Rückblick auf die zwölfte internationale Ministrantenwallfahrt

"Mucksmäuschenstiller Petersplatz"

Die Ministrantenwallfahrt geht in Rom zu Ende. Alexander Bothe war mit den Jugendlichen dort, spricht von Erschöpfung, aber auch von überwiegender Freude. Bei all dem Trubel ist ihm ein stiller Moment besonders hängen geblieben.

Blind-Date beim Ministrantentreffen in Rom / © Jörn Neumann (DBK)
Blind-Date beim Ministrantentreffen in Rom / © Jörn Neumann ( DBK )

DOMRADIO.DE: Die ersten Jugendlichen reisen ab. Wie erschöpft sind Sie denn eigentlich nach den Tagen?

Alexander Bothe (Referent für Ministrantenpastoral): Ich bin natürlich schon geschafft, das muss ich ehrlich sagen. Auch bei den Kolleginnen und Kollegen, die für die einzelnen Bistumsgruppen die Verantwortung tragen, spürt man natürlich schon eine Erschöpfung. Aber es sind alle unglaublich glücklich. Wir freuen uns natürlich über die Erfahrungen dieser Woche. Bewegt hat uns auch das Motto "Suche Frieden und jage ihm nach": es ging immer wieder darum, den Frieden in den Mittelpunkt zu stellen – und dann ist die eigene Erschöpfung irgendwie auch vom Frieden getragen.

DOMRADIO.DE: Bei 60.000 Messdienern passiert sicher viel. Gab es nennenswerte Pannen?

Bothe: Das gehört zu so einer Großveranstaltung dazu. Es gibt immer einen Plan, der ist das eine. Die Realität ist das andere und wir Verantwortlichen schauen natürlich, dass die beiden möglichst eng zusammenhängen.

Natürlich haben wir Jugendliche gehabt, denen es gesundheitlich nicht gut ging. Die Hitzewelle in Deutschland hat zwar für ein bisschen Training gesorgt, aber das ist schon noch mal anders in Rom. Natürlich ist es auch eine Anstrengung, wenn man durch die Stadt pilgert oder einfach etwas besichtigen möchte. Wir haben schon ein paar Jugendliche, die tatsächlich versorgt werden mussten – speziell am Dienstag während und nach der Papstaudienz.

Aber es gibt auch das eine oder andere allgemein gesundheitliche Problem, das dann bei so einer Teilnehmerzahl auftritt – eigentlich auch nicht weiter verwunderlich. Bisher sind wir sehr gesegnet, dadurch dass es keine schlimmen Dinge waren.

DOMRADIO.DE: Ihr habt für die Romwallfahrt eine App entwickeln lassen. Sie sollte die internationalen Ministranten spielerisch, informativ und geistlich begleiten, beim Kontakteknüpfen helfen und Tipps vor Ort geben. Wie ist denn die App "goRome!" angekommen?

Bothe: Die Jugendlichen genießen das sehr, sie freuen sich sehr über die Updates und gucken natürlich auch, dass sie damit Erfahrungen sammeln. Das hat wirklich sehr gut geklappt, da sind wir sehr glücklich und freuen uns auf das, was jetzt in der Zukunft noch kommt. Wir haben ja heute noch ein Update für die App – dann wird nämlich aus "goRome" ein "go home". Das heißt, wir geben Impulse für das eigene Leben, für die Rückfahrt nach Hause und für den Alltag.

DOMRADIO.DE: Welches waren denn die Highlights für Sie?

Bothe: Da gibt es natürlich viele. Es gab ein tolles Ereignis, nämlich die Blind-Dates. Das heißt an über 200 Orten in Rom haben sich die Deutschen Ministranten und Ministrantinnen zu je drei zufällig ausgewählten Fünfzigergruppen zusammengetroffen. Sie haben zusammen gebetet, sich kennengelernt, zusammen gespielt und sich dann noch auf den Weg in die Eisdiele gemacht. Und wenn man da zwischendurch mal dabei war, das reißt einen riesig mit. Das ist ein absolutes Highlight.

