Wie sieht die Zukunft für Juden in Deutschland aus?
Wie sieht die Zukunft für Juden in Deutschland aus?

08.11.2018

Selbstbewusster Blick in die Zukunft nach Jüdischem Kongress Vielfalt und Tatendrang

Der Wille, mit eigenen Ideen und Vorstellungen die Gesellschaft in Deutschland mitzugestalten - das ist der Tenor nach dem ersten Jüdischen Zukunftskongress in Berlin. Und: Der Blick nach vorn ist nicht alles.

Über die Zukunft der jüdischen Gemeinschaft wurde auch an historischem Ort diskutiert. Vier Tage lang sprachen - und seltener auch stritten -  Experten, Studenten, Alte, Junge und viele andere Interessierte auf dem ersten Jüdischen Zukunftskongress in Berlin. Zum Beispiel in der ehemaligen Neuen Synagoge an der Oranienburger Straße. Sie war einst das größte jüdische Gotteshaus Deutschlands und beherbergt heute das Centrum Judaicum.

Am Donnerstag endete dort der Kongress mit seinem inhaltlichen Teil. Bis Sonntag dauert noch ein Kulturprogramm an.

Sich aktiv in die Gesellschaft einbringen

"Fehlt dir was? Mach was" - diese Äußerung einer jungen Teilnehmerin machte die Stoßrichtung deutlich, die zahlreiche Debattenbeiträge nahmen: selbst aktiv werden, um etwas in den jüdischen Gemeinden auf die Beine zu stellen oder auch sich in die Gesellschaft einzubringen. Immer wieder wurde deutlich, dass die jüdische Gemeinschaft in Deutschland sich durch eine große Vielfalt auszeichnet.

Und auch dies: Heute wollen Juden sich aktiv und mit eigenen Ideen in die Gesellschaft einbringen - und dabei nicht immer den Erwartungen der Mehrheit entsprechen, was etwa Formen des Gedenkens oder die Festlegung auf Themen wie Antisemitismus, die Schoah oder den Nahost-Konflikt anbelangt. "Es gibt Juden, die ihr Selbstbewusstsein aus anderen Ressourcen ziehen", betonte zum Beispiel Doron Kiesel vom Zentralrat der Juden in Deutschland.  

Zwei Denkfabriken geplant

Die Vielfalt innerhalb der Gemeinschaft kann offensichtlich produktiv sein, was sich an verschiedenen Beispielen zeigt: auch nichtjüdische Ehepartner in die Gemeinde einzuladen oder studentische Initiativen wie "Studentim" in Berlin zu gründen.

Vielfalt bedeutet aber auch Unterschiede und Positionen, die sich nicht immer vertragen: "Ich glaube, wir sind noch nicht so weit, gemeinsam loszulaufen", sagte die Konfliktforscherin Neta-Paulina Wagner von der Radboud University Nijmegen. Der Zukunftskongress habe aber wichtige Themen angerissen.

Angerissen wurde etwa die Idee von Denkfabriken. In Planung sind ein jüdischer und ein jüdisch-muslimischer Thinktank, an denen sich viele verschiedene Organisationen und Gruppen beteiligen wollen, um sich in gesellschaftspolitische Debatten einzubringen. Ein Zeitpunkt für die Gründung dieser Denkfabriken steht bisher nicht fest.

Der Geschäftsführer des Zentralrats der Juden, Daniel Botmann, plädierte außerdem dafür, nicht in einer "Berliner Blase" zu agieren und auch die Gemeinden außerhalb größerer Zentren in den Blick zu nehmen.

Gideon Joffe: "Sekundären Antisemitismus" vermeiden

Der Zukunftskongress endete unmittelbar vor dem 80. Jahrestag der NS-Novemberpogrome an diesem Freitag. Da lag es nahe, dass die Frage nach der Form des Gedenkens mehrfach aufkam. Gleich zu Beginn des Kongresses betonte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, dass die Erinnerung an den Holocaust zwar weiter notwendig sei. Doch müsse die Form überdacht werden.

Um einen "sekundären Antisemitismus" zu vermeiden, der sich aus der Abwehr von Schuldgefühlen speise, solle nicht nur an die Verbrechen der Nationalsozialisten an den Juden als der "größten Opfergruppe" erinnert werden, sondern auch an die Verbrechen am deutschen Volk allgemein.

Zu den unterschiedlichen Arten der Erinnerung gehört auch, dass bei den seit den 1990er Jahren nach Deutschland zugezogenen Juden aus der Ex-Sowjetunion der 8. Mai als Tag des Sieges über Hitler-Deutschland eine große Rolle gespielt hat. In den Debatten auf dem Kongress ging es auch um das "digitale Gedächtnis" und dass es dabei auch gewisse Risiken in den Darstellungsformen gebe.

Alles in allem zeigten Debatten über die Erinnerungskultur, dass etwas passiere und in Bewegung sei, sagte die Direktorin des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg, Miriam Rürup. Zum Ende des Kongresses unter dem Motto "Weil ich hier leben will" gab Doron Kiesel den Teilnehmern mit auf den Weg, dass zum jüdischen Selbstbewusstsein auch das Wissen gehöre, "woher ich komme". Und, mit Blick auf das Kongressmotto: "In dem Moment, in dem ich etwas will, kann ich auch gestalten."

Von Leticia Witte

(KNA)

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