Kippot/Symbolbild Judentum
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Gruppe lachender Menschen
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04.01.2021

Eine Einladung zum herzhaften Lachen "#Antisemitismus für Anfänger"

Dass Judenwitze etwas anderes sind als jüdischer Humor, darauf weist der letzte Cartoon in diesem Buch eindrücklich hin. "#Antisemitismus für Anfänger" enthält witzige und nachdenkliche Zeichnungen und satirische Texte.

Eine Party mit elegant gekleideten Gästen, die plaudern und Getränke in der Hand halten. Ein kleiner, korpulenter Mann mit Glatze und Haarkranz steht neben einer großen Frau mit auffälliger Frisur, vermutlich seiner Gattin, die von einer anderen Frau gefragt wird: "Ihr konvertiert zum Judentum? Warum?" Die auffällig Frisierte darauf: "Wir wollen auch Teil dieser Weltverschwörung werden!"

Versuch's mal mit Humor - das mögen sich Myriam Halberstam und ihre Mitstreiter gedacht haben, als sie das Büchlein "#Antisemitismus für Anfänger" herausbrachten. Auf dem Cover ist eben jener Cartoon zu sehen. Der Band ist in dem von Halberstam gegründeten Ariella Verlag erschienen und versammelt Bilder und Texte, um die Abgründe des Judenhasses und seine teils bitter-absurden Ausprägungen zu zeigen - humorig und nachdenklich zugleich.

Das Komische und das Blöde

Der Verlag will mit dem Buch "das Komische und das zutiefst menschlich Blöde im unbewussten und latenten Antisemitismus" zeigen. Und Ellen Presser schreibt im Vorwort: "Satiriker und Cartoonisten sehen Dinge voraus, kommentieren klar, wo die meisten von uns höchstens ein vages Unbehagen spüren".

Eine Straßenszene vor einem Dönerladen und einem Internetcafe. An einer Frau mit Kopftuch und langem Gewand läuft ein Jude vorüber, erkennbar an seinem Mantel, langem Bart und seiner ein Klischee aufgreifenden langen Nase. Darunter: "Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung warnt Juden davor, die Kippa in muslimischen Vierteln zu tragen." Der vorübergehende Jude trägt einen riesigen Sombrero auf dem Kopf.

Oder: Zwei ältere Männer sitzen beim Bier zusammen. Sagt der eine mit wissendem Gesichtsausdruck und ganz nah am Ohr des anderen: "Man darf nicht alles glauben. Die ganzen Verschwörungstheorien werden doch zentral gesteuert!" Ein weiterer Cartoon zeigt einen Journalisten, der vor einer mit Hakenkreuzen beschmierten Synagogentür steht und dies in die Fernsehkamera sagt: "Die Polizei schließt antisemitische Motive bei diesem Anschlag nicht völlig aus."

Namhafte Zeichner greifen gängige Vorurteile auf

Die Cartoons stammen von namhaften Zeichnern wie beispielsweise "Stern"-Cartoonist Til Mette, Sam Gross vom "New Yorker", der Trägerin des Deutschen Karikaturenpreises, Miriam Wurster, und der Cartoonpreisträgerin Katharina Greve. Unter den Textern nehmen der Schriftsteller Wladimir Kaminer und die Bloggerin Juna Grossmann gängige Vorurteile und Klischees etwa zur Beschneidung oder zum Äußeren von Juden aufs Korn.

Die Schauspielerin Vivian Kanner sinniert darüber, woran Juden so alles schuld sein sollen: "...Ob es Krieg gibt oder Frieden, ob dich Tinder ignoriert, ob bei Insta unzufrieden, ob die Freundin dich blockiert, ob dein Konto mal gesperrt ist, ob die Miete sich erhöht, ob das Passwort mal verkehrt ist, ob das WLAN nicht mehr geht. An allem sind die Juden schuld..." Der freie Autor Alan Posener berichtet, warum er als Kind einfach nicht glauben wollte, dass sein Vater deutscher Jude sei, und der Autor und Kolumnist Michael Wuliger schreibt über eine "Plattensee-Verschwörung".

Darf man über Antisemitismus lachen?

Der Ariella Verlag ist der bundesweit erste deutsch-jüdische Kinderbuchverlag seit der Schoah. Die amerikanische Filmemacherin, Journalistin und Autorin Halberstam gründete ihn 2010 in Berlin. Der Verlag ist Träger des Deutschen Verlagspreises 2020 und möchte Lesern das Judentum auf "spielerisch-lustvolle Weise" näher bringen.

Lustvoll ist auch dieser Band, und die möglicherweise aufkommende Frage, ob man über Antisemitismus lachen darf, beantwortet Halberstam in ihrem Nachwort deutlich: "Ja, die Juden dürfen das!! - Und die Nichtjuden auch!" Wie immer im Leben mache auch hier der Ton die Musik.

Es lohnt, erneut an den Anfang des Buches zu blättern, wenn Presser an Kurt Tucholsky und einen Beitrag von ihm für die "Weltbühne" aus dem Jahr 1931 erinnert: "Antisemitismus ... Herrschaften, warum engagiert ihr nicht mich! Für 67,50 Mark monatlich und freie Pension mit zweimaligem sonntäglichen Ausgang liefere ich euch über die Juden ein Material, das wenigstens echt ist - ihr kennt sie nicht einmal."

Leticia Witte
(KNA)

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