Das andere ist, das muss ich wirklich sagen, es sind ganz viele bewegt von der Friedensminute. In der Papstaudienz gab es einen Moment, in dem der Papst gesagt hat: "Lasst uns mal alle still werden", um tatsächlich Gottes Stimme Raum zu geben, um einfach mal zu hören und somit ein Zeichen für diesen Frieden in Gott und den Frieden hinein in die Welt zu setzen. Und dann war dieser ganze Petersplatz plötzlich mucksmäuschenstill. Das hat ganz viele Jugendliche sehr bewegt, dass sie so intensiv mit dem Papst verbunden sind und diese Minute dann tatsächlich teilen konnten. Das war wirklich beeindruckend.

DOMRADIO.DE: Wie kann denn bei so vielen Kindern und Jugendlichen das Gefühl einer Gemeinschaft entstehen. Ist das geglückt, auch bei so einer Masse?

Bothe: Ja und das merkt man sehr. Das Tolle ist natürlich, dass alle in diesem Dienst in der Heiligen Messe verbunden sind. Die Ministranten und Ministrantinnen haben jetzt gespürt, ihr Dienst endet eben nicht an der Kirchentür, sondern trägt raus ins Leben, in die Welt – und das auch über alle Länder und Sprachgrenzen hinweg. Dieser Gemeinschaftsfaktor, wie wir ihn vielleicht nüchtern nennen würden, bedeutet so vieles: eine Erfahrung von Miteinander, eine Erfahrung von "Wir gehören zusammen", wir teilen eine Botschaft und den Glauben – aber auch, dass sie als junge Menschen gemeinsam unterwegs in die Zukunft sind. Das ist ein Zeichen für die Kirche und die Gesellschaft.

DOMRADIO.DE: Kriegen Sie eigentlich auch schon mal ein Feedback aus Rom, von Kardinälen, dem Papst oder irgendwem aus dem Vatikan?

Bothe: Natürlich. Alles läuft in enger Abstimmung mit dem Vatikan. Es ist ja auch ein riesen Geschenk, dass der Heilige Vater uns eine Audienz gewährt hat und wir uns auf dem Petersplatz versammeln konnten. Papst Franziskus hat sich unfassbar gefreut, das hat er jetzt auch im Nachklang nochmal angesprochen. Die vielen jungen Menschen haben den Heiligen Vater schon sehr bewegt.

Das Gespräch führte Heike Sicconi.


Papst Franziskus, Karl-Heinz Wiesemann, Bischof von Speyer, und Alexander Bothe, Referent für Ministrantenpastoral / © Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus, Karl-Heinz Wiesemann, Bischof von Speyer, und Alexander Bothe, Referent für Ministrantenpastoral / © Romano Siciliani ( KNA )

Ministrantentreffen in Rom / © Jörn Neumann (DBK)
Ministrantentreffen in Rom / © Jörn Neumann ( DBK )

Ministrantentreffen in Rom / © Jörn Neumann (DBK)
Ministrantentreffen in Rom / © Jörn Neumann ( DBK )

Ministrantentreffen in Rom / © Jörn Neumann (DBK)
Ministrantentreffen in Rom / © Jörn Neumann ( DBK )

Papst Franziskus schreitet an den wartenden Bischöfen vorbei / © Jörn Neumann (DBK)
Papst Franziskus schreitet an den wartenden Bischöfen vorbei / © Jörn Neumann ( DBK )

Ministrantentreffen in Rom / © Jörn Neumann (DBK)
Ministrantentreffen in Rom / © Jörn Neumann ( DBK )

Ministranten aus Bayern grüßen den Papst  / © Cristian Gennari (KNA)
Ministranten aus Bayern grüßen den Papst / © Cristian Gennari ( KNA )
Quelle:
DR