Ganz oben: Dompropst Bachner
Ganz oben: Dompropst Bachner
Kölns neuer Dombaumeister Füssenich
Kölns neuer Dombaumeister Füssenich
Dompropst Bachner beim Aufstieg
Dompropst Bachner beim Aufstieg
Dompropst Prälat Gerd Bachner und sein Dom
Dompropst Prälat Gerd Bachner und sein Dom

03.09.2015

Kölner Dompropst über seine erste "Dom-Besteigung" "Am Anfang stand ein Stoßgebet"

Er ist der erste Dompropst, der es wirklich bis ganz, ganz oben auf seinen Dom geschafft hat: Dompropst Bachner erklomm die Kreuzblume des Nordturmes in 157 Meter Höhe. Hier sein Erfahrungsbericht.

domradio.de: Herr Dompropst, wie war der Aufstieg?

Dompropst Bachner: Bislang war ich bis 100 Meter Höhe, dort, wo das Gerüst ist. Und damals habe ich die Leiter gesehen, die dann hoch geht, und mir schon gedacht: Ob Du da eines Tages noch einmal hochsteigst? Wenn ich jetzt die Tour als Ganzes sehe und mir die Bilder betrachte, dann denke ich: Dieser Außenanstieg da oben in der Leiter, wo andere schon Gänsehaut bekommen, wenn sie das sehen, das war der harmlosere Teil!

Auf 130 Metern geht es in die Kreuzblume hinein, man steigt innen drin mit Leitern hinauf, alles natürlich gesichert. Von da aus dann weiter hoch und dann kommt der kritische Punkt, an dem man aus der Kreuzblume noch einmal innen unten aussteigt, gewissermaßen  überhängend, und dann über die Außentreppe auf das letzte Stück bis zur Spitze hochsteigt. Dieses kritischste Stück war für mich auch der springende Punk: überhängend rauszugehen und dann von außen das letzte Stück zur Spitze zu ersteigen.

domradio.de: Das Klettern als Bergsteiger haben Sie in Ihrer Jugend gemacht, jetzt lange nicht mehr - hatten Sie Angst? 

Dompropst Bachner: Ich hatte zu keinem Punkt Angst. Erstens: am Anfang stand ein Stoßgebet. Das gehört sich, so wie wenn man bei einer Autofahrt ein Kreuzzeichen macht und nicht nur den heiligen Christopherus im Auto hat – das Gebet am Anfang. Das Zweite: Der Liebe Gott stellt uns ja immer Engel zur Seite, und so ein Engel war natürlich der leitende Gerüstbauer. Unter dessen Führung habe ich mich jederzeit behütet gefühlt. Also das war gesichert. 

Andererseits: Vieles erinnerte mich an meine Bergsteiger-Zeit. Man muss ruhig sein. Man muss Schritt für Schritt gehen, sehr konzentriert, einen Schritt nach dem anderen setzen, gesichert sein, und von der Atemtechnik ganz ruhig die einzelnen Schritte wahrnehmen. Das hat mit im Grunde etwas geholfen, da hoch zu gehen, obwohl es doch etwas fundamental anderes ist als einen Gipfel zu ersteigen

domradio.de: Sie haben sich am Blitzabteiter festgehalten da oben und mit der anderen Hand auch noch fotografiert ...

Dompropst Bachner: Ich war erst bis zur oberen Stufe der Kreuzblume hochgeklettert, und ganz oben stand der Gerüstebauer, der uns gesichert hatte. Und danach ging Herr Füssenich auf diese oberste Stufe, wo nur noch der Blitzableiter und die Stange sind. Ich dachte: Gerd, das brauchst Du nicht zu haben, das muss nicht sein – ich hatte sowieso Respekt vor dem ganzen Unternehmen gehabt. Aber dann fragte ich mich, wann so eine Gelegenheit nochmal wiederkäme. Und bin dann auch noch auf den letzten Punkt hoch, wo man nichts mehr über sich hat, außer einem Meter Stange und den Blitzableiter und wirklich ganz oben steht. Diese anderthalb Meter sind nochmal ein qualitativer Sprung.

Aber auch wenn man da oben auf der Spitze steht und wirklich die Stadt und bei schönem Wetter das Siegengebirge vor sich hat: Ich war so erfüllt von dem Gedanken dieses Domturmes und des Domes, dass ich die Schönheit der Landschaft angesichts der Dankbarkeit an diesem Punkt sein zu dürfen, nicht wirklich wahrgenommen habe.

domradio.de: Sie haben gleich zwei Rekorde aufgestellt: Sie sind der erste Dompropst, der da oben auf dem letzten Meter gestanden hat, und Sie sind mit 70 Jahren auch der älteste Mensch der da oben gewesen ist. Was bedeutet Ihnen das?

Dompropst Bachner: Ich bin dankbar, dass ich mitgenommen wurde vom stellvertretenden Dombaumeister. Ich bin dankbar, dass ich das konditionsmäßig und von der Schwindelfreiheit her noch gepackt habe. Das war für mich nicht selbstverständlich, und es hat für mich zwei Bedeutungen, die mir im Nachhinein refelektiv deutlich wurden:

Ich habe eine hohe Wertschätzung für alle Menschen, die tagtäglich unterm, auf und im Dom arbeiten. Ich habe immer wieder erfahren und mitbekommen, dass die sagen: "Es ist für uns jeden Tag neu ein Geschenk, dass wir an diesem Dom arbeiten dürfen.“ Und das war keine Floskel, sondern ernst gemeint. Und diesen Menschen, deren Dienstvorgesetzter ich bin, auch eine Wertschätzung zu bekunden, dass ich mit und an ihrer Arbeit dran bin, dieses Zeichen wollte ich setzen.

Und ein zweites Zeichen: Ich sage immer, der Dom steht ja nicht nur als gotische Kathedrale, sondern der Dom möchte uns, die Menschen einladen, mit dem lebendigen Gott in Berührung zu kommen: Und die Domtürme verweisen uns auf unseren irdischen Weg: Bei allem was ihr tut, vergesst den lebendigen Gott nicht. Den der euch geschaffen, der hat euch begleitet, und auf den hin lebt ihr. Es heißt bei Jesaja 2;3: "Kommt, lasst uns ziehen hinauf zum Berge des Herrn." Und so ist dieser Weg hinauf auf den Domturm für mich auch ein Stückchen Symbol des Weges des Menschen, diesem Gott immer näher zu kommen. Ihn tiefer zu erspüren, zu verstehen, bis wir eines Tages, so Gott will, ihn von Angesicht zu Angesicht anschauen dürfen. Dem Ersteigen des Turmes als Pilgerweg des Menschen, der uns von Gott aufgetragen ist, wohnt also eine Symbolik inne.

Das Interview führte Ingo Brüggenjürgen.

(dr)

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