Verkleidete Teilnehmer einer Feier am Purimfest
Verkleidete Teilnehmer einer Feier am Purimfest
Anstoßen mit Wein
Anstoßen mit Wein

09.03.2020

Das jüdische Fest Purim und der Alkohol Nicht mehr zwischen Gut und Böse unterscheiden können

Prost! Am jüdischen Fest Purim spielen nicht nur Kostüme und gute Speisen eine Rolle. Es soll auch getrunken werden - nicht zu knapp. Doch mitunter macht das Coronavirus den Feiernden einen Strich durch die Rechnung.

Es ist ein ausgelassenes jüdisches Fest: An Purim verkleiden sich vor allem Kinder; Familien und Freunde essen und trinken gemeinsam. In diesem Jahr wird Purim am Dienstag begangen, es beginnt bereits am Abend des Vortages. Alkohol spielt an dem Fest eine Rolle, durchaus auch in größeren Mengen. Denn eines der Gebote für das Fest lautet, so viel Wein zu trinken, dass man sozusagen nicht mehr zwischen Gut und Böse unterscheiden kann. Was das genau bedeutet, ist Auslegungssache.

Warum spielt Alkohol an Purim so eine große Rolle?

Manche nähmen den Aufruf zum Rausch wörtlich, sagt der orthodoxe Rabbiner Jehoschua Ahrens aus Darmstadt. Andere wiederum verstünden es so, einfach etwas mehr Alkohol als üblich zu trinken. Und in Israel warnen zu Purim immer wieder ultraorthodoxe Rabbiner vor moralischem Verfall oder Todesfällen wegen Alkoholfahrten.

"Heutzutage muss man aus religiösen Gründen nicht unbedingt Wein trinken", erklärt Rabbiner Ahrens. So wie es an Purim für Mädchen und Jungen Traubensaft gebe, könnten auch Erwachsene, die etwa ein Auto steuern oder wegen einer Alkoholerkrankung Wein und Co. meiden müssten, darauf zurückgreifen. Hier und da höre er auch in seinen Seelsorgegesprächen von Problemen mit Alkohol, sagt Ahrens.

Aber warum spielt Alkohol an Purim überhaupt so eine große Rolle? An dem Feiertag wird die Rettung der Juden vor der Vernichtung durch die Perser gefeiert. Das biblische Buch Esther berichtet, dass der Judenfeind Haman an einem durch ein Los (pur) bestimmten Tag alle Juden in Persien umbringen wollte. Die Königin Esther konnte dies jedoch verhindern, die Juden wurden dem Schutz des persischen Königs unterstellt, Haman und seine Gehilfen getötet.

Am Purimfest liest der Rabbiner in der Synagoge aus der Estherrolle. Fällt der Name Haman, übertönen ihn die Anwesenden mit lauten Geräuschen, Kinder nutzen dafür Rasseln. Und nun kommt der Alkohol ins Spiel: Man soll bei den Feierlichkeiten nach dem Synagogenbesuch so viel Wein trinken, dass man nicht mehr zwischen "Gesegnet sei Mordechai" (Gut) und "Verflucht sei Haman" (Böse) unterscheiden kann.

Absagen des Festes wegen des Coronavirus 

Zu Purim gehört aber nicht nur Alkohol. Gerne gegessen wird etwa ein dreieckiges Gebäck, das Hamantaschen genannt wird. Zudem werden Essen und Geschenke an die Familie und auch an arme Menschen verteilt. Am Tag vor Purim wird gefastet. 

Doch wie wird Purim in diesem Jahr angesichts des sich verbreitenden Coronavirus verlaufen? Vor allem aus dem Ausland hört man in diesen Tagen von Absagen des Festes, zum Beispiel in Gemeinden in den USA und in Israel. Auch in Mailand war entschieden worden, Purimfeiern nicht abzuhalten. Mit Blick auf Deutschland sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, der "Jüdischen Allgemeinen": "Die Einzelfallentscheidungen müssen die Gemeinden vor Ort treffen, in Absprache mit der Gesundheitsbehörde."

Kürzlich äußerte sich die Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER) allgemein zu religiösen Praktiken in Zeiten des Coronavirus. Sie riet dazu, möglichst keine Mezuzot genannten traditionellen Schriftkapseln an Türpfosten oder gemeinschaftlich genutzte Gebetbücher zu küssen. Menschen, die sich nicht wohlfühlen, sollten daheim bleiben.

CER-Präsident Pinchas Goldschmidt erklärte mit Blick auf den Fasttag vor Purim-Beginn, "dass diejenigen, die sich in Quarantäne befinden oder mit dem Virus infiziert sind oder waren, nicht fasten sollten, auch wenn sie sich gut fühlen". Von einem Besuch der Synagogen rät Goldschmidt auch weiterhin nicht ab.

Wein galt ursprünglich als etwas Besonderes

Was den Alkohol im Judentum generell angeht, gibt es nach den Worten von Rabbiner Ahrens "keine großen Unterschiede" zwischen den einzelnen Strömungen innerhalb der Religion. Wie in anderen Dingen werde gerne ein "pragmatischer Mittelweg" gewählt: Das Judentum sei weder grundsätzlich gegen noch für einen ausufernden Alkoholgenuss, der möglicherweise Fehlverhalten nach sich ziehen könnte.

Denn nicht zuletzt hat der Wein an Feiertagen und am Schabbat einen herausgehobenen Stellenwert. Bei der Einleitung des Schabbat, dem wöchentlichen jüdischen Ruhetag, wird ein Segensspruch (Kiddusch) über den Wein gesprochen. Nicht nur an Purim, sondern auch am Pessachfest, wenn an das Wunder des Auszugs des Volkes Israel aus Ägypten erinnert wird, trinkt man Wein - angedacht sind vier Gläser.

"Der Wein galt ursprünglich auch als etwas Besonderes und Luxuriöses, ähnlich wie Fleisch", erklärt Ahrens. Der Segen über den Wein werde immer dann gesprochen, wenn "eine Zeit geheiligt" werde - so wie etwa an Purim, wenn fröhlich an eine Rettung der Juden erinnert wird.

Von Leticia Witte

(KNA)

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