Schüsse an Synagoge in Pittsburgh
Schüsse an Synagoge in Pittsburgh
 Links ist das Gebäude einer Synagoge zu sehen. Hier sind am Samstag tödliche Schüsse gefallen.
Links ist das Gebäude einer Synagoge zu sehen. Hier sind am Samstag tödliche Schüsse gefallen.
Polizisten sichern den Tatort um die "Tree of Life" Synagoge
Polizisten sichern den Tatort um die "Tree of Life" Synagoge

28.10.2018

Reaktionen aus aller Welt auf den Angriff in Pittsburgh Schock, Trauer, Unverständnis

Die Welt hat mit Bestürzung auf den Angriff auf eine Synagoge reagiert, bei dem elf Menschen starben. Politiker verurteilten weltweit die Tat eines 46 Jahre alten Amerikaners scharf. Auch Papst Franziskus fand deutliche Worte.

Der offenbar antisemitisch motivierte Anschlag auf eine Synagoge in der US-Stadt Pittsburgh mit elf Toten sorgt weltweit für Entsetzen. Papst Franziskus zeigt sich betroffen und sprach in seinem Mittagsgebet am Sonntag von einem "schrecklichen Attentat" und einem "unmenschlichen Akt der Gewalt", der alle verletze. Es gelte, "die Brandherde des Hasses" zu löschen, die sich in der Gesellschaft ausbreiteten, sagte der Papst vor Zehntausenden Besuchern auf dem Petersplatz.

Dabei mahnte er weiter zu einem Sinn für Menschlichkeit, Achtung des Lebens, moralischen und zivilen Werten sowie Gottesfurcht. Gott sei der "Vater aller", betonte er. Der jüdischen Gemeinde von Pittsburgh bekundete der Papst seine Verbundenheit. "Der Allmächtige nehme die Verstorbenen in seinen Frieden auf, tröste ihre Familien und helfe den Verletzten", sagte er.

Reaktionen der Kirchen

Der Generalsekretär des Weltkirchenrates, Olav Fykse Tveit, schrieb auf Facebook: "Schrecklicher Terror in der Synagoge von Pittsburgh." Dieser Angriff auf Juden müsse von allen verurteilt werden. Der katholische Bischof von Pittsburgh, David Zubik, erklärte, Hass auf Juden und andere Minderheiten sei eine schwere Sünde.

Die leitende Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika, Elizabeth Eaton, betonte, Antisemitismus stehe im Widerspruch zum Evangelium.

Trump: Schnellere Todesurteile für Mörder

US-Präsident Donald Trump forderte nach den tödlichen Schüssen schnellere Todesurteile für Mörder. "Sie sollten wirklich den ultimativen Preis zahlen", sagte Trump am Samstag über Menschen, die Gläubige in Gotteshäusern erschießen.

"Sie sollten nicht Jahre über Jahre darauf warten." Der Präsident sprach sich zudem für bewaffnetes Sicherheitspersonal bei Gottesdiensten aus. "Ein Verrückter ging hinein und sie hatten keinen Schutz", sagte Trump über die Gemeindemitglieder. "Bewaffnete Posten hätten ihn sofort stoppen können."  Weiter sprach Trump auf Twitter von einem "Angriff auf die Menschheit".

Reaktionen aus Deutschland

 Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte am Samstagabend via Twitter: "Ich trauere um die Toten von Pittsburgh, die offenbar Opfer von blindem antisemitischen Hass wurden." Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigte sich bestürzt über den tödlichen Anschlag. "Dieses abscheuliche Verbrechen mahnt uns alle, zu tun, was in unserer Macht steht, um gegen Hass und Gewalt, gegen Antisemitismus und Ausgrenzung einzutreten und jenen entschieden entgegenzutreten, die sie schüren", schrieb Steinmeier am Sonntag in einem Kondolenzschreiben an US-Präsident Donald Trump. Er wünsche den Menschen in den USA Kraft, um die Trauer und den Schmerz zu bewältigen und den Hass zu überwinden, fügte der Bundespräsident hinzu. Seine Gedanken seien bei den Getöteten und bei ihren Angehörigen.

Der Bundesbeauftragte für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus in Deutschland, Felix Klein, äußerte nach dem Attentat in Pittsburgh "Trauer und Entsetzen". Den Opfern und ihren Angehörigen sprach er Anteilnahme aus.

"Deutschland hat besondere Verpflichtung"

Weiter forderte er mehr internationale Anstrengungen gegen Judenhass. "Pittsburgh zeigt, dass der Kampf gegen Antisemitismus eine Aufgabe ist, die sich leider in vielen Ländern stellt", erklärte Klein am Sonntag in Berlin. Er müsse daher auf internationaler Ebene angegangen werden. "Deutschland hat dabei eine besondere Verpflichtung", betonte Klein.

Klein kündigte an, gemeinsam mit amerikanischen und europäischen Partnern nach Strategien zu suchen, um Antisemitismus konsequent zu bekämpfen. "Ich fordere heute insbesondere die österreichische EU-Ratspräsidentschaft auf, hier ein sichtbares Zeichen für die Sicherheit jüdischer Einrichtungen zu setzen, über die wir in der EU gerade beraten", sagte Klein.

Internationale Reaktionen

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verurteilte das Massaker als "abscheuliche antisemitische Tat".

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu verurteilte die Schüsse scharf. "Mein Herz ist gebrochen und ich bin angewidert von der mörderischen Attacke auf eine Synagoge in Pittsburgh", sagte Netanjahu in einem Video-Statement. "Das gesamte israelische Volk trauert mit den Familien der Toten." Er sicherte den Betroffenen und Hinterbliebenen Unterstützung zu. "Wir stehen zusammen mit dem Amerikanischen Volk im Angesicht dieser furchtbaren antisemitischen Brutalität", sagte er. Der israelische Generalkonsul in New York, Dani Dayan, hatte zuvor erklärt, das Geschehen werde als innere Angelegenheit Israels betrachtet, auch wenn es Tausende Kilometer von Israel entfernt passiert sei.

Reaktionen aus der jüdischen Gemeinde

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, drückte am Sonntag auf Facebook den Angehörigen und Opfern sein Mitgefühl aus. "Das Attentat zeigt, wohin ein Klima des Hasses führen kann", so der aus Würzburg stammende Schuster. "Ich hoffe, dass die amerikanische Gesellschaft jetzt zusammensteht."

Seine Vorvorgängerin in diesem Amt, Charlotte Knobloch, erklärte, dass es sich um den schlimmsten Angriff gegen eine jüdische Einrichtung in der Geschichte der USA handele. "Den gewaltsamen Hass gegen alles Jüdische, der sich in diesem schändlichen Anschlag gezeigt hat, kennen wir leider nicht erst seit gestern", schreibt die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern auf Facebook.

Der Jüdische Weltkongress (WJC) zeigte sich schockiert. Bei dem Vorfall handele es sich um einen "abscheulichen Terrorakt", sagte WJC-Präsident Ronald Lauder laut Mitteilung am Samstag in New York. "Das war ein Angriff nicht nur auf die jüdische Gemeinde, sondern auf ganz Amerika."

(dpa, KNA, epd)

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