Friedensdemonstration der Aktion Sühnezeichen 1984 (ARCHIV)
Friedensdemonstration der Aktion Sühnezeichen 1984 (ARCHIV)

25.05.2018

Vorstandsvorsitzender Reimers zu 60 Jahre Aktion Sühnezeichen "Erfahrung von Versöhnung"

Vor 60 Jahren rief der evangelische Theologe Lothar Kreyssig zur Gründung der "Aktion Sühnezeichen" auf. Im Interview spricht der derzeitige Vorstandsvorsitzende Stephan Reimers über Herausforderungen durch den Antisemitismus.

KNA: Die Aktion Sühnezeichen wird 60 Jahre alt. Was zeichnet die Aktion aus?

Stephan Reimers (Vorstandsvorsitzender der Aktion Sühnezeichen): Ich würde eher sagen 60 Jahre jung. Denn ich kenne kaum eine andere Organisation, die sich durch das Engagement mit und von jungen Menschen so fit und vital gehalten hat wie die Aktion Sühnezeichen.

KNA: Was ist Ihr Geheimnis, dass sich gerade so viele junge Menschen bei Ihnen engagieren?

Reimers: Ein zentrales Aufgabenfeld der Freiwilligen ist die Unterstützung von Überlebenden der nationalsozialistischen Verfolgung und ihrer Angehörigen. Ich denke, das spricht viele junge Deutsche an, die sich damit stärker auseinandersetzen wollen. Es ist unglaublich bewegend und beglückend, wenn man spürt, dass sich die Überlebenden so offen jungen Deutschen zuwenden. Das ist auch eine Erfahrung von Versöhnung, die man sonst nirgendwo machen kann.

KNA: Das Thema Antisemitismus ist in den vergangenen Monaten wieder aktuell geworden. Besorgt Sie das?

Reimers: Ich denke, dass die Aktion Sühnezeichen mit ihrer Arbeit dazu beigetragen hat, dass in Deutschland ein anderes Klima entstanden ist. Immerhin haben fast 90 Prozent der Bevölkerung nicht der AfD ihre Stimme gegeben, sondern Parteien, die die deutsche Erinnerungskultur unterstützen.

Meinungsumfragen haben aber auch immer wieder gezeigt, dass es einen Grundsockel an Vorbehalten gegen Jüdinnen und Juden in der Bevölkerung gibt. Der Anteil liegt unter 20 Prozent, aber er ist da. Und er wird durch solch eine nationalistisch und völkisch auftretende Gruppe wie die AfD angesprochen und belebt. Es ist erschreckend, dass die AfD drittstärkste Kraft im Bundestag geworden ist.

KNA: Was tun Sie, um gegen den Antisemitismus vorzugehen?

Reimers: Wir haben beispielsweise das Projekt "Biografien der Vielfalt". Es richtet sich speziell an Menschen mit Fluchthintergrund. Bei diesem Kennenlern-Programm für Deutschland werden insbesondere die Themen Antisemitismus und Nationalsozialismus einbezogen.

KNA: Was kann man heute noch vom Gründer der Aktion Sühnezeichen, Lothar Kreyssig, lernen?

Reimers: Lothar Kreyssig ist aufgrund seiner Zivilcourage und seines Mutes ein Vorbild. Er hat im Dritten Reich sein Leben riskiert und ist offen gegen die Euthanasie aufgetreten, indem er Strafanzeige gegen den Verantwortlichen gestellt hat. Und er hat zwei Jüd"nnen auf seinem Bauernhof versteckt. Kreyssig hat zudem deutlich gemacht, dass die Menschen in den angegriffenen Staaten nach dem Krieg noch gar keine Signale der Veränderung von unserem Volk bekommen hatten. Deshalb sollten durch den Aufbau sozialer Einrichtungen konkrete Zeichen der Veränderung gesetzt werden, um so unserer Bitte um Vergebung sichtbaren Ausdruck zu geben. Das ist bis heute aktuell.

KNA: Inwiefern?

Reimers: Wir haben vor zwei Jahren das erste Mal ein Sommerlager in einem Opferdorf in Griechenland gehabt. Im Zweiten Weltkrieg sind dort fast alle männlichen Einwohner von der SS umgebracht worden. Seitdem war in diesem Dorf noch nie ein Deutscher, um über diese Zeit zu sprechen. Wir bauen dort jetzt ein altes Gebäude zu einem Erinnerungshaus um. Unsere Freiwilligen stoßen bei den Nachkommen immer wieder auf offene Fragen. Die Aktion arbeitet dafür, dass von Deutschland ein Antwort auf diese Fragen kommt.

KNA: Was sind Ihre Wünsche für die nächsten 60 Jahre?

Reimers: Dass wir durch die große Unterstützung junger Deutscher so aktiv und jugendlich bleiben - und dass wir uns mit unseren Ideen noch mehr durchsetzen können und die AfD wieder aus dem Bundestag verschwindet.

Das Interview führte Dana Kim Hansen.

(KNA)

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