Es geht um die Jugendlichen: hier ein Pärchen während des WJT in Krakau
Es geht um die Jugendlichen: hier ein Pärchen während des WJT in Krakau
BDKJ-Bundesvorsitzender Thomas Andonie
BDKJ-Bundesvorsitzender Thomas Andonie

03.10.2018

Bischofssynode zur Jugend beginnt in Rom "Keine Männerbünde mehr, die sich gegenseitig decken"

Im Zentrum der dreiwöchigen Bischofssynode steht die Lebenswelt von rund 1,8 Milliarden Menschen zwischen 16 und 29 Jahren. Ein Gespräch mit Thomas Andonie, der das Treffen für den Bund der Deutschen Katholischen Jugend begleitet.

DOMRADIO.DE: Es geht heute im Vatikan los, was haben Ihnen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen von hier aus für Wünsche und Themen nach Rom mitgegeben?

Thomas Andonie (Bundesvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, BDKJ): Da habe ich eine ganze Menge im Gepäck: Zum einen ist der BDKJ der Dachverband der katholischen Jugendverbände in Deutschland. Und die haben natürlich auch schon im Laufe ihrer Zeit Beschlüsse gefasst: "Was bewegt junge Menschen, was wünschen sich junge Menschen von Kirche und wie wollen Sie Kirche sein?"

Wir haben auch eine Postkarten-Aktion vor der Jugendsynode gemacht, wo junge Menschen ihr konkretes Anliegen an Papst Franziskus kommunizieren konnten. Wir haben das letzte Woche übergeben und auch die Anliegen habe ich natürlich mit im Gepäck.

DOMRADIO.DE: Steht da denn irgendwas an erster Stelle? Kristallisiert sich da was raus? Was ist den Jugendlichen wichtig?

Andonie: Ganz wichtig ist vielen jungen Menschen, dass die Kirche glaubwürdig und authentisch auftritt. Da geht es zum einen um die Fragen der Gleichberechtigung von Mann und Frau. Konkret: Wie können Frauen in Kirche sichtbarer werden - auch in Leitungsfunktionen? Was junge Menschen in Deutschland auch ganz stark bewegt, ist die Frage von Pflichtzölibat und der Weihemöglichkeit von Frauen zu Priesterinnen.

Was uns auch bewegt, ist die Frage, wie wir auch gemeinsam Kirche sein können; also Aufbruch der klerikalistischen Strukturen in der Kirche und wie wir auch gemeinsam als gesamtes Volk Gottes Leitungsverantwortung in der Kirche übernehmen können und auch junge Menschen an kirchlichen Entscheidungen beteiligt werden und nicht über sie, sondern mit ihnen entschieden wird.

DOMRADIO.DE: Da sind wir auch schon bei der Bischofssynode. Wie läuft das denn ab? 40 Jugendliche und junge Erwachsene sind dabei und stehen dann bis zu 350 Bischöfen und Kardinälen gegenüber. Dürfen Sie dann dabei sitzen und nicken oder dürfen sie auch etwas sagen?

Andonie: Nein, auf keinen Fall werde ich dabei sitzen und nicken. Die Auditorinnen und Auditoren haben natürlich die Aufgabe, die Synode zu begleiten und sich aktiv einzubringen. Ich werde nicht nur dasitzen und nicken, sondern entsprechend in der großen Versammlung sprechen können, ein Statement dort halten können und mich auch in den Kleingruppen aktiv einbringen können. Das ist auch der Anspruch, den wir haben, denn die Anliegen über Menschen müssen da gehört werden.

Wir finden das sehr schade, dass es nur 34 oder 35 junge Menschen sind, die mitbeteiligt sind als Vertreter/innen von ihren jeweiligen Ländern. Aber wir hoffen natürlich auch, dass die Anliegen so ernst genommen, dass sie auch entsprechend in dem Abschlussdokument und in den Verhandlungen berücksichtigt werden und auch als Maßgabe genommen werden. Dann die Perspektive aus der Welt der jungen Menschen einzunehmen und da zu schauen: Wie muss Kirche darauf reagieren? Und wie könnte Kirche sein, dass junge Menschen auch die katholische Kirche als Begleiterin auf dem Weg durch Leben und Glauben wahrnehmen?

DOMRADIO.DE: Es hat im Vorfeld der Bischofssynode auch die Forderung gegeben, sie abzusagen und vielmehr eine Sondersynode zu den ganzen Missbrauchsskandalen, die in vielen Teilen der Welt aufgedeckt worden sind, zu machen. Was sagen Sie denn zu der Entscheidung, die Jugendsynode doch wie geplant durchzuführen?

Andonie: Ich halte das für absolut richtig, diese Jugendsynode durchzuführen, aber wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Das Thema der sexualisierten Gewalt ist kein regionales Thema, das ist ein weltweites Thema, das jetzt immer wieder in verschiedenen Phasen nochmal ganz deutlich zeigt, wie viel in der Vergangenheit und wie viel auch strukturell in der Kirche da an sexualisierter Gewalt Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen widerfahren ist. Und darüber muss auch hier gesprochen werden.

Wir können nicht das Thema Jugend behandeln, ohne dabei auch zu schauen, an welchen Bedingungen hier die Kirche krankt. Da haben wir den Klerikalismus, die Machtstrukturen, diese männerbündischen Gruppierungen, die sich dann dementsprechend gegenseitig decken. Darüber müssen wir sprechen, wie die Kirchen gemeinsam in Verantwortung kommt, wie solche Machtstrukturen aufgebrochen werden, die junge Menschen im Endeffekt unbeschreibliches Leid zufügen, wo doch die Kirche eigentlich jungen Menschen das Heil verspricht.

Deshalb sage ich: Wir gehen nicht zur Tagesordnung über, sondern thematisieren das auch. Ich werde das auf jeden Fall in dieser Synode einbringen, und da muss auch ein klares Votum kommen. Dann müssen auch in den jeweils regionalen Unterschiedlichkeiten Handlungsschritte unternommen werden und konkret was passieren.

DOMRADIO.DE: Sie sind ja schon ein paar Tage in Rom. Heute geht es endlich los. Was steht für Sie auf dem Programm?

Andonie: Wir werden mit einem großen Pontifikalamt im Petersdom eröffnen, anschließend wird dann nach dem Gottesdienst die Versammlung durch Papst Franziskus persönlich eröffnet. Dann werden wir sehen, in welche Richtung die ganze Veranstaltung geht. Die Synode sieht das so vor, dass wir in Großgruppen zusammensitzen und anschließend auch in kleineren Sprachgruppen diskutieren. Das wird jetzt dann den ganzen Monat über immer abwechselnd zu den verschiedenen Teilen des "instrumentum laboris", des Vorbereitungsdokumentes, passieren.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)

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