Feierliche Ordination von Rabbinern und Kantoren in der Berliner Beth Zion Synagoge
Feierliche Ordination von Rabbinern und Kantoren in der Berliner Beth Zion Synagoge
Joseph Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland
Joseph Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland
Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin
Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin
Heiko Maas (SPD), Außenminister
Heiko Maas (SPD), Außenminister

09.10.2018

Schuster: Antisemitismus verbreitet sich beängstigend schnell "Offen als Jude leben können"

In einer Zeremonie sind am Dienstag in der Berliner Beth Zion Synagoge drei orthodoxe Rabbiner und und drei jüdische Kantoren in ihre Ämter eingeführt worden. Die Festredner riefen zu nachhaltigem Engagement gegen Antisemitismus auf.

An der Ordination nahmen neben Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller, Bundesaußenminister Heiko Maas (beide SPD) und Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, und der Präsident des Jüdischen Weltkongresses und Gründer der Lauder-Stiftung, Ronald S. Lauder, teil.

Schuster rief in seiner Ansprache die nicht-jüdische Mehrheitsgesellschaft in Deutschland dazu auf, gegen Judenfeindschaft aktiv zu werden, die sich wieder in "beängstigender Geschwindigkeit" im Land verbreite.

"Freiheit bedeutet, Kippa und Davidstern tragen zu können"

In Deutschland gehörten Religionsfreiheit und persönliche Freiheit zu den Grundrechten, sagte Schuster. Freiheit bedeute, Kippa und Davidstern offen tragen zu können, ohne angepöbelt, angestarrt oder geschlagen zu werden. Sie bedeute auch, offen als Jude leben zu können, ohne als Kindermörder, Spekulant oder Raffzahn diffamiert zu werden, betonte er: "Doch so vehement wie lange nicht muss die jüdische Gemeinschaft derzeit für diese Grundrechte kämpfen."

Bürgermeister Müller betonte, der Kampf gegen Antisemitismus sei nur zu gewinnen, wenn er nachhaltig und auf vielen Ebenen geführt werde. So gut es sei, dass Tausende nach antisemitischen Übergriffen gegen Juden auf die Straße gingen, so reiche es doch nicht, wenn darauf nur mit Empörung reagiert werde. "Wir brauchen ein dauerhaftes und nachhaltiges Engagement gegen Antisemitismus", sagte er: "Und wir dürfen den Mut nicht verlieren und müssen an unserem Ziel festhalten, auch wenn es Rückschläge gibt."

"Verantwortung, jüdisches Leben zu schützen"

Bundesaußenminister Maas sprach von einem Vertrauensvorschuss für Rechtsstaat und Demokratie, dass in Berlin als Ort, an dem Deportation und Vernichtung der Juden geplant wurden, heute wieder die größte jüdische Gemeinde Deutschlands lebt und Rabbiner ausgebildet und ordiniert werden. "Unsere Verantwortung, jüdisches Leben zu schützen, sie endet nie", betonte Maas.

Die drei Absolventen des orthodoxen Berliner Rabbinerseminars sind in jüdischen Gemeinden in Berlin, Basel und Magdeburg tätig. Die drei jüdischen Kantoren (Vorbeter in der Synagoge) wurden am Leipziger Institut für Traditionelle Jüdische Liturgie ausgebildet. Es war die erste Rabbiner-Ordination von Absolventen des Berliner Rabbinerseminars in der Hauptstadt. Die Bildungseinrichtung wird vom Zentralrat der Juden und der Ronald S. Lauder Foundation getragen.

(epd)

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