Eine Kippa
Kippa, die im Mittelpunkt des antisemitischen Angriffs in Berlin stand
 Mike Samuel Delberg, Repräsentant der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, spricht mit Journalisten vor einem Gerichtssaal des Amtsgerichts Tiergarten.
Mike Samuel Delberg, Repräsentant der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, spricht mit Journalisten vor einem Gerichtssaal des Amtsgerichts Tiergarten.

26.06.2018

Angriff auf Kippa-Träger: 19-jähriger Täter zu Arrest verurteilt "Strafrecht alleine reicht nicht"

Nach der Gürtel-Attacke gegen einen Kippa tragenden Israeli in Berlin ist ein 19-Jähriger wegen Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung schuldig gesprochen worden. Der Zentralrat der Juden begrüßte das Urteil, warnte aber zugleich.

Im Prozess um die gewaltsame Attacke auf einen Kippa tragenden Israeli ist ein 19-jähriger Syrer am Montag wegen Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung schuldig gesprochen worden. Das Amtgericht Tiergarten verurteilte ihn zu vier Wochen Arrest nach Jugendstrafrecht, wie eine Gerichtssprecherin am Montagabend auf Anfrage dem Evangelischen Pressedienst (epd) bestätigte. Der Angriff im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg hatte Mitte April bundesweit für Empörung gesorgt und eine Debatte über Antisemitismus in Deutschland ausgelöst.

Das Gericht sah es am Montag als erwiesen an, dass der Syrer einen 21-jährigen Israeli und seinen Freund, einen Deutsch-Marokkaner, Mitte April beleidigt und mit einem Hosengürtel geschlagen hat, weil die beiden Männer Kippa trugen. Eines der Opfer wurde dabei leicht verletzt. Zudem wurde der 19-Jährige vom Gericht für ein Jahr unter Betreuungshilfe gestellt. Außerdem muss der Verurteilte innerhalb eines Monats an einer Führung im Haus der Wannseekonferenz teilnehmen, wie die Gerichtssprecherin weiter mitteilte. Der Arrest gilt bereits als verbüßt, weil der Syrer seit Mitte April in Untersuchungshaft saß. Der Verurteilte kommt damit frei.

Josef Schuster begrüßte Urteil

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, begrüßte "dass der Täter ganz klar wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung schuldig gesprochen wurde". Es zeige sich aber auch, dass mit dem Strafrecht alleine das Antisemitismus-Problem nicht in den Griff zu bekommen sei, "sondern in der Schulbildung und bei der Integration der Migranten sehr viel Nachholbedarf besteht", erklärte Schuster.

Laut Gerichtssprecherin erkannte das Gericht einen antisemitischen Hintergrund der Attacke an. Einen eigenen Straftatbestand Antisemitismus gebe es allerdings nicht, sagte die Sprecherin. Das Urteil fiel damit bereits am zweiten Prozesstag. Ursprünglich war die Entscheidung der Richter erst für Donnerstag erwartet worden.

Mit Gürtel geschlagen

Zum Prozessauftakt am Dienstag vergangener Woche hatte der Angeklagte gestanden, den Israeli mit einem Gürtel geschlagen zu haben. Antisemitische Motive bestritt er jedoch. Er sei von dem späteren Opfer beleidigt worden, argumentierte der 19-Jährige. Der junge Israeli sagte dagegen, er habe mit dem Angreifer kein Wort gewechselt.

Eines der Opfer hatte die Attacke teilweise mit dem Handy gefilmt und das Video in sozialen Netzwerken verbreitet. Zu sehen ist, wie ein Mann mit einem Gürtel auf den Filmenden einschlägt und auf arabisch «Jude» ruft. Der Angriff hatte über Deutschland hinaus Bestürzung und zugleich eine Welle der Solidarität mit dem Opfer ausgelöst. Bei dem 21-jährigen Opfer handelt es sich um einen arabischen Israeli, der nach eigener Aussage nicht jüdisch, aber unter Juden aufgewachsen ist, und die Kippa als Experiment trug.

(epd)

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