Davidstern
Grab mit dem Davidstern
Bischof Michael Gerber
Der Bischof von Fulda, Michael Gerber
Bischof Ulrich Neymeyr
Bischof Ulrich Neymeyr
Josef Schuster
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

09.11.2019

Kirchenvertreter zu Novemberpogromen vor 81 Jahren "Unfassbarer Kulturbruch"

Als "unfassbaren Kulturbruch" hat der Fuldaer Bischof Michael Gerber die Zerstörung der Synagogen durch die Nationalsozialisten im Jahr 1938 bezeichnet. Die Judenverfolgung dürfe am Tag des Mauerfall-Gedenken nicht vergessen werden.

"Die Wohnstätten des Gottesvolkes wurden zerstört, die Türen der Synagogen gewaltsam aufgebrochen", sagte Gerber am Donnerstagabend in Fulda anlässlich des 81. Jahrestages der Novemberpogrome.

Eine "Mahnung für uns"

Gerber erinnerte bei seiner Ansprache am Platz der ehemaligen Synagoge in Fulda zugleich an den Anschlag auf die Synagoge von Halle vom 9. Oktober 2019: "Die Tür der Synagoge in Halle hielt stand, als der Angreifer vor wenigen Wochen voller Hass versuchte, Tod und Vernichtung in die Synagoge zu bringen."

Die sichtbaren Einschusslöcher an der Synagogentür in Halle und der heute leere Platz der einstigen Fuldaer Synagoge sollten eine "Mahnung für uns" sein, füreinander einzutreten, so der katholische Bischof. Bei den vom NS-Regime organisierten Novemberpogromen vor 81 Jahren seien nur wenige Menschen da gewesen, die "ihre Türen öffneten, um verfolgten Juden ein Versteck zu bieten".

Bischof Neymeyr: Der Kultur in Deutschland heute schuldig

Unterdessen hat sich auch der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr zum Tag des Gedenkens an die Zerstörung jüdischer Gotteshäuser geäußert. Der Fall der Mauer "als Mahnmal an die menschenverachtende und judenhassende NS-Diktatur" dürfe nicht bedeuten, "dass die Erinnerungskultur an die Schoa fällt", betonte der Bischof des Bistums Erfurt. "Wir sind sie den Opfern schuldig und der Kultur in Deutschland heute."

Schuster: Innehalten und zurückblicken

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, könne nachvollziehen, dass in diesem Jahr der 30. Jahrestag des Mauerfalls einen besonderen Stellenwert einnehme, sagte Schuster im Interview der "Nordwest-Zeitung" am Samstag. Deshalb dürfe man aber nicht die Geschehnisse des 9. November 1938 vergessen. Die damaligen Pogrome hätten jedem deutlich gemacht, in welche Richtung sich der Nationalsozialismus entwickelt. "Es ist gut, wenn es solche Art von festen Gedenktagen gibt, die uns dazu veranlassen, innezuhalten und zurückzublicken", so Schuster.

Angesichts zunehmender antisemitischer Vorfälle mahnte der Zentralratspräsident, einen kühlen Kopf zu bewahren. "Es ist nicht so, dass man sich als Jude in Deutschland verstecken muss", erklärte er. Es gebe jedoch Brennpunkte, "insbesondere in den Metropolen. Ich denke hier zum Beispiel an Berlin oder Dortmund." Dies müsse "mit Intensität" bekämpft werden.

Jüdische Gemeinde in Halle wünscht sich Ruhe

Die Jüdische Gemeinde in Halle wünscht sich einen Monat nach dem Anschlag auf ihre Synagoge einen ruhigen Alltag. "Wir können kein normales Gemeindeleben mehr führen, weil wir ständig an den Anschlag erinnert werden. Das wühlt uns auf und lässt uns nicht zur Ruhe kommen", sagte der Vorsitzende Max Privorozki im Interview der "Süddeutschen Zeitung" am Samstag. Politiker und Medien hätten "ein zu großes Interesse, mit uns zu reden".

Derzeit werde ein neues Sicherheitskonzept für das Gotteshaus erstellt, fügte Privorozki hinzu. So solle neue Technik eingebaut werden, und es stehe bereits ständig eine Polizeistreife vor der Synagoge. Es sei "natürlich wirklich traurig", dass dieser Schutz nötig sei, so der Gemeindevorsitzende. Er erklärte jedoch auch: "Wenn wir jetzt keine Maßnahmen ergreifen gegen Antisemitismus und Judenhass, weiß ich nicht, ob die jüdische Gemeinschaft in Deutschland überhaupt noch eine Zukunft hat." Der Antisemitismus in Deutschland werde "mit großer Geschwindigkeit immer krasser".

Er selbst fühle sich "schon seit ein paar Jahren nicht mehr so wohl in meiner Stadt, in meinem Land", sagte Privorozki. Er habe bereits daran gedacht, nach Israel auszuwandern. Und weiter: "Ich sehe Paralleln zwischen dem 9. November 1938 und dem 9. Oktober 2019". Am 9. Oktober hatte in Halle ein Mann versucht, in die Synagoge einzudringen, und zwei Menschen in der Nähe des Gotteshauses erschossen. Bei den Behörden gab der Mann an, aus rechtsextremen Motiven gehandelt zu haben.

(KNA)

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