Katholische Jugendarbeit zwischen Frömmigkeit und Engagement

Veränderte Lebensrealitäten

Premiere in der katholischen Kirche: Erstmals sollen Jugendliche im Mittelpunkt einer Weltbischofssynode im Vatikan stehen. In Deutschland ist die kirchliche Jugendarbeit noch immer breit aufgestellt.

Autor/in:
Christoph Arens
Jugendliche / © Florian Kopp (epd)
Jugendliche / © Florian Kopp ( epd )

SPD-Chefin Andrea Nahles kommt aus der katholischen Jugendarbeit. CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer sagt, in ihrer Familie sei kirchliches Engagement selbstverständlich gewesen - "eben, dass man Messdiener war, dass man im Kirchenchor war, in der katholischen Jugend, bei den Sternsingern mitgemacht hat". Und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat nach eigenem Bekunden in katholischen Jugendgruppen "mehr gelernt als nachher im Studium".

Gelungene Initiativen kirchlicher Jugendarbeit

Solche Geschichten gibt es viele: Über Jahrzehnte war die katholische Jugendarbeit ein Reservoir für gesellschaftliches und politisches Engagement. Doch das ist nicht mehr selbstverständlich: "Eine große Anzahl Jugendlicher in unserem Land erbittet (...) einfach nichts von der Kirche." So offen steht es in einer im vergangenen November veröffentlichten Antwort der Deutschen Bischofskonferenz auf einen Fragebogen aus dem Vatikan. Die Meinung der Kirche sei für diese Gruppe "von keinerlei Interesse".

Zugleich allerdings verweisen die Bischöfe aber auf gelungene Initiativen kirchlicher Jugendarbeit. Noch immer gebe es viele Jugendliche, die von der Kirche "Wertvorstellungen und Sinnangebote, Authentizität und Lebensrelevanz" erhofften.

Alles in allem trotzdem eine eher ernüchternde Botschaft an Papst Franziskus, der wissen will, wie Jugendliche ticken. Vom 3. bis 28. Oktober wird es erstmals in Rom eine Weltbischofssynode geben, die die Jugend in den Mittelpunkt stellt. Franziskus hofft auf frischen Wind: "Die Kirche möchte auf Eure Stimme hören, auf Eure Sensibilität, auf Euren Glauben, ja auch auf Eure Zweifel und Eure Kritik", schrieb er.

Kirche und Jugend - ein schwieriges Kapitel. Viele modernere Jugendliche fänden die Kirche nicht cool, stellten Wissenschaftler des Heidelberger Sinus-Instituts fest. Zwar gebe es eine große Sehnsucht nach Spiritualität und Sinn. Dabei aber spielten Kirche und feste Glaubenssätze kaum eine Rolle - insbesondere bei der Sexuallehre.

Katholische Jugendarbeit in Deutschland gut aufgestellt

Dabei ist die katholische Jugendarbeit in Deutschland immer noch gut aufgestellt. Von der Landjugend bis zu den Schützen: In 17 Verbänden engagieren sich mehr als 660.000 Kinder und Jugendliche. Mädchen und Jungen zu kritischem Urteil und eigenständigem Handeln aus christlicher Verantwortung zu befähigen, so lautet das Ziel, das der Dachverband Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) formuliert.

Etwa durch den Einsatz für eine solidarische Welt in der Sternsingeraktion, durch die Förderung Freiwilliger Sozialer Jahre oder die 72-Stunden-Aktion, bei der zuletzt 170.000 Jungen und Mädchen Kinderspielplätze bauten, Seniorenheime besuchten oder Straßenfeste organisierten.

Außerdem gibt es Jugendgruppen, die sich keinem Verband angeschlossen haben. Mehr als 300.000 Jungen und Mädchen engagieren sich als Messdiener. Darüber hinaus bestehen Gemeinschaften, die eine vor allem spirituelle Ausrichtung haben, etwa die Initiative Pontifex.

Es gibt auch Spannungen

Frömmigkeit und gesellschaftliches Engagement: Zwischen diesen Polen bewegt sich katholische Jugendarbeit. Dabei gibt es durchaus Spannungen. Gerade erst hielt Jugendbischof Stefan Oster den Jugendverbänden erneut vor, sie sprächen zu wenig von Jesus Christus.

Eine Kritik, die heftigen Widerspruch erntet. "Viele kirchliche Positionen sind gut und richtig, müssen aber neu erklärt und in die heutige Lebenswelt junger Menschen übersetzt werden", antwortet der BDKJ-Bundesvorsitzende Thomas Andonie, der als sogenannter Auditor an der Synode teilnimmt. Jugendlichen solle ein Raum zum Erleben von Spiritualität und Glauben geboten werden; man dürfe aber nicht darüber urteilen, ob sie nun gut oder schlecht glaubten.

Vor der Jugendsynode forderte der BDKJ unter anderem mehr Mitbestimmung junger Menschen in der Kirche, die Anerkennung von unterschiedlicher sexueller Orientierung sowie eine transparente Kirche. "Wir wollen eine von jungen Menschen besetzte Kommission im Vatikan, die sich für ihre Anliegen einsetzt und beratend tätig ist", so Andonie im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Jugendliche wollten, "bildlich gesprochen, nicht in einen Raum kommen, in dem schon alles fertig eingerichtet ist".


Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ): Lisi Maier / © Elisabeth Schomaker (KNA)
Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ): Lisi Maier / © Elisabeth Schomaker ( KNA )
Quelle:
KNA