Davidstern an der Außenfassade der Synagoge Beith-Schalom in Speyer
Davidstern an der Außenfassade der Synagoge Beith-Schalom in Speyer

26.01.2020

Jüdische SchUM-Gemeinden am Rhein auf dem Weg zum Welterbe Einzigartiges Zeugnis jüdischer Kultur

Mainz, Speyer und Worms waren im Mittelalter innovative jüdische Zentren mit Einfluss in ganz Europa. Noch heute zeugen Bauwerke vom früheren Glanz der SchUM-Gemeinden - und sollen nun Welterbe der Unesco werden.

Sie prägten jahrhundertelang Kultur, Glaube und Tradition des west- und mitteleuropäischen Judentums und gelten bis heute als Inbegriff einer geistesgeschichtlichen Blütezeit: die SchUM-Gemeinden am Rhein. Im kommenden Jahr könnten sie den Status als Welterbe der Unesco erhalten. Den entsprechenden Antrag will Deutschland am Donnerstag in Paris einreichen.

Schipra, Warmaisa, Magenza

SchUM setzt sich aus den hebräischen Anfangsbuchstaben für die Städte Speyer, Worms und Mainz zusammen: Schin (Sch) für Schpira, Waw (U) für Warmaisa und Mem (M) für Magenza. Im Jahr 1200, in der Phase ihrer größten Bedeutung, schlossen sich die drei jüdischen Niederlassungen zu einem Bündnis zusammen und gaben sich gemeinsame Regeln. Kulturell-intellektuelle Errungenschaften und Architektur gingen am Rhein Hand in Hand. Sie verschafften den Gemeinden international einen Namen und prägten Liturgie, Rechtsprechung und Gemeindeleben des Judentums in West- und Mitteleuropa.

Viele Informationen zu den SchUM-Gemeinden überliefern bis heute Grabsteine: Die jüdische Gemeinde Mainz legte 1926 einen einzigartigen Denkmalfriedhof an, der von der wechselvollen Geschichte der Juden in der Region zeugt. Auf dem Friedhof finden sich etwa 180 historische jüdische Grabsteine, darunter auch der wohl älteste jüdische Grabstein nördlich der Alpen, datiert auf das Jahr 1049. Gefunden wurden viele Steine auch verbaut in Brücken, Türmen oder Häusern. Sie waren nach der Plünderung des alten Friedhofs 1438 zweckentfremdet worden.

Jüdischer Friedhof in Worms

Nur wenige Kilometer entfernt, in Worms, liegt der bedeutendste jüdische Friedhof Europas: Seit dem elften Jahrhundert wurden dort sterbliche Überreste beigesetzt; von heute insgesamt 2.500 Grabsteinen sind etwa 800 aus dem Mittelalter erhalten. "Der Reichtum der Grabsteine in Worms ist weltweit unübertroffen", sagt der Trierer Historiker Christoph Cluse. Die Steine liefern Daten und stehen für Geschichte. Beide Friedhöfe gehören ebenso wie der Synagogenkomplex in Worms und der "Judenhof" in Speyer mit Synagoge, Mikwe und Frauensynagoge zum Welterbe-Antrag.

Für Welterbe-würdig hält Cluse das, was in Speyer, Worms und Mainz die Ursprünge der Gemeinden sichtbar macht: Teile mittelalterlicher Synagogen, Ritualbäder und Gemeindehäuser. Dazu Relikte der ersten Frauensynagogen nördlich der Alpen. "Vorstellungen von Kult, Gelehrsamkeit und Reinheit verbinden sich hier eng", sagt der Historiker, der den rund 1.000-seitigen Welterbe-Antrag mit erarbeitet hat. Mit SchUM verbinden sich zugleich religiöse Autoritäten. Etwa der als "Leuchte der Diaspora" verehrte Rabbiner Gerschom ben Jehuda oder Salomo ben Isaak, genannt "Raschi". Sein Bibelkommentar gilt im Judentum bis heute als wichtiges Werk.

Modellhaftigkeit, Anschaulichkeit und Bezug zur Tradition

Für die Auszeichnung als Welterbe muss ein Gut laut Unesco von "außergewöhnlichem universellen Wert" sein. Der SchUM-Antrag konzentriert sich dazu auf drei Unesco-Kriterien: Modellhaftigkeit, Anschaulichkeit und Bezug zur Tradition. Außerdem umfasst der Antrag eine historische Einordnung und einen Vorschlag, wie die Stätten erhalten und touristisch zugänglich gemacht werden können.

Eine Herausforderung stellt dar, dass die Unesco "historisch echte" und "unversehrte" Güter erwartet. Eine Grafik veranschaulicht deshalb beispielsweise die unterschiedlichen Materialschichten der Wormser Synagoge: Vom ersten Bau 1034 blieb demnach nur eine Stifterinschrift erhalten, die 1174/75 in einen größeren Neubau integriert wurde. Die Nationalsozialisten setzten die Synagoge 1938 in Brand und sprengten sie 1939. Ab 1957 wurde sie wieder aufgebaut, 1961 eingeweiht. "Aber auch die Zerstörung ist ein Teil jüdischer Geschichte und sehr aussagekräftig dafür, was jüdisches Leben in der Diaspora bedeutet", erklärt Cluse. Den Wiederaufbau bestimmter Teile sehe er daher nicht als Hindernis für den Welterbe-Status.

Anna Fries
(KNA)

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