und heller Stadtraum. Das ist der Beginn der Tätigkeit für eine würdige Domumgebung.

domradio.de: An der Neugestaltung  sind Sie als Dombauhütte direkt beteiligt – in Schaufenstern zeigen Sie Ausstellungsstücke – ist das auch so eine Art Werbung für die Arbeit der Dombauhütte?

Füssenich: Das ist beabsichtigt. An der Ostseite ist dieser neue Domsockel entstanden mit dem Baptisterium aus dem 6. Jahrhundert im Zentrum. Rechts und links davon sind nun zwei Schaudepots entstanden, dort stellen wir Arbeiten der Dombauhütte und archäologische Funde aus, z.B. die Brüstung der alten Domumgebung aus dem 19. Jahrhundert.

domradio.de: Es hat Jahre gedauert, bis die Ostseite verändert wurde, der Bereich des Baptisteriums verkam zu einer Schmuddelecke. Warum wurde dieser traditionsreiche christliche Ort so lange städtebaulich so schlecht behandelt?

Füssenich: Bis zum heutigen Stand hat es 14 Jahre der Planung und Umsetzung gebraucht. Manchmal dauern solche aufwändigen Projekte eben so lange. Als man die Domplatte Ende der 60er Jahre baute, dachte man ja auch, das sei ein würdiger Stadtraum für den Dom. Heute denkt man da ganz anders.

domradio.de: Touristen, die Teile der Fassade abbrechen –  wieviel Arbeit bedeutet das für die Dombauhütte?

Füssenich: Eine ganze Menge Arbeit. Wenn z.B. eine kleine Fiale oder ein Figürchen an einem der Baldachine als Souvenir abgebrochen werden, dann dauert es mitunter ein Jahr, bis der Steinmetz den Schaden am Baldachin behoben hat.

domradio.de: In der Silvesternacht wurden  Raketen direkt auf den Dom abgefeuert, sogar gegen die Fenster – als Dombaumeister ist das doch sicher ein schrecklicher Anblick?

Füssenich: Das ist keine neue Erscheinung. Das passiert leider schon seit einigen Jahren. Die Mitarbeiter der Dombauhütte halten in der Silvesternacht auf dem Dom Wache, um Schlimmeres zu verhindern. Es war auch schon so, dass eine Rakete ein Fenster durchschossen hat. Es gibt ja eine eindeutige gesetzliche Lage: Im Umfeld von Kirchen dürfen keine Raketen abgefeuert werden. Man müsste es nur durchsetzen. Es ist aber gerade in der Silvesternacht nicht so einfach, eine Trennlinie zu ziehen.

domradio.de: Für wie würdig oder unwürdig halten Sie im Moment den Bereich um den Kölner Dom insgesamt?

Füssenich: Es ist ja schon einiges Positives passiert: Die große Freitreppe am Bahnhof, der Abbruch der Betonpilze, die Papstterrasse und der Petrusbrunnen. Es gibt aber noch vieles, das dringend nach einer Verbesserung schreit, vor allem auf der Westseite des Domes. Da gibt es eine Vielzahl von Dingen, die aufgeräumt werden müssten: Papierkörbe und Verkehrsschilder zum Beispiel. Die Bimmelbahn ist auch eher störend. Überhaupt kann die aktuelle Verkehrssituation weiter hinterfragt werden. Die ist ja ein Ergebnis der Verkehrsplanung der Nachkriegszeit und der 60er und 70er Jahre. Da war es selbstverständlich, dass alles motorisiert ist und dass man überall mit dem Auto nah ran kommt. Andere Städte gehen da mittlerweile rigoroser mit dem Verkehr um und erreichen gute Ergebnisse. Barcelona ist es zum Beispiel gelungen, den Verkehr aus der direkten Innenstadt hinauszubekommen. Es ist aber nicht nur der Verkehr, der auf den Dom einwirkt - sondern auch die vielen Fußgänger. Denen sollte prinzipiell der Vorzug gegeben werden.

domradio.de: Dompropst Bachner hat einen Bauzaun auf der Nordseite, der Seite also zum Hauptbahnhof, aufstellen lassen. Er wird abends aufgebaut, um zu vermeiden, dass die Pforte beschädigt und verunreinigt wird. Können Sie mit dem Zaun leben?

Füssenich: Der Bauzaun schützt ja auch die derzeitige Baustelle am Michaelportal auf der Nordseite des Domes. Deshalb halte ich das derzeit auch nicht für problematisch. Wir müssen uns da natürlich dauerhaft eine bessere Lösung überlegen.

domradio.de: Aber es gab auch Probleme durch Wildpinkler und der Dom wurde beschmiert, richtig?

