Pressekonferenz mit Jugendbischof Oster und Weltjugendtags-Pilgerinnen
Pressekonferenz mit Jugendbischof Oster und Weltjugendtags-Pilgerinnen

25.01.2019

Bischof Oster zum Kondomverbot Nicht "immer und unter allen Umständen"

​Beim Weltjugendtag in Panama hat sich der deutsche Jugendbischof Stefan Oster zur katholischen Lehre über den Gebrauch von Kondomen geäußert. Der Eindruck, ein Kondomverbot bestehe immer unter allen Umständen, sei "so pauschal nicht richtig".

In einem Gespräch mit Jugendlichen zum Thema Aids sei die Frage aufgekommen, wie kirchliche Institutionen mit den Empfehlungen anderer umgehen, sich vor HIV durch Kondome zu schützen, sagte Oster am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): "Es bestand der Eindruck, als gäbe es immer und unter allen Umständen ein Kondomverbot durch die Lehre der Kirche. Ich habe daraufhin klargestellt, dass dieser Eindruck so pauschal nicht richtig ist."

Diese Lehre und die darum entstandene Debatte über sogenannte künstliche Verhütungsmittel bezögen sich "nur auf die Ehe zwischen Mann und Frau - weil die Kirche die Ehe als den Ort sieht, an dem die geschlechtliche Verbindung zwischen Mann und Frau ihren eigentlichen Ort hat", betonte der Passauer Bischof.

Treue oder Enthaltsamkeit

Deshalb fördere die Kirche Programme, in denen Menschen "entweder Treue in der Ehe oder Enthaltsamkeit leben", so Oster weiter. Wenn aber ein Mensch entschlossen sei, seine Sexualität "anders auszuleben, zum Beispiel promiskuitiv", folge er ohnehin nicht der Lehre der Kirche: "In diesem Fall hielte ich es für absurd zu sagen, zum Beispiel ein HIV-Infizierter solle doch auf Kondome verzichten, weil es die Kirche angeblich so vorschreibe."

Noch einmal schwieriger sei die Frage, wie ein HIV-Infizierter innerhalb einer Ehe mit Verhütung umgehen könne, fügte der Bischof hinzu. Dies sei "im Einzelfall zu betrachten".

"Humanae vitae": Nur natürliche Verhütung moralisch vertretbar

Die päpstliche Enzyklika "Humanae vitae" von 1968 lehnt alle Formen der künstlichen Empfängnisverhütung wie Kondome oder die Pille ab und sieht nur natürliche Methoden der Verhütung wie die Temperatur- oder Zyklusmethode als moralisch vertretbar an. Dies führt bis heute zu oft heftigen Diskussionen, die mit dem Aufkommen von HIV und Aids weiter verstärkt wurden. Seitdem ist nicht mehr nur die Familienplanung im Blick, sondern auch der Schutz der Gesundheit.

Seit 2005 gab es auch im Vatikan Stimmen, die etwa besagten, dass eine Frau von ihrem HIV-infizierten Ehemann den Gebrauch des Kondoms beim ehelichen Geschlechtsverkehr verlangen dürfe, um sich selbst zu schützen. Auch "im Drogenmilieu oder dort, wo eine verbreitete Promiskuität mit großem Elend einhergeht", könne der Kondomgebrauch für legitim gehalten werden.

Papst Benedikt XVI.: "begründeter Einzelfall"

2010 sorgte eine Äußerung des damaligen Papstes Benedikt XVI. für Aufsehen. In einem Interview-Buch sagte er, wenn es darum gehe, die Ansteckungsgefahr zu verringern, könne die Benutzung von Kondomen im "begründeten Einzelfall" ein "erster Schritt sein auf dem Weg hin zu einer anders gelebten, menschlicheren Sexualität".

Auch Papst Franziskus hatte etwa 2015 und 2016 im Zusammenhang mit Aids und mit dem Zika-Virus erklärt, die Frage nach einer Lockerung des Kondom-Verbots stelle die Kirche vor ein Dilemma. Aber auch er sprach immer nur von "bestimmten Einzelfällen" und nicht von einem pauschalen Ja zum Kondom. (kna)

(KNA)

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