Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem
Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem

05.07.2018

Yad Vashem lehnt Erklärung zu polnischem Holocaust-Gesetz ab "Irrtümer und Täuschungen"

Die Gedenkstätte Yad Vashem hat die gemeinsame Erklärung Polens und Israels zum umstrittenen polnischen Holocaust-Gesetz als fehlerhaft zurückgewiesen. Das Papier enthalte "schwerwiegende Irrtümer und Täuschungen".

Eine sorgfältige Durchsicht der Erklärung durch Yad-Vashem-Historiker zeige, "dass die historischen Behauptungen, die als unangefochtene Tatsachen präsentiert werden, in der gemeinsamen Erklärung schwerwiegende Irrtümer und Täuschungen enthalten", heißt es in einer Stellungnahme der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem vom Donnerstag.

Damit bleibe das Wesen des Gesetzes auch nach seiner Abänderung unverändert. Die Gedenkstätte sehe sich in der Pflicht, auf die historischen Ungenauigkeiten und die Gefahr eines Schadens für die Diskussionsfreiheit über den Holocaust hinzuweisen.

Polnische Hilfe für Juden sei "relativ selten" gewesen

Historisch umstritten sei etwa die Rolle der polnischen Exilregierung und des polnischen Untergrunds. Laut Yad Vashem scheiterte die polnische Resistenz nicht nur in vielen Fällen beim Versuch, Juden zu helfen, sondern "war auch nicht selten aktiv beteiligt an ihrer Verfolgung".

Auch sei die polnische Hilfe für Juden während des Holocaust "relativ selten" gewesen, während Gewalt gegen Juden "ein weit verbreitetes Phänomen" gewesen sei, so Yad Vashem. Ausdrücklich sprach sich die Gedenkstätte gegen Versuche aus, "das Phänomen des Antisemitismus mit dem sogenannten Antipolonismus in Verbindung zu bringen".

"Gegenseitiger Respekt für Identität und historische Empfindlichkeit"

Am Mittwoch hatten die Regierungen Israels und Polens in einer gemeinsamen Erklärung den Geist "gegenseitigen Respekts für die Identität und historische Empfindlichkeit, gerade bezüglich der tragischsten Abschnitte unserer Geschichte" betont. Sie wiesen "Versuche" zurück, "Polen oder die polnische Nation insgesamt für die Grausamkeiten verantwortlich zu machen, die die Nazis und ihre verschiedenen Nationen entstammenden Kollaborateure begangen" hätten.

Das Dokument wurde unter anderem als ganzseitige Anzeige in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am Mittwoch veröffentlicht; auf Hebräisch erschien der Text am Donnerstag in israelischen Zeitungen.

Umstrittenes Holocaust-Gesetz mit Haftandrohungen

Polen hatte kürzlich die Haftandrohungen aus seinem umstrittenen Holocaust-Gesetz vom Januar gestrichen. Ursprünglich sah es neben Geldstrafen auch bis zu drei Jahre Haft vor, wenn jemand etwa "öffentlich und entgegen den Fakten" dem polnischen Volk oder Staat die Verantwortung oder Mitverantwortung für von Nazi-Deutschland begangene Verbrechen zuschreibt.

Die Verabschiedung des Gesetzes hatte für scharfe Kritik aus Israel, den USA und der Ukraine gesorgt. Kritiker befürchteten, es könne Holocaust-Überlebende und Forscher hindern, an die Beteiligung von Polen am deutschen Völkermord an den Juden zu erinnern.

(KNA)

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