Füssenich: Der Bauzaun ist entstanden, als die Baustelle zur Ostseite aufgebaut wurde und dort kein Personendurchfluss mehr stattfand und diese unschönen Dinge passiert sind. Da sind wir in verschiedenen Überlegungen, ob man dauerhaft ein künstlerisch gestaltetes Gitter aufstellt, um die Portale zu schützen. Da sind wir derzeit in Gesprächen.

domradio.de: An der Südseite am Roncalliplatz gibt es ja schon so einen Zaun. Das ist gut angenommen worden. Glauben Sie, dass diese Idee auch gut angenommen würde?

Füssenich: Hier war das ähnlich damals. Viele Leute hatten die Domportale auf der Südseite beschmiert und besprüht. Der Zaun war für Dombaumeister Wolf damals die Möglichkeit den Dom zu schützen. Und das Ergebnis spricht für sich. Es ist dort seitdem nichts mehr passiert. Das Gitter sieht wunderbar aus. Es ist ganz hervorragend gestaltet.

domradio.de: Vor der Errichtung der Domplatte Ende der 1960er Jahre führten Stufen hoch zum Dom, er stand sichtbar auf dem Domhügel. Übertragen gesprochen hat man dem Dom ab 1970 die Füße genommen. Natürlich wäre eine Absenkung der Domplatte aufwändig und teuer – aber halten Sie das für eine wünschenswerte Möglichkeit?

Füssenich: Wir hören immer wieder den Wunsch: Gebt dem Dom seine Füße zurück. Das können wir aber nicht alleine entscheiden. Das ist natürlich so, dass wir uns da auch mit der Stadt Köln zusammensetzen müssen, ob da überhaupt Dinge denkbar sind.

domradio.de: Würde das denn überhaupt gehen?

Füssenich: Aus technischer Sicht, behaupte ich, ist das kein Problem, dem Dom zwei, drei Stufen wiederzugeben. Denn vor dem Dom gibt es ein Gefälle. Wir müssen nur aufpassen, dass der Dom barrierefrei bleibt. Das heißt, dass er für jeden zugänglich ist.

domradio.de: Auf der anderen Seite wurde die heutige Domplatte als Form der Demokratisierung gesehen, der Dom wurde sozusagen auf Augenhöhe mit den Menschen gebracht – wie sehen Sie das?

Füssenich: Es geht auch um eine Haltung, in der man den Dom betritt. Wir stellen sehr oft fest, dass Menschen mit der gleichen Haltung aus der Einkaufsstraße mit Kaffeebecher in der Hand den Dom betreten. Aus meiner Sicht fehlt so etwas wie eine Schwelle beim Übertreten vom Profanen ins Heilige. Ich finde, es muss zu spüren sein, dass jetzt ein anderer Bereich betreten wird.

domradio.de: Was ist im Moment das drängendste Problem aus Ihrer Sicht als Dombaumeister für die Domumgebung? Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Füssenich: Es gibt immer noch eine Fülle von Missständen rings um den Dom. Wir müssen einen Gesamtplan entwickeln, wie wir den Dom und seine Umgebung gestalten wollen. Der Dompropst sagt immer: "der Dom ist ein Juwel, der eine gewisse Fassung braucht."

domradio.de: Wie sieht es an der Nordseite aus?

Füssenich: Im Bereich der Komödienstraße gibt es deutlichen Verbesserungsbedarf. Die Westseite muss noch mal besonders betrachtet werden. Wir haben im Norden des Domes die Komödienstraße mit vielen Busparkplätzen, sie ist stark befahren, dort reihen sich Parkplätze. Die Geschäfte sind unter der Würde der Domumgebung. Wir müssen uns fragen: Wollen wir das halten, oder können wir uns da nicht auch etwas anderes vorstellen?

domradio.de: Was ist denn derzeit in der Pipeline? 

Füssenich: Es wäre natürlich wünschenswert, alles könnte gleichzeitig geschehen. Aber da sind wir auch realistisch, man muss mit dem Wichtigsten beginnen. Und das Wichtigste ist für den Moment die historische Mitte in Köln. Die Dombauverwaltung soll abgerissen werden - zusammen mit dem Verwaltungsgebäude des Römisch-Germanischen Museums. Da müssen wir uns erst mal drauf konzentrieren. Hier läuft gerade ein Architektenwettbewerb.

Das Interview führte Mathias Peter.

(dr)

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