Autor Steinke: Staat muss jüdische Einrichtungen besser schützen
Symbolbild Judentum

21.02.2021

Zentralrat der Juden warnt vor Vorurteilen aus Bildungsmangel "Festjahr ist keine Jubelarie"

Im Kampf gegen Antisemitismus hat der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, mehr Bildung angemahnt. Mangelndes Wissen vor allem über eine Minderheit führe fast immer zu Vorurteilen.

Das sagte Schuster laut Redemanuskript bei der offiziellen Eröffnung des Festjahres zu 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland am Sonntag in Köln.

"Dieses Phänomen mit all seinen schrecklichen Folgen zieht sich wie ein roter Faden durch die deutsch-jüdische Geschichte."

Vorurteile seit Generationen

Auch heute sei zu beobachten, dass jemand, der noch nie einen Juden getroffen habe und sich für das Judentum auch nicht interessiere, antisemitische Vorurteile kenne, betonte Schuster. "Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben - und sie halten sich umso besser, je weniger man über Juden weiß." Dagegen müsse angegangen werden, vor allem in Schulen. Es müsse nicht nur mehr Wissen über das Judentum vermittelt werden, sondern auch stärker über Antisemitismus aufgeklärt werden.

"Wenn quer durch die Gesellschaft gezeigt wird, wie vielfältig jüdisches Leben ist, wenn Juden nicht länger als fremd empfunden werden, dann können wir erreichen, dass manches Vorurteil über Juden endlich ein für alle Mal verschwindet." Er sei optimistisch, so Schuster: "So wie wir es hinbekommen werden, die Corona-Pandemie zu bewältigen, so können wir die Bevölkerung auch stärker gegen Antisemitismus immunisieren."

Über Geschichte informieren

Anhand von Zeugnissen in deutschen Kommunen gebe es die Möglichkeit, sich über die deutsch-jüdische Geschichte zu informieren, sagte Schuster. Im Kölner Stadtzentrum erzählten archäologische Funde von einem aufblühenden jüdischen Leben, aber auch von Ausgrenzung und Vertreibung im Mittelalter. Er nannte das NS-Dokumentationszentrum in der früheren Gestapo-Zentrale von Köln und die Aktion Stolpersteine, die an die Geschichte von in der Schoah ermordeten Juden erinnert.

"Wir werden keine Jubelarie aus diesem Festjahr machen", betonte Schuster. Er freue sich aber sehr, dass jetzt die Möglichkeit bestehe, ein breites Publikum mit jüdischer Tradition und Kultur vertraut zu machen.

Festjahr geht auf das Jahr 321 zurück

Das Festjahr geht auf ein Edikt des römischen Kaisers Konstantin aus dem Jahr 321 zurück, das er nach Köln adressierte: "Mit einem allgemeinen Gesetz erlauben wir allen Stadträten, Juden in den Rat zu berufen." Das Dokument gilt als der früheste schriftliche Nachweis für jüdisches Leben nördlich der Alpen. Es wird heute im Vatikan aufbewahrt.

(KNA)

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