Diebstahl: Das beschädigte Reliquiar von Johannes Paul II. im Kölner Dom
Diebstahl: Das beschädigte Reliquiar von Johannes Paul II. im Kölner Dom
Reliquie von Papst Johannes Paul II.
Reliquie von Papst Johannes Paul II.

07.06.2016

Köln sucht nach der Papst-Reliquie Religiöse Überhitzung?

Ein Tropfen Blut hält Köln in Atem. Aus dem Dom ist eine Reliquie verschwunden - mit dem Blut von Papst Johannes Paul II. Über eine religiöse Überhitzung des Diebes mutmaßt der emeritierte Erzbischof Meisner.

Das Blut von Johannes Paul II. steht nicht zum ersten Mal im Zentrum eines Kriminalfalls. 2014 suchten Ermittler in Italien fieberhaft nach einem Reliquiar, in dem Blut des Papstes aufbewahrt wurde. Diebe hatten sie in einer Kapelle gestohlen. Die Polizei fand die Reliquie schließlich in einer Garage.

Großer immaterieller Schaden

Ein derart glimpflicher Ausgang wäre dem Kölner Dompropst Gerd Bachner auch diesmal sehr recht. Seit dem Wochenende vermisst er einen Blutstropfen des 2005 gestorbenen - und inzwischen heiliggesprochenen - Papstes. Aus einer kleinen Statue im Dom haben Diebe eine Glaskapsel herausgebrochen. Darin: Ein noch kleineres Stoffstück mit dem Blut. Wer stiehlt so etwas? Bachner ist ratlos. "Das war für uns eigentlich keine Denkmöglichkeit", sagt der Dompropst. Der materielle Wert sei wirklich nicht so groß. An der Mini-Kapsel sei etwas Verzierung aus Gold, nun gut. Aber kein Vergleich zum ideellen Wert.

Die Motive hinter der Tat sind bislang schwer einzuschätzen. "Es gibt Berichte, dass solche Gegenstände unbekannter Herkunft manchmal auf Internetplattformen angeboten werden", sagt Christoph Heckeley vom Erzbistum Köln. "Von einem ausgesprochenen Schwarzmarkt haben wir keine Kenntnis. Dafür ist wahrscheinlich der materielle Wert dieser Gegenstände einfach zu gering."

Immer wieder Berichte über Kirchendiebstähle

Tatsächlich gibt es aber immer wieder Berichte über Einbrüche und Diebstähle in Kirchen. Dabei geht es allerdings oft auch um profaneren Kirchenschmuck. Dass Reliquien gestohlen werden, ist selten. Mit aktuellen Zahlen hält sich das Landeskriminalamt aber mit Verweis auf eine gerade laufende Kleine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Christian Möbius vorerst zurück.

Machmal ist die Suche immerhin erfolgreich. Anfang des Jahres verschwand aus einer Wallfahrtskirche in Neviges bei Wuppertal ein jahrhundertealtes Marienbild. Nach einem Appell der Franziskanermönche an den Dieb lag der Kupferstich wenig später wieder vor der Klosterpforte - eingewickelt in Butterbrotpapier. Auch in Köln kehrte Gestohlenes schon zurück in den Schoß der Kirche. Auf Vermittlung des sogenannten "Königs der Kölner Unterwelt" Heinrich Schäfer tauchte einst ein gestohlenes Kreuz wieder auf. Die Belohnung lehnte der Ganove damals allerdings ab ("Vom Dom nimmt man doch nicht, dem Dom gibt man höchstens.").

Kardinal Meisner spricht von "religiöser Überhitzung"

Auf der Suche nach einer Erklärung für den Frevel hat sich nun auch der emeritierte Erzbischof Joachim Kardinal Meisner eingeschaltet - über ihn war das Blut einst nach Köln gelangt. Auch Meisner glaubt nicht an materielle Beweggründe. "Ich kann mir nur vorstellen, dass irgendein irregeleitetes religiöses Gemüt dahintersteckt, das vielleicht einen Dieb beauftragt hat und den Papst einfach privat bei sich haben will", sagte er der "Welt". Vielleicht habe man es mit "irgendeiner religiösen Überhitzung" zu tun.

Das wäre ein Motiv für den Diebstahl. Im 21. Jahrhundert allerdings auch kein wirklich alltägliches.

 

Jonas-Erik Schmidt
(dpa)

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