Jugendliche bei Treffen zur Bischofssynode
Jugendliche bei Treffen zur Bischofssynode
Eröffnung des Vorbereitungstreffens von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zum Jugendtreffen zur Bischofssynode
Eröffnung des Vorbereitungstreffens von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zum Jugendtreffen zur Bischofssynode
Weltbischofssynode im Herbst 2018: Jugendliche und ihr Glaube
Weltbischofssynode im Herbst 2018: Jugendliche und ihr Glaube

20.03.2018

Auftakt zur Vorsynode der Jugend in Rom Der Papst wünscht sich jugendliche Propheten

Einen ganzen Vormittag nahm sich Franziskus Zeit, zu jungen Menschen zu sprechen, zuzuhören und Fragen zu beantworten. Der Auftakt zur Vorsynode der Jugend war vielversprechend. Erwartungen und Arbeitspensum sind groß.

80 Prozent Arbeitslosigkeit und abhängig von Eltern und Wohlfahrt; 100 theoretische Lebenswege und keine Entscheidung; Industrielle Revolution 4.0, Smartphones und Schweigen in der Familie; Gewalt, Drogen, Menschenhandel; entfremdet von der Kirche und kein Unverständnis für ihre Haltungen: eine breite Palette von Lebenswelten und Erfahrungen, die junge Menschen am Montag in einem Hörsaal am Stadtrand von Rom dem Papst, zwei Kardinälen und anderen Kirchenverantwortlichen präsentieren.

"Jugend, Glaube und Berufungsentscheidungen"

Das Treffen von mehr als 300 internationalen Delegierten dient der Vorbereitung für die Weltbischofssynode zum Thema "Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung". Mit Berufung ist in diesem Fall jede grundlegende Lebensentscheidung junger Menschen gemeint. Bevor sich darüber im Herbst Bischöfe austauschen, sollen junge Menschen selbst zu Wort kommen. Viele Studenten, auch Seminaristen und Ordensleute, Jugendseelsorger und Verbandsmitarbeiter. Auch Angehörige anderer Religionen oder Nichtreligiöse sind dabei.

Zu oft werde über Jugendliche gesprochen, ohne sie selbst zu fragen, kritisiert Papst Franziskus in seiner Ansprache. Zwar werde Jugendlichkeit vergöttert; doch im öffentlichen Leben hätten viele junge Menschen nichts zu sagen und bekämen keine Chancen. Franziskus verweist unter anderem auf mangelnde Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt.

"Generation der Veränderungen und der Unsicherheit"

"Wir sind die Generation der Veränderungen, des Internets, der Sozialen Medien; die Generation der Unsicherheit", fasst Annelien Boone eine vorsynodale Studie aus Belgien zusammen. Angela Markas, eine irakischstämmige Australierin, spricht über fehlende kulturelle Identität, psychische Stabilität als eines der größten Probleme Heranwachsender weltweit und die zunehmende Unzufriedenheit junger Katholiken mit Aussagen ihrer Kirche zu Fragen über Sexualität, Frauen oder "Homo-Ehe".

Die 21-jährige Studentin Magdalena Hartmann aus Heidelberg fordert, die Kirche müsse bereitstehen, junge Menschen zu begleiten. "So viele sind bei wichtigen Lebensentscheidungen unentschieden, weil immer noch etwas Besseres kommen könnte", sagte sie. Bei der Fragerunde mit dem Papst rät Franziskus auf eine ähnliche Frage eines Studenten aus Paris: "Lasst Gefühle und Fragen zu, betäubt sie nicht. Und dann vertraut euch jemandem an, der Weisheit und Erfahrung besitzt."

Zwischen spirituellen Erfahrungen und der Rolle der Frau

Der 27-jährigen Journalistin und Theologin Alina Oehler aus Deutschland ist die Rolle der Frau in der Kirche wichtig. Auch wenn das Klischee von der "Bastion alter Männer" nicht mehr ganz zutreffe, müsse doch etwas geschehen, damit nicht noch mehr Frauen die Kirche verlassen.

Ihr zweites Anliegen sind spirituelle Erfahrungen. Dass junge Menschen der normalen Liturgie fernbleiben und stattdessen zu Events wie "Nightfever", in eine tridentinische Liturgie gehen oder zu Freikirchen, sind für sie bedenkenswerte Tendenzen. Forderungen nach besserer Verständlichkeit oder nach Veränderung kirchlicher Traditionen und Aussagen in einer postmodernen Internetwelt kommen ebenso aus Amerika, Vietnam oder Simbabwe.

Sollten sich die Teilnehmer die bekannte Aufforderung des Papstes zu Herzen nehmen, "Wirbel" zu machen, dann wird in diesen Tagen am Stadtrand von Rom ein großes Fass aufgemacht. Die Bischöfe werden bei ihrer Synode im Herbst einiges zu schlucken haben, wenn denn die Absichtserklärungen ernst gemeint sind. Dabei geht es nicht allein um klassische Streitthemen. Die Fragen einer chinesischen Ordensfrau oder eines ukrainischen Priesterkandidaten zu Ausbildung und geistlicher Reife angesichts der vielen Kulturen und Milieus sind ebenso auf dem Tableau der Vorsynode zu finden.

Papst: "Euer Beitrag wir ernst genommen"

Bis Mittwochmittag wird in rund 20 Sprachzirkeln diskutiert - angefüttert mit dem, was rund 15.000 für die Vorsynode registrierte Internetnutzer weltweit zusätzlich beisteuern. Bis Samstag sollen ein Abschlussdokument und ein Video entstehen, die dem Papst am Sonntag für die Bischöfe mitgegeben wird. "Redet freimütig und offen", hatte Franziskus eingangs gesagt. "Ich versichere euch, dass euer Beitrag ernst genommen wird." Und er untermauert sein Versprechen mit einem Satz des Propheten Joel aus dem Alten Testament: "Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, eure Alten werden Träume haben und eure jungen Männer haben Visionen."

Roland Juchem
(KNA)

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