Jugendliche in Deutschland
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23.08.2020

Junge Katholiken wünschen sich Veränderungen in der Kirche "Eine große Ausdauer"

Mehr Geschlechtergerechtigkeit und Mitbestimmung für junge Leute: Die Katholische junge Gemeinde hat klare Vorstellungen einer Kirche der Zukunft. Dabei ist es ihnen wichtig, "ein Teil der Kirche" zu sein und auch zu bleiben.

DOMRADIO.DE: Warum lohnt es sich, sich als junger Mensch in der Katholischen junge Gemeinde (KjG) und für die Kirche zu engagieren?

Noah Herschbach (Ehrenamtlicher Diözesanleiter KjG Erzbistum Köln): Es lohnt sich besonders in der KjG sich zu engagieren, weil man bei uns Gemeinschaft erfahren kann. Man kann seine eigenen Freiräume so gestalten, wie man das will. Unsere wichtigsten Grundsätze sind, dass wir selbstverantwortlich und selbstbestimmt auf allen Ebenen unsere Themen, unsere Freizeit, aber auch unsere Erfahrungen mit Spiritualität und Glauben selber gestalten. Das sind Freiheit und Freiräume, die es nur noch an ganz wenigen Stellen gibt. Die gibt es bei uns, die gibt es auch in anderen Jugendverbänden. Das ist uns total wichtig, allen zu sagen: Ihr seid bei uns willkommen. Hier ist der Ort. Hier habt ihr einen Platz. So wie ihr seid und mit dem, was ihr mitbringt.

DOMRADIO.DE: Wie sieht diese Freiheit aus? Wie nutzen Sie die?

Herschbach: Es geht einmal darum, zum Beispiel sich selber zu überlegen: Wie gestalten wir den Gottesdienst? Da haben wir verschiedene Kurse und Angebote, wo wir auch mit jungen Menschen lernen, wie man so etwas angehen kann. Besonders wichtig ist aber auch, dass sie sich Ihre Themen und auch ihre Freiheiten nehmen, die Gruppenstunden vor Ort so zu gestalten, wie es für sie passt.

DOMRADIO.DE: Welches sind denn im Moment die Themen, die Sie als junge Katholiken, als KjG, gerade besonders beschäftigen?

Herschbach: Ein Thema, was jetzt auch auf unserer Diözesankonferenz vergangene Woche ein wichtiges Thema war, ist die Umsetzung von Geschlechtervielfalt in unseren Strukturen. Dieses Thema Geschlechtergerechtigkeit begleitet die KjG seit ihrer Gründung, wir sind ein Zusammenschluss eines Männer- und eines Frauenverbandes. Von Anfang an war das einer der wichtigsten Grundsätze unseres Verbandes. Wir haben uns der Realität da noch einmal angepasst, auch in unseren Strukturen und Satzungen. Unsere Ämter, die wir besetzen können, die sowieso schon immer paritätisch zwischen den Geschlechtern Mann und Frau besetzt waren, haben wir auch nochmal strukturell erweitert, um Geschlechtervielfalt auch in den Strukturen zu implementieren.

DOMRADIO.DE: Hört man denn auf Sie? Die Bischöfe zum Beispiel. Haben Sie da eine Verbindung?

Herschbach: Ich glaube, wir sind da an verschiedenen Stellen im Gespräch. Wir werden wahrgenommen. Wir werden mit unseren Haltungen gehört. Ich glaube, wir sind da oft grundlegend anderer Meinung bei Themen. Aber das entmutigt uns nicht. Wir haben Überzeugungen, da stehen wir hinter. Da werden wir auch dran bleiben, weil wir davon überzeugt sind, dass es wichtig ist, dass alle ihre Berechtigung haben, ihre Meinung zu sagen und mitzugestalten, wie sie Kirche leben wollen.

DOMRADIO.DE: Wie geduldig sind Sie denn, wenn Sie sehen, wie schwer sich so ein Kirchenschiff bewegt? Junge Leute haben es ja meistens eilig mit Veränderungen.

Herschbach: Es ist natürlich frustrierend zu sehen, dass an verschiedenen Stellen auch gerade in den ganz offiziellen Strukturen der Kirche Veränderungen sehr lange brauchen. Und wir merken auch, dass es auch bei jungen Menschen zu Frustration führt und auch teils zu Resignation.

Ich glaube, was uns da noch einmal auszeichnet, ist, dass wir eine sehr klare Vorstellung davon haben, dass wir Teil der katholischen Kirche sind und dass wir davon auch ein Teil bleiben wollen. Und was für uns ein wichtiger Punkt ist, dass wir immer daran arbeiten möchten, unsere Lebenswelt und unsere Lebensrealität auch da mit einzubringen. Ich glaube, das ist der wichtigste Punkt, und so wie ich die KjG und die Jugendverbände erlebe, ist da eine große Ausdauer, auch diesen Prozess immer wieder anzustoßen.

Wir wollen immer wieder den Finger in die Wunde legen und fordern, dass nicht nur junge Menschen ein Mitbestimmungsrecht in der Kirche bekommen, sondern besonders auch, dass Frauen einfach noch nochmal in einer ganz anderen Art und Weise in der Kirche eine Rolle spielen. Vor allem an den Positionen, wo es darum geht, Entscheidungen zu treffen und auch Verantwortung zu übernehmen in der Leitung.

Das Gespräch führte Heike Sicconi.

(DR)

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