Cusanuswerk fördert junge Menschen
Cusanuswerk fördert Studenten
Georg Braungart
Georg Braungart

19.05.2016

Leiter des Cusanuswerks zu 60 Jahre katholischer Eliteförderung "Sauerteig für Kirche und Gesellschaft"

Mit prominenten Gästen feiert das katholische Cusanuswerk beim Jahrestreffen zugleich seinen 60. Geburtstag. Über das Jubiläum, die Vergangenheit und die Zukunft spricht der Leiter des Cusanuswerks, Georg Braungart, im Interview.

KNA: "Talente verbinden. Zukunft gestalten." So ist das Treffen des Cusanuswerks von Donnerstag bis Sonntag im westfälischen Geseke überschrieben. Seit 60 Jahren gibt es die Eliteförderung durch das Cusanuswerk. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Georg Braungart (Leiter des Cusanuswerks und Literaturwissenschaftler): Das Cusanuswerk hat in dieser Zeit rund 8.000 besonders begabte katholische Studierende gefördert, von denen sehr viele Verantwortung in Kirche, Staat, Gesellschaft und Wirtschaft übernommen haben. Etwa 40 Prozent arbeiten in Wissenschaft und Forschung. Das Cusanuswerk ist eine feste Größe in der Bildungslandschaft und entwickelt sich ständig weiter.

KNA: Was steht denn Neues an nach dem 60. Geburtstag?

Braungart: Zuerst mal die weitere Professionalisierung unserer Arbeit in Auswahl und ideeller Förderung, aber auch in den Verwaltungsabläufen und der Medienarbeit. Dann eine Verdichtung des cusanischen Netzwerks und eine noch intensivere Kooperation mit den anderen Begabtenförderungswerken - insbesondere dem Evangelischen Studienwerk sowie der jüdischen und der muslimischen Begabtenförderung. Außerdem wollen wir die Kooperation mit "verwandten" Organisationen in der politischen, kulturellen und kirchlichen Landschaft ausbauen, um Synergien für das Cusanuswerk und die von ihm Geförderten zu nutzen.

KNA: Was ist heute anders als früher?

Braungart: Das Werk ist mit der Öffnung der Hochschulen insbesondere in der jüngeren Zeit stark gewachsen. Die Zahl der jeweils aktuellen Stipendiatinnen und Stipendiaten hat sich in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. Das Netzwerk erweitert sich, und darauf müssen wir auch reagieren: etwa mit neuen Preisen und Projekten und mit vertiefter Kommunikation, auch über die neuen Medien.

KNA: Was unterscheidet Cusaner von anderen Menschen?

Braungart: Sie sind eigentlich "Menschen wie Du und ich". Aber durch die Auswahlverfahren, die zusätzlich zur Höchstbegabung auf substanzielles soziales und kulturelles Engagement und auf ein produktives Verhältnis zu ihrer Kirche Wert legen, gibt es durchaus ein besonderes Profil: Cusanerinnen und Cusaner sehen Missstände, packen Dinge an, ergreifen die Initiative und suchen kreative Lösungen. Sie bauen auf. Sie sind untereinander solidarisch, aber sie schmoren nicht im eigenen Saft. Sie sind ein Sauerteig für Kirche und Gesellschaft.

KNA: Es gibt 13 Begabtenförderungswerke in Deutschland. Was ist das spezifische Profil der bischöflichen Studienförderung?

Braungart: Das Katholische in einem umfassenden Sinne. Das ist eine ganz besondere, eigene Identität - jenseits von politischen Richtungen oder sozialer Herkunft. Als Katholiken teilen Cusanerinnen und Cusaner eine tiefe, emotionale Schicht ihrer Person, man kann es auch Spiritualität nennen. Das schafft eine besondere Vertrautheit untereinander. Und daraus wird ein offenes, fröhliches Zugehen auf die Welt möglich. Im Übrigen ist das Cusanuswerk klar am Leistungsgedanken orientiert. Die Ergebnisse bei den Abschlüssen bestätigen das. Wir sind davon überzeugt, dass eine "wertesensible" Förderung sich auch positiv auf die Studienleistungen auswirkt.

KNA: Wie katholisch müssen Cusaner sein?

Braungart: Katholisch eben. Sie haben ein produktives Verhältnis zum Glauben und zur Kirche. Sie gestalten ihr Leben und ihr Umfeld aus der Kraft des Evangeliums. Sie sprechen andern nicht die Katholizität ab und sie sind innerhalb der Zugehörigkeit zur katholischen Kirche pluralistisch und tolerant, selbstständig und ernsthaft.

KNA: Finden Sie denn noch genug katholische Studenten zum Fördern?

Braungart: Wir haben derzeit eine Aufnahmequote von etwa 15 Prozent - das sagt eigentlich schon alles. Wir können leider längst nicht alle Bewerberinnen und Bewerber aufnehmen, die neben der Mitgliedschaft in der katholischen Kirche hervorragende Noten und außergewöhnliches Engagement vorweisen können. Diejenigen, die uns auf diese Weise "verloren" gehen, und die damit verbundenen Enttäuschungen sind auch für uns schmerzlich - auch deshalb arbeiten wir ständig an der Qualität unserer Auswahlprozesse.

KNA: Wie sieht es mit der Unterstützung vonseiten der Bischöfe aus? Und vonseiten der Politik?

Braungart: Die deutschen Bischöfe wissen, dass sie am Cusanuswerk einen "Rohdiamanten" haben, den man polieren und zum Glänzen bringen muss. Das tun sie. Sie fördern das Cusanuswerk kontinuierlich und seit Jahren auf gutem Niveau. So ergänzen sie die staatlichen Stipendienmittel durch kirchliche Gelder und setzen diese produktiv ein für die nachhaltige Wirkung der Kirche in die Gesellschaft hinein. Und die Bischofskonferenz hat uns mit Weihbischof Christoph Hegge aus Münster einen sehr engagierten und verständnisvollen Beauftragten zur Seite gestellt, der unsere Arbeit mit Rat und Tat begleitet und unterstützt. Auch der Verband der Diözesen Deutschlands steht voll hinter unserer Arbeit.

KNA: Sie wollen Elite fördern - wie sollten Menschen sein, die Sie zur Elite zählen? Anders ausgedrückt: Was wünschen Sie sich von Cusanern, die bei Ihnen gefördert wurden, im späteren Leben?

Braungart: Dass sie mit fröhlichem Selbstvertrauen und aus ihrer katholischen Identität heraus ihre Begabungen für andere nutzen; dass sie ihre Ideen einbringen und auch einmal gegen den Mainstream schwimmen; dass sie sich nicht scheuen, Verantwortung zu übernehmen, auch an führender Stelle; und dass sie selbst niemals glauben, sich aufgeben zu müssen. So können sie eine "kooperative Elite" sein.

Das Interview führte Gottfried Bohl.

(KNA)

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