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Kathedrale von Palma de Mallorca
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20.08.2019

Mallorcas konvertierte Juden Bis heute ein Konfliktthema

Bis vor wenigen Jahren fanden Mallorca-Touristen im Herzen Palmas besondere Schmuckläden von "Xuetes", Nachfahren konvertierter Juden. Deren Schicksal erforscht die Historikerin Laura Miro. Und erntet dafür nicht nur Lob.

Mit ihren 26 Jahren hat Laura Miro schon viel erreicht. Nicht nur, dass sie nach ihrem Geschichtsstudium einen Doktoranden-Platz an der Balearen-Uni auf Mallorca erhielt - auch ein Buch mit ihren Forschungsergebnissen über die Geschichte der "Xuetes" ist jetzt erschienen; jener Nachfahren von Juden auf Mallorca, die in Zeiten der Inquisition gezwungen waren, zum Katholizismus zu konvertieren, und die bis heute anhand ihrer Nachnamen identifizierbar sind. Nicht alle begrüßen, dass sie sich mit dem Thema befasst.

Bonnin, Aguilo, Cortes, Fuster, Forteza, Marti, Miro, Pico, Pomar, Pinya, Segura, Tarongi, Valls, Valenti und Valleriola - wer diese Nachnamen trägt, war einst als Xueta gebrandmarkt. Laura Miro Bonnin trägt gleich zwei davon. Anders als ihre Großmutter macht sie kein Aufhebens darum. "Anders als sie habe ich deshalb aber auch nie Nachteile erfahren und bin auch nicht diskriminiert worden", so die Historikerin.

Frühere Intoleranz gegenüber den Xuetes

Dass es zwei Generationen zuvor in der mallorquinischen Gesellschaft noch gang und gäbe war, die "Xuetes" zu verspotten oder zu meiden, wird in dem Band "La contemporaneitat xueta" (etwa: "Die Xuetes in der Gegenwart") deutlich, den sie mithilfe ihres Doktorvaters David Ginard i Feron veröffentlicht hat. Darin beschreibt sie, wie es noch in den 80er Jahren zu rassistischen Vorfällen kam - etwa Hakenkreuz-Graffiti auf Gedenktafeln für Persönlichkeiten in Palma, die ebenfalls von konvertierten Juden abstammen.

"Es ist nicht nötig, bis ins Mittelalter zurückzugehen, um die Intoleranz gegenüber den Xuetes aufzudecken", berichtet sie aus ihren Archivrecherchen und Gesprächen mit Zeitzeugen. "Noch bis vor kurzem litten die Menschen darunter." So hätten bei einer Umfrage der Balearen-Uni von 2001 noch 30 Prozent der Befragten angegeben, lieber keine engere Freundschaft mit einem Xueta eingehen zu wollen. 

Die Diskriminierung hat auch im Sprachgebrauch Spuren hinterlassen. "Ältere Menschen benutzen das Wort xueta immer noch eher negativ - für jemanden, der geizig ist und nur arbeitet, statt zu leben. Einige junge Leute plappern es einfach nach, dabei können viele gar nichts mehr mit dem Begriff anfangen, sie haben keine Ahnung." 

Vorurteile gehören Vergangenheit an

Natürlich sei es positiv, dass inzwischen Ausgrenzung und Vorurteile gegen Xuetes praktisch der Vergangenheit angehörten, sagt die Historikerin. "Aber heute werden dafür andere diskriminiert, Südamerikaner oder Muslime. Deshalb ist es wichtig, vor der Geschichte nicht die Augen zu verschließen, sondern aus ihr zu lernen." Miro geht regelmäßig an Schulen, um jungen Mallorquinern vom Schicksal der Xuetes zu erzählen. "Meist sind die Schüler entsetzt, und vielleicht macht sie das letztlich auch anderen Menschen gegenüber toleranter und schützt vor Rassismus oder Mobbing", hofft sie.

Dass der Begriff Xuetes auf Mallorca kaum noch von Bedeutung ist, mag auch daran liegen, dass es keine Ballungszentren der jüdischen Nachfahren mehr gibt. Noch vor 30 Jahren war der heutige Carrer Argenteria im Zentrum von Palma bekannt für seine Schmuckläden und Goldschmieden, die überwiegend von xuetes betrieben wurden. Auch Miros Vater hatte dort bis vor 15 Jahren ein Juweliergeschäft. "Aber wie die meisten musste er es aufgeben, weil einfach keine Nachfrage mehr bestand."

Eine spezielle Kultur hätten die Xuetes ohnehin nicht gepflegt - schließlich verbrachten sie Jahrhunderte damit, im erzkatholischen Mallorca als Vorzeigekatholiken dazustehen und dem Verdacht entgegenzuwirken, heimlich noch immer die jüdische Religion zu praktizieren. "Daher übrigens auch der Begriff Xueta", so Miro. Es erinnert an das mallorquinische Wort "xulla" (Speck), da viele der Zwangskonvertierten im Mittelalter demonstrativ Schweinefleisch aßen, um möglichen Hinrichtungen zu entgehen. Dass sie trotzdem meist untereinander heirateten, habe an der Ausgrenzung durch die Bevölkerung gelegen.

"Eine richtige Xuetes-Gemeinschaft gibt es auf Mallorca nicht mehr", berichtet Miro. Dabei fände sie es gut, wenn es mehr Einheit unter den jüdischen Nachfahren gäbe. Nicht, um sich abzugrenzen. Sondern als weiterer Schritt gegen das Vergessen.

Sophie Mono (Redakteurin der Mallorca Zeitung)
(KNA)

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