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Antisemitismus: Juden in Deutschland sehen wachsende Bedrohung
Abraham-Josef Lehrer
Abraham-Josef Lehrer

11.05.2018

Abraham Lehrer für mehr jüdisch-muslimische Kontakte Antisemitismus und Islamfeindlichkeit abbauen

Antisemitismus und Islamfeindlichkeit können nach Worten des Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden, Abraham Lehrer, nur durch persönliche Kontakte abgebaut werden. Diese seien in Deutschland besonders unter Jugendlichen nötig. 

In Köln und in weiteren Städten habe man gute Erfahrungen gesammelt mit einem Projekt, bei dem jüdische Schüler ihren Glauben und ihren Alltag in Schulklassen mit überwiegend muslimischen Schülern vorstellten, sagte Abraham Lehrer am Freitag auf dem Katholikentag in Münster. 

Auch Einladungen an die Bevölkerung, jüdische Einrichtungen zu besuchen, führten schnell zum Abbau von Vorurteilen, erläuterte Lehrer. Meistens stellten die Besucher rasch fest, dass es in jüdischen Kitas, Altenheimen oder Bildungsstätten nicht anders aussehe und zugehe als anderswo. Allerdings kämen die rund 110.000 Mitglieder zählenden jüdischen Gemeinden in Deutschland gegenüber rund 80 Millionen Bundesbürgern schnell an logistische Grenzen. Deshalb komme der Erziehung eine große Rolle zu.

Kein Anwachsen von Antisemitismus und Islamfeindlichkeit?

Nach Ansicht des Historikers Wolfgang Benz ist ein momentanes Anwachsen von Antisemitismus und Islamfeindlichkeit wissenschaftlich nicht nachweisbar. Vielmehr gebe es eine wachsende Aufmerksamkeit für das Phänomen, sagte er. Hass gegen Juden beruhe zudem auf "uralten Ressentiments, die sich leider von Generation zu Generation vererben". Judenhass habe nie an angeblichen Eigenschaften dieser Gruppe gelegen. "Es liegt an der Mehrheit, die Feinde braucht, um sich gut zu fühlen", so Benz. Dies könne heutzutage auch auf Muslime und andere Minderheiten wie Homosexuelle übertragen werden.

Verhältnis von katholischer Kirche und Judentum ausgezeichnet 

Auf offizieller Ebene sei das Verhältnis der katholischen Kirche zum Judentum in Deutschland ausgezeichnet, betonte der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr. Insbesondere die Konzilserklärung "Nostra aetate" (1965) habe große Veränderungen bewirkt. Die Anerkennung des Volkes Israels als Gottes Volk und der Verzicht auf eine Missionierung vonseiten der Kirche habe das Verhältnis entscheidend verbessert.

Zu den Muslimen in Deutschland sei das Verhältnis noch etwas schwieriger, so Neymeyr, da der Islam sehr vielfältig sei und es an legitimierten Ansprechpartnern fehle. Auch könne man in der Kirche nicht über die Christenverfolgung in einigen islamischen Staaten hinwegsehen, so der Vorsitzende der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum der Deutschen Bischofskonferenz.

 

(KNA)

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