Die Jugend im Blick - bei der nächsten Bischofssynode 2018
Die Jugend im Blick - bei der nächsten Bischofssynode 2018
BDKJ-Bundesvorsitzender Thomas Andonie
BDKJ-Bundesvorsitzender Thomas Andonie

03.11.2017

BDKJ-Vorsitzender zum Jugend-Fragebogen des Vatikan "Jugend ist eine bunte und vielfältige Gruppe"

Sinnangebote, Wertevorstellungen und Authentizität - das erwarten Jugendliche von der katholischen Kirche. Der BDKJ-Vorsitzende Thomas Andonie im domradio.de-Interview zu den Ergebnissen des Jugend-Fragebogens.

domradio.de: Dass die Jugendlichen Sinnangebote, Wertevorstellungen und Authetizität von der Kirche erwarten, das klingt nun nicht besonders überraschend oder?

Thomas Andonie (Bundesvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, BDKJ): Nein. Das nehmen wir auch in den Jugendverbänden immer wahr, dass junge Menschen, die bei uns mitwirken und die entsprechenden Angebote wahrnehmen, sich eine Kirche wünschen, die sie begleitet. Das haben wir auch ein bisschen erwartet, bei der Antwort der deutschen Bischöfe auf den Fragebogen des Vatikans.

Jugendverbände spielen eine große Rolle in diesem Dokument. Das ist auch gut so, denn Jugendverbände sind Orte gelebter Vielfalt. Da sind junge Menschen, die dort Heimat finden, die gegen Extremismus stehen, die für Mitbestimmung und Glaubwürdigkeit in der Kirche stehen.

Das schöne ist, dass wir als Jugendverbände oft voll Vielfalt sind. Es gibt Jugendgruppen in der Gemeinde, aber auch Themen wir Jugendsozialarbeit, Freiwilligendienste, die Orientierung nach einem Schulabschluss bieten. Hier können wir Menschen ganz gezielt ansprechen, auch wenn sie keinen kirchlichen Hintergrund haben.

domradio.de: In den Antworten kam auch zum Ausdruck in welcher Situation sich Jugendliche heute befinden. Wie beschreiben Jugendliche selber ihre Situation in der modernen Welt?

Andonie: Das ist sehr divers. Es gibt nicht den Jugendlichen, wie man sich das gerne vorstellt. Das ist eine bunte und vielfältige Gruppe. Ebenso vielfältig müssen auch die Antworten sein, die wir als Kirche geben, wenn wir da als Wegbegleiter wahrgenommen werden und, wenn wir als sinnstiftende Instanz zur Kenntnis genommen werden wollen.

Das muss so sein, dass wir auch Berufung weit fassen. Berufung beschreibt in der Kirche und in der Welt einen eigenen Lebensweg. Das ist auch das, was wir in der Kirche immer wieder wünschen, fordern aber auch immer wieder sehen. Das zeigen wir zum Beispiel in der BDKJ-Sozialaktion, der 72-Stunden-Aktion, die 2019 wieder stattfindet. Genau da zeigen sich junge Menschen vielfältig, wie sie aus dem Glauben heraus Gesellschaft gestalten und ihren eigenen Weg damit gehen. 

domradio.de: Was erwarten die Jugendlichen speziell von der katholischen Kirche?

Andonie: Ich glaube, was man wirklich erwartet, ist Glaubwürdigkeit. Das ist ganz wichtig. Das ist auch bei den Antworten der Bischöfe deutlich geworden, dass das zur Kenntnis genommen wird, dass junge Menschen tatsächlich fordern, dass Kirche jung ist und auch jungen Menschen Platz bietet und Mitbestimmung einräumt und natürlich die eigenen Glaubensgrundsätze entsprechend in der Gesellschaft lebt und keine Doppelzüngigkeit besteht.

Das erwarten junge Menschen. Und sie erwarten natürlich eine Kirche, die auf sie zugeht, die sie in dieser sehr komplexen und schwierigen Welt abholt. Die sie abholt in einer Welt, in der es manchmal an Perspektiven mangelt. Es wird erwartet, dass man junge Menschen, egal welchen Alters, egal welcher Herkunft, dementsprechend abholt. 

domradio.de: Es wurden also viele Forderungen, die die Lebenswelten betreffen, deutlich. Aber gab es auch Kritik, zum Beispiel in Sachen Sexualmoral, oder war das gar nicht Thema?   

Andonie: Das wird auch im Fragebogen, der den jungen Menschen selber zur Verfügung gestellt wird aufgegriffen. Das ist natürlich für junge Menschen ein großes Thema: Liebe, Sexualität, Partnerschaft. Und das wird hoffentlich bei der Jugendsynode dementsprechend berücksichtigt werden. 

domradio.de: Welche Schlüsse zieht man jetzt aus den Antworten der Jugendlichen?

Andonie: Die Antworten der Jugendlichen werden Ende November gesammelt. Wir haben jetzt die Antworten der Bischöfe schon vorliegen. Da ist es ganz spannend, dass man sagt: Digitales sei ein großes Thema für die Kirche. Das freut uns, weil wir für die Teilnahme junger Menschen an dem Online-Fragebogen dementsprechend versucht haben Werbung dafür zu machen, zum Beispiel mit der Postkarten-Aktion oder auch über Facebook.

Was ich auch ganz wichtig finde ist, dass junge Menschen weiterhin die Möglichkeit haben bei dieser Jugendsynode mitbestimmen zu dürfen. Es ist wichtig, dass es eine Synode für die Kirche ist, die junge Menschen wirklich in den Blick nimmt und, dass die auch weiterhin als Experten und Expertinnen ihrer Lebenswelt dabei sind.

Es ist wichtig, dass möglichst viele junge Menschen bei der Jugendsynode dabei sind, sie erfahren können, von ihr erfahren können und dementsprechend nicht alles hinter verschlossenen Türen stattfindet. Es ist wichtig, dass nicht nur Bischöfe entscheiden, sondern auch den Rat und die Erfahrung junger Menschen mit berücksichtigen. 

domradio.de: Also die Antworten fließen auf alle Fälle in die Vorbereitung zur Jugendsynode im Oktober 2018 ein. Meinen Sie, dass der Papst sich das auch mal anschaut? 

Andonie: Davon gehe ich aus. Dem Papst ist es ein sehr großes Anliegen, dass tatsächlich die Meinungen und Wünsche junger Menschen in der Kirche aufgefangen werden können. Sie werden nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern auch dementsprechend für ein sinnstiftendes Leben mit herangenommen.

Es geht ihm darum, dass man auch den einzelnen Menschen im Blick behält. Nicht nur den katholischen Jugendlichen, sondern auch einen jungen Menschen, der ohne Kirchennähe eine Antwort auf Sinnfragen sucht. Dass da auch wirklich jeder Mensch zur Kenntnis genommen wird, das ist uns sehr wichtig.

Im BDKJ sind 660.000 junge Menschen in den Verbänden organisiert. Das sind auch junge Menschen, die für andere Angebote machen, die auch anderen Menschen eine Heimat bieten wollen. Die Verbände stehen für eine geistliche Heimat, die jungen Menschen in Kirchengesellschaften einen Wirkungsraum zustehen.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)

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