Kirche sollte Jugendlichen zuhören
Kirche sollte Jugendlichen zuhören
Seit Oktober 2017 wohnen neun von ihnen in der Basical-WG
Seit Oktober 2017 wohnen neun von ihnen in der Basical-WG

25.01.2018

Katholische Kirche – Ist da noch Jugend drin? Kirche sollte Jugendlichen zuhören

Wo ist die katholische Jugend? In einem herkömmlichen Gottesdienst ist sie eher nicht zu finden. Junge Menschen beten lieber ganz individuell und privat. Doch es gibt Wege, auf denen könnten sich Jugend und Kirche wieder treffen.

"Für mich war es schwer zu glauben, dass in einem Stück Brot Jesus wieder aufersteht. Ich glaube eher daran, dass es irgendwas gibt, was uns zusammenhält, was uns den Weg weist. Aber ob es Gott sein muss, da bin ich mir nicht sicher." So wie die 20-Jährige Pfadfinderin Denja Otte, denken heute viele Jugendliche. Dem traditionellen Gottesdienst und der Kirche als Institution stehen mehr und mehr junge Menschen skeptisch gegenüber.

Religiöse Touristen

Was auffällt: Die Ergebnisse bekannter Jugendstudien belegen, eine Institution wie die Kirche brauchen Jugendliche nicht mehr unbedingt, um ihren Glauben zu leben – aber sie glauben. Sie setzen sich mit ihren Zweifeln und Fragen auseinander. Woher kommt unsere Welt? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Diese Sinnfragen beschäftigen junge Menschen, wie jede andere Generation vor ihnen. Denn die internet- und technikaffine Generation von heute betet noch fast so häufig, wie vor 60 Jahren.

Christine Uhlmann, katholische Theologin und stellvertretende Leiterin der SINUS:akademie, bezeichnet 14- bis 17-Jährige als religiöse Touristen. Auf der Suche nach Antworten schaue sich die Jugend nicht nur in ihrer eigenen Religion um. Sie würde sich bei allen Weltreligionen bedienen und daraus ihren eigenen ganz individuellen Glauben zusammenstellen. Vor allem Regeln und Vorschriften in der Kirche schreckten eher ab, so Uhlmann.

Was die Kirche sieht

Gerade offene Räume sind wichtig. Orte, an denen Antworten auf die Fragen des Lebens gefunden werden können, aber auch kritische Blicke auf die Kirche erlaubt sind. Und das in einem neuen Format: Über 50 Jugendkirchen in Deutschland versuchen, moderne und alltagsnahe Gottesdienste und vielfältige Aktionen anzubieten. Auch digital. Dabei ist besonders eine authentische Sprache wichtig. Gestelzte Jugendsprache klinge viel zu künstlich, so Bianka Mohr, die Leiterin der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj).

Die Fachstelle ist unter anderem für die Kommunikation zwischen den Aktiven in der Jugendarbeit und den katholischen Bischöfen zuständig. "Wir gehen nicht mehr davon aus, dass alle katholisch Getauften selbstverständlich zur Kommunion, Firmung und sonntags in die Kirche gehen. Wir wissen aber auch, dass es eine ganze Menge Felder in der katholischen Jugendarbeit gibt, die Jugendlichen noch die Möglichkeit geben, sich zu beteiligen und sich zu engagieren." Das Stichwort sei Vielfältigkeit, denn DIE Jugend gebe es auch nicht.

Orientierung und Vielfalt

Junge Menschen sind verschieden und vielfach interessiert. Deshalb muss Kirche zeigen, dass sie auch vielfältig sein kann. Zudem sollte sie ihrer sozialen Aufgabe nachkommen. "Kirche kann dann authentisch bei Jugendlichen ankommen, wenn sie das tut, was unser Glaube uns lehrt: Nächstenliebe zeigen!", so die 18-Jährige Nadine Kaczmarek. Mit acht weiteren Jugendlichen wohnt sie für neun Monate in der Basical-WG in Augsburg. Das Wohnprojekt wird als ein christliches Orientierungsjahr vom Bistum Augsburg angeboten. Dort werden Jugendliche von kirchlichen Mitarbeitern auf einem Weg begleitet, in dessen Verlauf sie ihre Stärken, aber auch Schwächen, und so ihre Berufung herausfinden sollen.

Die Aufgaben, die Kirche noch mehr erfüllen sollte: Wegbegleiter sein, zuhören und offen sein für alle Fragen eines jeden Jugendlichen. Ob gläubig, ob religiös oder keines von beidem. Denn die beste Werbung für Kirche sind noch immer die Jugendlichen selbst. Über Freunde und Bekannte finden noch die meisten den Weg in ein Gotteshaus. Sollte die Institution die Jugendlichen verlieren, könnte sie mehr und mehr verschwinden.

Beatrice Steineke
(DR)

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