Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem
Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit Yisrael Meir Lau, ehemaliger Vorsitzender von Yad Vashem
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit Yisrael Meir Lau, ehemaliger Vorsitzender von Yad Vashem
Staatschefs beim Holocaust-Gedenken in Israel
Staatschefs beim Holocaust-Gedenken in Israel

24.01.2020

Holocaust-Gedenken in Jerusalem Steinmeier: Stehen zu Israel

Rund 50 Staats- und Regierungschefs, Vertreter des Judentums sowie Holocaust-Überlebende haben am Donnerstag der Befreiung des NS-Todeslagers Auschwitz vor 75 Jahren gedacht. Bundespräsident Steinmeier bekräftigte den Kampf gegen Antisemitismus.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erinnerte in seiner Rede an die historische Schuld und Verantwortung Deutschlands. Angesichts des bleibenden Bösen dürfe es "keinen Schlussstrich unter das Erinnern geben". Steinmeier war der erste deutsche Präsident, der eine Rede in der Gedenkstätte hält.

Steinmeier: Wir trotzen dem Gift des Nationalismus

Er versprach für Deutschland: "Wir bekämpfen den Antisemitismus! Wir trotzen dem Gift des Nationalismus! Wir schützen jüdisches Leben! Wir stehen an der Seite Israels!" Gleichzeitig warnte der Bundespräsident vor einem Rückfall in antisemitisches, völkisches oder autoritäres Denken. "Wir wissen: Jeder Friede bleibt zerbrechlich. Und als Menschen bleiben wir verführbar."

Zugleich erneuerte Steinmeier das Bekenntnis zur Schuld der Deutschen. "Die Mörder, die Wachleute, die Helfershelfer, die Mitläufer: Sie waren Deutsche." Der "industrielle Massenmord an sechs Millionen Jüdinnen und Juden" und der "grausame Krieg" mit weit mehr als 50 Millionen Toten seien von Deutschland ausgegangen.

Putin warnt vor Politisierung des Holocaust

Israels Staatspräsident Reuven Rivlin forderte ein vereintes internationales Vorgehen gegen die "chronische Krankheit" Antisemitismus. Sie komme "von links und von rechts und nimmt in der Geschichte Formen an und legt sie wieder ab", so Rivlin. Der Staat Israel sei "eine Kompensierung für den Holocaust" - ein Staat, der Partnerschaft suche und Partnerschaft fordere. Israel sei kein Opfer, sondern werde sich immer verteidigen.

Russlands Präsident Wladimir Putin warnte vor einer Politisierung des Holocaust und des Gedenkens an die Opfer. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu rief die Welt auf, sein Land gegen den Iran zu unterstützen. Besorgt warte er auf eine einheitliche Position der Welt "gegen das antisemitischste Regime der Welt, das nach der Entwicklung einer Atomwaffe strebt, einzig und allein, um den jüdischen Staat zu zerstören". Das internationale "Nie wieder" dürfe "nicht zu einem leeren Schlagwort verkommen", sondern müsse eine "kontinuierliche Handlungsanweisung" sein.

Holocaust-Forum: 2050 keine Juden in Europa mehr 

Der Präsident des Welt-Holocaust-Forums, Mosche Kantor, warnte, bei einem unveränderten Grad von Auswanderung könnte es 2050 keine Juden in Europa mehr geben. Die Präsidenten von EU-Kommission, EU-Parlament und Europäischem Rat, Ursula von der Leyen, David Sassoli und Charles Michel, nannten den Holocaust in einer gemeinsamen Erklärung eine "europäische Tragödie". Europa stehe derzeit an einem Scheideweg. Die Zahl der Überlebenden von damals nehme ab; es brauche neue Wege, um die Erinnerung lebendig zu halten.

In ganzseitigen Zeitungsanzeigen warnte Polens Präsident Andrzej Duda, der nicht nach Jerusalem gereist war, vor einer Verfälschung der Geschichte des Völkermords an den Juden. Die Wahrheit über den Holocaust dürfe "nicht verzerrt oder für irgendeinen Zweck instrumentalisiert werden". Das Gedenken an die Tragödie des Holocaust solle ein wichtiges und dauerhaftes Element der Friedenserziehung sein. Duda veröffentlichte seine Erklärung in der "Welt", "Le Figaro" (Paris) und der "Washington Post". Warschau und Moskau werfen sich seit Wochen gegenseitig Geschichtsfälschung vor.

Vertreter des Islam: "Verbrechen gegen die Menschheit"

Als bislang ranghöchster Muslim besuchte unterdessen der Generalsekretär der Islamischen Weltliga, Sheikh Mohammad Alissa, das frühere deutsche Vernichtungslager Auschwitz. Er sprach von einem "Verbrechen gegen die Menschheit" und betete gen Mekka. Alissa besichtigte die Gedenkstätte gemeinsam mit dem Geschäftsführer des American Jewish Committee (AJC), David Harris. Die beiden Delegationen wollen an diesem Freitag das Museum der Geschichte der polnischen Juden in Warschau besuchen und in einer Synagoge für gegenseitigen Respekt beten.

Von Andrea Krogmann

(KNA)

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