Fragebogen des Erzbistums Köln zur Jugendsynode online

Anregungen für neue Wege?

Die Jugend der Welt liegt ihm am Herzen. Deshalb möchte Papst Franziskus mit der Jugendsynode die nachfolgende Generation besonders in den Blick nehmen. Die Vorbereitungen dazu laufen auf Hochtouren. So auch im Erzbistum Köln.

Jugendliche sind gefragt / © Florian Kopp (epd)
Jugendliche sind gefragt / © Florian Kopp ( epd )

domradio.de: Der Vatikan hat im Vorfeld der Bischofssynode zum Thema Jugend im Oktober 2018 einen Fragebogen erstellt, mit dem möglichst viele Antworten von jungen Menschen weltweit zu unterschiedlichen Themen gesammelt werden sollen. Das Erzbistum Köln hat nun als erstes deutsches Bistum diesen Fragenkatalog online bereitgestellt - ergänzt um eigene Themenaspekte. Was sind das für Fragen, die junge Menschen in dem Fragebogen beantworten können?

Pfarrer Regamy Thillainathan (Leiter der Abteilung Berufungspastoral im Erzbistum Köln): Von den vatikanischen Behörden haben wir verschiedene Fragen für die ganze Weltkirche gestellt bekommen. Da geht es beispielsweise um Fragen der persönlichen Lebensgestaltung, der zwischenmenschlichen Beziehungen oder Fragen zur Bedeutung von Glauben und Religion für den Einzelnen. Aber auch Internetkonsum und die Nutzung sozialer Netzwerke sind Themen.

domradio.de: Das sind Themenkomplexe, die sich der Vatikan für diesen Fragebogen ausgedacht hat. Da sind aber auch Aspekte dabei, von denen Sie sagen, dass sie für die jungen Menschen im Erzbistum Köln nicht überaus relevant sind, oder?

Pfarrer Regamy: Der Vatikan hat ja die ganze Weltkirche im Blick. Da kommen schon Formulierungen vor, bei denen man merkt, dass dabei bestimmte Bereiche und Regionen der Weltkirche angesprochen sind. Unsere Jugendlichen können aber vielleicht nicht direkt etwas damit anfangen. Beispielsweise möchte der Vatikan gerne wissen, was man meint, in welchem Alter eine Frau oder ein Mann am besten ein Kind bekommen sollte - beziehungsweise Vater werden sollte. Diese Frage klingt in unseren Ohren ein bisschen merkwürdig. Auch bei einem anderen Beispiel und der Frage nach dem Internetkonsum lautet eine Antwortmöglichkeit, man wäre gerne im Internet, wenn es dazu technisch die Möglichkeit gäbe. Daran merkt man, dass die gesamte Weltkirche in den Blick genommen wird.

domradio.de: Sie haben also den vatikanischen Fragebogen genommen und haben ihn überarbeitet oder wohlwollend ergänzt, um was genau damit abzubilden?

Pfarrer Regamy: Wir haben im ersten Schritt die Fragen des Vatikan genommen und diese übersetzt. Da haben wir nichts verändert. Im zweiten Schritt haben wir diese Fragen von Jugendlichen und jungen Menschen gegenlesen lassen, ob die Antworten möglichst nah den Lebenswelten unserer jungen Menschen dran sind. Dann hat der Diözesanjugendseelsorger Tobias Schwaderlapp, der auch die ganze Kampagne des Erzbistums verantwortet, mit einer Gruppe junger Menschen und uns als Mitarbeitern der Berufungspastoral noch einmal einige Fragen ergänzt, die für uns als Erzbistum sowohl für die Jugendseelsorge als auch für die Berufungspastoral wichtig sind.

domradio.de: Und das sind dann Fragen wonach?

Pfarrer Regamy: Uns ist es wichtig zu sehen, was die Jugendlichen bewegt. Wir haben zum Beispiel die Frage gestellt, welche Menschen die Jugendlichen mit der Gemeinde vor Ort verbinden. Es ist ja nicht mehr so, dass für sie der Priester, der Pfarrer oder der Pastor die Bezugsperson ist. Es gibt ja auch viele ehrenamtliche Mitarbeiter, Katecheten, Kantoren, Küster oder wer auch immer, die mit den Jugendlichen in engem Kontakt stehen. Wir fragen zudem: Was sind die relevanten Themen, die Euch beschäftigen? Wozu sollten wir als Kirche Stellung beziehen? Wo glaubt ihr, dass wir eine Problemlage überhaupt nicht sehen und entdecken?

domradio.de: Die Seite ist erst seit heute online. Alle Infos dazu und natürlich den Fragebogen selbst, findet man unter www.jugend-macht-kirche.de. Können Sie jetzt schon in die Antworten reinschauen?

Pfarrer Regamy: Nein, gerade haben wir einen so großen Zulauf und das ändert sich minütlich, daher geht das noch nicht.

domradio.de: Muss man das anonym machen?

Pfarrer Regamy: Es ist alles anonym, aber wir rechnen damit, dass die meisten, die das anonym ausfüllen, älter als 29 Jahre sind. Wir wollen ja gerade die Jüngeren befragen. Deshalb kann man in unserem Formular nur das Alter von 16- bis 29 Jahren angeben. Wenn extrem viele die 29 Jahre angeben, weil sie älter sind, dann müssen wir noch mal schauen, wie wir die Jüngeren erreichen.

domradio.de: Was passiert mit den Ergebnissen?

Pfarrer Regamy: Einerseits werden die Ergebnisse direkt in die vatikanischen Systeme eingespeist, sodass auch Rom die Rückmeldungen hat. Aber als weiteren Schritt werden wir im Erzbistum Köln die Ergebnisse auswerten und dann werden wir unserem Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki Handlungsempfehlungen vorstellen. Vielleicht werden das Empfehlungen sein, die anregen neue Wege zu gehen. Aber erst mal ist uns wichtig: Wir wollen erst mal hören, was die Jugendlichen eigentlich zu sagen haben.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.


Pfr. Regamy Thillainathan (DR)
Pfr. Regamy Thillainathan / ( DR )
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DR